17.03.2019

Der Hochzeitsspezialist im Interview Uwe Herrmann: Diese Brautkleider sind jetzt angesagt

Er weiß, was Bräuten gefällt: Hochzeitsspezialist und Brautmodenpapst Uwe Herrmann über die aktuelle Hochzeits-Mode.

Foto: @stefanieschumacherfoto

Er weiß, was Bräuten gefällt: Hochzeitsspezialist und Brautmodenpapst Uwe Herrmann über die aktuelle Hochzeits-Mode.

Uwe Herrmann wird als Deutschlands Brautmodenpapst bezeichnet. Welche Brautkleider dieses Jahr angesagt und welche Ausschnitt- und Kleiderformen für welchen Figurtyp geeignet sind, verrät er im Interview mit BILD der FRAU.

Rund um die Ehe muss heutzutage alles optimal sein. Das ist Uwe Herrmanns Eindruck. "Frauen wollen den optimalen Mann mit dem optimalen Beruf im optimalen Umfeld – alles soll optimiert werden."

Logisch, dass das auch für den großen Tag selbst, den Tag der Hochzeit gilt. Und damit auch in allererster Linie für das Braukleid. Damit hat Uwe Herrmann an sich gar kein Problem – immerhin gilt der 56-Jährige, der durch die Doku-Soap "Zwischen Tüll und Tränen" einem breiten Publikum bekannt wurde, als Deutschlands Brautmodenpapst. In seinem Dresdner Geschäft gehen jährlich rund 2500 Kleider über den Ladentisch.

"Aber der liebe Gott hat den Menschen nun mal nicht optimal, sondern mit Ecken und Kanten gemacht", sagt Uwe Herrmann. Insofern sollte eine Frau neben all dem Optimierungswahn nicht vergessen, worum es bei ihrem Brautkleid vor allem geht: "Jede Frau weiß selbst am besten, was ihr steht", so der Experte. Also sollte sie letztlich auch entscheiden, was sie an ihrer Hochzeit trägt. Und: "Die Braut sollte sich authentisch kleiden. Das ist das allerwichtigste. Sie sollte sich nicht verkleiden, eine Hochzeit ist schließlich kein Karneval."

Uwe Herrmann über Brautmode: das ist jetzt angesagt

Nicht nur in der Mode allgemein erleben wir immer wieder Revivals und Comebacks längst totgeglaubter Trends – "auch in der Brautmode kommt alles wieder", sagt Uwe Herrmann. Was aus seiner Sicht dieses Jahr angesagt ist, zählt er für BILD der FRAU auf:

  • Bauchfreie Kleider: "Das Oberteil ist wie ein kleines T-Shirt mit edler Spitze gemacht, mit kleinen Ärmchen dran, in der Mitte wird die Spitze ausgelassen, darunter fängt der Rock an – oft sind das dann ganz schmale Kleider."
  • Overalls: "Heute heißen sie Jumpsuit, mit ihnen kommen die 1970er-Jahre wieder ein bisschen durch. Ich persönlich finde Mädchen im Kleid ja schöner..."
  • Meghan-Markle-Kleider: "Beide Kleider sind momentan extrem im Trend, die Leute brauchen ja immer Vorbilder." Kleid Nummer eins steht für einen schlichten, schnörkellosen und klassischen Look, enganliegend, mit Dreiviertelärmeln und Bateau-Ausschnitt. Kleid Nummer zwei ist ebenfalls schnörkellos und minimalistisch-elegant, aber ärmellos und durch den Neckholder aufregend und weniger traditionell.
  • Die Ärmelform macht's: "Ganz neu in dieser Saison sind romantische Ärmel, etwa Puff- und Trompetenärmel, die abnehmbar sind. Nach der Kirche kann man sie für die Feierlichkeiten abmachen, aber für die Zeremonie verleihen sie den romantischen Touch."
  • Glitzer und 3D-Look: "Bei klassischen Kleidern ändern sich gerne mal Stoff und Applikationen, so sind gerade Glitzertüll und -steine sowie 3D-Spitze angesagt. Der 3D-Look entsteht etwa durch Seidenblumen, die auf den Rock genäht werden, sie sehen fast wie echt aus und geben dem Kleid den 3D-Charakter."
  • Abendkleid-Look: "Brautkleider, die ganz einfach, sportlich und schick in crème und weiß gehalten sind, ohne Schleppe, manchmal auch etwas gewagt, weil sie vielleicht mit Steinen besetzt und ansonsten sehr transparent sind."
  • Hippie-Mode und Vintage-Stil: "Empfehle ich nur Menschen, bei denen dieser Look auch authentisch ist."

Fünf Kleiderformen geben den Ton an

Neben den einzelnen Stilrichtungen gibt es verschiedene Kleiderformen – je nach Körperbau der Braut bieten sich manche Formen mehr, manche weniger an. Lesen Sie, welche Form für wen geeignet ist:

