12.09.2018

Designer macht Plus-Size-Mode Guido Maria Kretschmer: Curvy-Kollektionen sollten häufiger sexy sein

Guido Maria Kretschmer und zwei seiner Models beim Shooting für seine "Curvy Collection by Otto".

Foto: OTTO PR

Guido Maria Kretschmer und zwei seiner Models beim Shooting für seine "Curvy Collection by Otto".

Guido Maria Kretschmer hat jetzt seine erste Curvy-Kollektion für den Versandriesen Otto vorgestellt. Im Interview spricht der Designer über die Herausforderungen von Plus-Size-Mode, sein Lieblings-Model – und was Curvy Models besonders gut können.

Bei Guido Maria Kretschmer läuft's: Erst am Wochenende hat er seiner großen Liebe Frank Mutters auf Sylt das Ja-Wort gegeben. Nur zwei Tage später präsentieren Models auf einem Hamburger Laufsteg die erste Curvy-Kollektion des 53-Jährigen, die er für das Unternehmen Otto designed hat.

Im Interview mit BILD der FRAU verrät Guido Maria Kretschmer, warum ihm Curvy-Kollektionen wichtig sind, worauf er beim Designen besonders geachtet hat – und wie er seine Hochzeit fand.

Guido Maria Kretschmer über seine neue Curvy-Kollektion

Warum ist es Ihnen ein Anliegen, für Curvy Models zu designen?

Seitdem ich Mode mache, habe ich schon immer dafür gesorgt, auch für Frauen in größeren Größen etwas zu entwerfen, auch in meiner klassischen Couture-Kollektion. Ich war immer einer der wenigen, der von Haus aus schon Größen bis Größe 54 gemacht hat. Curvy war Zeitgeist und wird es immer sein, weil Frauen einfach weibliche Formen haben. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man Frauen begleitet und sie sich wohlfühlen, egal in welcher Konfektionsgröße. Das ist mir in meiner Kollektion mit Otto, denke ich, sehr gut gelungen.

Was war dabei die größte Herausforderung?

Die Herausforderung ist eigentlich, die Design- und Entwicklungsteams davon zu überzeugen, auch mal sexy zu arbeiten. Dass man in großen Größen nicht immer kaschieren muss, sondern sehr wohl zeigen kann, dass da Rundungen sind, die man auch gerne betonen kann. Diese Vision hatte ich schon immer vor Augen und habe deshalb bewusst alle Beteiligten dazu aufgefordert, etwas mutiger und figurbetonter zu schneidern.

Die Mode soll sexy sein, aber auch anständig produziert werden

Was war Ihnen wichtig bei der Erstellung?

Alle Kollektionen müssen modisch und aktuell sein. Denn Plus Size zu sein, heißt ja nicht, dass es nicht modern sein kann. Wichtig waren mir auch gute Materialien, welche die Frauen gerne tragen. Mir liegt auch immer am Herzen, dass die Kleidung anständig produziert wird – in Werken, in denen Menschen von ihrer Arbeit leben können. Ich muss meine Mode mit ruhigem Gewissen zeigen können, die Frauen sollen auch ein gutes Gefühl dabei haben und sie gleichzeitig zu einem guten Preis bekommen. Mit Otto als Partner kann ich das alles gewährleisten.

Ihr Lieblings-Stück aus Ihrer Kollektion?

Ganz besonders mag ich den Long Blazer, der von vielen sogar schon vorab bestellt wurde. Ich mag die Prints der neuen Kollektion sehr gerne, die Blousons und eines der tollen Kleider – aber es ist auch immer ein Tagesmoment. Es kann immer passieren, dass ich Teile, die ich vorher okay oder vielleicht zu außergewöhnlich fand, an einer Frau wunderbar finde. Das ist es, was mich als Designer irgendwie befriedigt, weil ich dann weiß, dass es Vielfalt gibt – und Vielfalt muss auch von verschiedenen Frauen getragen werden.

Vielfalt und Einzigartigkeit – das verkörpern auch diese Frauen:

Ich bin gut so wie ich bin

Frauen stehen zu ihrem Körper: Body Positivity-Aktion

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Curvy Models können meistens wahnsinnig gut lachen

Was haben Curvy Models, was andere Models nicht haben?

Curvy Models haben Kurven und vermutlich haben sie 20-50 Kilos mehr als andere Models, die ich so treffe. Sie sind meistens auch groß, haben tolle Haare, tolle Beine und können wahnsinnig gut lachen. Also alles genau wie bei den schlankeren Models, nur einfach etwas mehr. So wie man sagt: Darf‘s ein bisschen mehr sein? – Es darf!

Haben Sie ein Lieblings-Model?

Ich habe zwar viele Lieblings-Curvy-Models, aber mein liebstes ist eigentlich eine Nachbarin von mir. Sie ist für mich mein Model, denn sie trägt meine Kollektion, sie läuft morgens an meinem Haus vorbei und winkt mir zu, während sie einen Mantel, ein Kleid oder eine Jogginghose aus meiner Kollektion trägt. Ich denke mir immer: Dich zahlt niemand dafür, und doch machst du mir und vielleicht einigen anderen eine so große Freude damit. Deshalb ist sie eigentlich mein Lieblings-Curvy-Model – jetzt ist es raus (lacht).

Wollen Sie weitere Curvy-Kollektionen folgen lassen?

Auf jeden Fall. Mein Traum ist es, irgendwann meine beiden Kollektionen bei Otto zusammenzuführen. Ich würde am liebsten schon Teile aus der anderen Kollektion in die Curvy übernehmen und umgekehrt. Und das ist auch ein bisschen der Weg, wo es in Zukunft hingehen soll. Aber auch jetzt ist es schon so, dass Curvy-Frauen bereits in der "normalen" Kollektion fündig werden können. Also wer Zeit hat, schaut sich beides an.

Noch etwas Persönliches zum Schluss: Ein Statement zu Ihrer Hochzeit?

Es war wunderschön. Ich bin glücklich. Lang lebe die Liebe!

Lesen Sie hier mehr über die Hochzeit von Stardesigner Guido Maria Kretschmer .

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Übrigens: Auch Gudio Maria Kretschmers Design-Kollege Michael Michalsky hat erst kürzlich zum ersten Mal Plus-Size-Mode kreiert. Ebenso bietet das Label Pepita Mode in Übergrößen an. Und Cubell hat sich den "Figurtyp" genauer angesehen (gibt es den überhaupt?) und bietet dazu Mode an. Und Ilka Bessin alias "Cindy aus Marzahn" hat 2017 ihr eigenes Modelabel gegründet.

Wie schön, dass diese Kollektionen in Zeiten von Size-Zero-Models auf den Markt kommen! Und wie gut, dass auch eine Kampagne wie "Body Positivity" immer mehr an Bedeutung zulegt. Wir zeigen drei tolle Projekte, die Frauen mit vermeintlichen Schönheitsmakeln feiern.

Weitere Artikel rund um Modetrends finden Sie auf unserer Themenseite.

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