  • A-Linie: Häufig bei klassischen Brautkleidern zu sehen, es liegt oben eng an und ist nach unten hin gerade, aber leicht ausgestellt. Optimale Form für molligere oder schwangere Bräute, weil keine Taillennaht sichtbar ist. Sie wirken schlanker, schmaler – und mit hohen Absätzen auch größer.
  • Princess- oder Duchesse-Style: Einmal wie eine Prinzessin aussehen – das Oberteil liegt eng an, unterhalb der Taille geht das Kleid weit auseinander, oft mithilfe eines Reifrocks. Kräftige Beine werden von diesem Kleid überdeckt. Damit die Schnittform zur Geltung kommt, sollte der Oberkörper der Braut relativ schlank sein.
  • Empire-Style: Ähnlich wie die A-Linie, nur mit sichtbarer Taillennaht unterhalb der Brust. Nach unten hin bleibt das Kleid schmal. Verzierungen und Raffungen im Brustbereich sind ideal für Frauen, die nicht so viel Oberweite haben, denn die Applikationen "tragen auf".
  • Meerjungfrauen-Style: Schlanke Frauen mit weiblicher Figur sind mit dieser Brautkleidform gut beraten, denn sie ist sehr körperbetont. Das Kleid liegt überall eng an und wird erst unterhalb des Knies etwas weiter – wie beim Schwanz einer Meerjungfrau.
  • Mehrteilige Brautkleider: Hier sind Ober- und Unterteil getrennt. Das Oberteil besteht häufig aus einer Korsage oder einem Brauttop, dazu kommt in der Regel ein Rock. Die Gestaltungmöglichkeiten sind sehr vielfältig und breit gefächert, so dass für die meisten Figurtypen eine geeignete Kombination dabei ist.

Das A und O beim Brautkleid: die Ausschnittform

Ganz wichtig, sagt Uwe Herrmann, ist der Ausschnitt bei einem Kleid. "Die Ausschnittform muss zum Körper passen." So kann er den Oberkörper strecken, Pölsterchen kaschieren oder von einem kleinen oder großen Busen ablenken.

  • Herzausschnitt: der Klassiker, geht bei fast jedem Figurtyp, denn das Dekolleté wird einerseits optisch vergrößert, andererseits wirkt die Form bei einer großen Oberweite unterstützend.
  • Vau-Ausschnitt: ein kurzer Oberkörper wird durch einen tiefen V-Ausschnitt optisch gestreckt, auch breite Schultern wirken dadurch schmaler. Je größer der Busen ist, desto höher sollte der Ausschnitt angesetzt sein.
  • One-Shoulder-Ausschnitt: Vor allem Frauen mit wenig Oberweite profitieren davon, denn die asymmetrische Form vergrößert sie optisch und kann durch allerlei Applikationen auch vom Busen ablenken.
  • Neckholder: Neben dem Dekolleté sind es vor allem die Schultern, die bei dieser Form besonders zur Geltung kommen. Frauen mit kräftigen Oberarmen und breiten Schultern sollten nicht zum Neckholder greifen, für einen großen Busen wiederum ist die Form perfekt, denn sie hat eine stark stützende Funktion.
  • Carré-Ausschnitt: Diese quadratische Form sieht auch mit kleinem Dekolleté schön aus. Ein tiefes Carré ist gut bei wenig, ein hohes bei viel Oberweite. Lange Oberkörper wirken mit dieser Form zierlicher, breite Schultern hingegen noch breiter.
  • U-Boot-Ausschnitt (Bateau-Ausschnitt): Bei dieser Form können die Träger zu Ärmeln werden, wenn sie weit ausgeschnitten ist. Breite Schultern wirken dadurch schmaler. Ideal bei einer schönen Hals- und Dekolleté-Partie.
  • Carmen-Ausschnitt: Ähnlich wie der U-Boot-Ausschnitt, lassen die Träger hier die Schultern aber frei, weil sie unterhalb liegen. Wer schöne Schultern hat, ist mit dieser Form gut beraten.
  • Mandarin-Kragen: Verschiedene Stoffe werden übereinandergelegt, so dass eine Art 3D-Effekt erzielt wird. Ein kurzer Oberkörper wird dadurch optisch gestreckt.
  • Trägerlos: Ein Klassiker, hier kommt der Halt über die Corsage oder den BH. Weil die Braut hier viel von ihrem Oberköper preisgibt, sollte sie nicht zu viel Busen, nicht zu breite Schultern und nicht zu starke Oberarme haben. Bei zu wenig Oberweite hat das Oberteil aber nicht viel Halt. Tipp von Uwe Herrmann: "Ein paar durchsichtige Träger für den halterlosen BH in der Handtasche mitnehmen, die im Zweifelsfall einfach eingehängt werden können – bevor alles verrutscht."

Der wichtigste Ansatzpunkt für eine gelingende Ehe

Weil Brautausstatter ja immer auch ein bisschen sozialpädagogisch arbeiten, wie Uwe Herrmann erklärt, kriegt er viel mit von künftigen Ehepaaren. Für alle, die den Bund der Ehe eingehen wollen – oder das schon getan haben, hat er ein Rezept für eine funktionierende Beziehung auf Dauer: "Den Partner so, wie er ist, zu akzeptieren, und ab dem Tag der Ehe ihn nicht mehr verbiegen zu wollen." Man sollte nicht vergessen, warum man zusammengekommen ist, fährt er fort, dass man in guten und schlechten Zeiten zusammenhalten und man ihm immer auf Augenhöhe begegnen soll. Warum so viele Ehen scheitern, weiß der Brautmodenpapst auch: "Viele haben es verlernt, miteinander zu reden."

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In einem früheren Interview mit BILD der FRAU hat "Zwischen Tüll und Tränen"-Star Uwe Herrmann über den schmerzlichen Verlust seiner Mitarbeiterin, die Farbe von Brautkleidern, Problemzonen und Notfalltipps für den großen Tag gesprochen.

Im vergangenen Jahr trauerte "zwischen Tüll und Tränen"-Star Uwe Herrmann um seine langjährige Mitarbeiterin Birgit Hosemann.

Viele weitere Tipps für die perfekte Hochzeit – vom Hochzeits-Outfit über Geschenkideen bis hin zu hilfreichen Checklisten – finden Sie auf unserer umfassenden Themenseite.

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