22.05.2018

US-Forscher sind sich sicher Deshalb bekommen wir graue Haare

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US-Forscher glauben: Graue Haare könnten von einem gestörten Immunsystem kommen.

Foto: iStock/Vesnaandjic

US-Forscher glauben: Graue Haare könnten von einem gestörten Immunsystem kommen.

Die Gründe für graues Haar? Eine neue US-Studie hat herausgefunden, dass das Immunsystem seine Finger im Spiel haben könnte.

Die Gründe für graue Haare sind vielfältig. Einer ist, dass Grau momentan ziemlich "in" ist – allerdings meist eher bei Trägern, die sich aus freien Stücken dafür entscheiden. Verliert der Schopf seine Farbe ungewollt, wird häufig nachgefärbt.

Doch silberfarbene Strähnen haben nicht zwingend etwas mit vorzeitigem Altern zu tun: Eine neue Studie der University of Alabama (USA) hat eine Verbindung zwischen den Genen, die für die Haarfarbe verantwortlich sind und denen, die unserer Immunsystem steuern, entdeckt. Die Entdeckung würde erklären, warum Haare plötzlich grau werden – z.B. nach schweren Krankheiten oder in Stresssituationen.

Gründe für graue Haare? Darum verändern Haare ihre Farbe

In den Haarfollikeln befinden sich Zellen, die sogenannten Melanozyten, die in Zusammenarbeit mit bestimmten Enzymen das Pigment Melatonin bilden. Sie verleihen dem Haar ihre individuelle Färbung – je nachdem, wie hoch der Anteil der einzelnen Melanin-Typen (Phäomelanin und Eumelanin) ist, färben sich unsere Haare blond, dunkel oder rötlich.

Nimmt die Pigmentproduktion ab, handelt es sich um eine natürliche Alterserscheinung, die sich normalerweise ab dem 34. und 44. Lebensjahr durch sichtbar graue Haare bemerkbar macht. Zu einem frühzeitigen Ergrauen kann es kommen, wenn dafür eine erbliche Veranlagung besteht. "Tatsächlich können aber auch Stress, eine ungesunde Lebensweise und ein schwaches Immunsystem die Ursache für einen grauen Haarschopf in jungen Jahren sein", erklärt Bruce Reith (M.D.), zertifizierter Mesotherapeut und aktives Mitglied der International Society of Hair Restoration Surgery (ISHRS), das Phänomen im Gespräch mit bildderfrau.de.

Bruce Reith: "Erkrankungen, die das Immunsystem betreffen – z.B. Schilddrüsenerkrankungen –, können einen Mangel an Tyrosin hervorrufen, einer Aminosäure, die für die Bildung von Melanin unerlässlich ist. Auch bestimmte Medikamente – z.B. der Chemotherapie – rufen diese Wirkung hervor und können so den Prozess des Ergrauens beschleunigen."

Die gute Nachricht vom Experten: "Graue Haare, die wegen eines Nährstoffmangels oder eines hormonellen Ungleichgewichts entstanden sind, können wieder renaturiert werden, indem die Ursache für die Symptome behoben wird. Dabei können Mittel helfen, welche die Immunantwort stimulieren. So zum Beispiel Präparate mit Thiocyanat." Dieses Molekül aktiviert Enzyme und begünstigt Stoffwechsel- und Transportvorgänge in den Zellen und stärkt so die Haarwurzeln.

Immunsystem stört Bildung von Pigmenten

Unter Laborbedingen konnten die US-Forscher beobachten, wie das Immunsystem von Mäusen ein Gen angreift, das bei der Melanin-Produktion hilft. Die Forscher sind sich sicher, dass dieses MITF-Gen auch die Ausschüttung Interferon, einem Protein mit antiviraler Wirkung, steuert.

Bei einem MITF-Mangel produzierten die Mäuse zu viel Interferon. Die Folge: Die Melanin-Produktion war beeinflusst und den Tieren wuchsen weiße Haare. "Inwieweit sich diese Erkenntnis auch auf uns Menschen übertragen lässt, ist derzeit allerdings noch unklar", gibt der Mediziner zu bedenken. Die Ergebnisse legen jedoch nah, dass bei Personen mit einer genetischen Veranlagung zu grauem Haar, schon eine einfache Infektion ausreicht, um den Verfall der Melanin produzierenden Zellen zu beschleunigen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass eine einzige Virusinfektion oder kurzfristiger Stress im Alltag zwangsläufig zu grauen Haaren führt. Im Rahmen der Studie wurde lediglich ein Mechanismus erkannt und untersucht, der zu einem besseren Verständnis von Alterungsprozessen bei Lebewesen führt. Dies kann einer der Gründe für graue Haare sein, muss aber nicht.

Kann eine gesunde Ernährung den Prozess aufhalten?

In Internetforen und Blogs wird häufig auch die Ernährung als Grund für graue Haare genannt. Besonders raffinierter Zucker, tierisches Eiweiß und Glutamat stehen im Verdacht, die Entwicklung zu beschleunigen.

Und es stimmt: "Nährstoff- und Vitaminmängel können sich auf die Melanin-Produktion auswirken. Mit einer ausgewogenen Ernährung, die zuckerarm sowie vitamin- und ballaststoffreich ist sowie einer gesunden Lebensweise und schonenden Hautpflegeprodukten lässt sich die natürliche Haarfarbe etwas länger erhalten", sagt der Experte.

Insbesondere die Vitamine C und E sowie die Aminosäure L-Tyrosin, bei der es sich um eine Vorstufe des Haarpigments Melanin handelt, unterstützen die Bildung der Farbpigmente.

Um das natürlich Haarwachstum zu unterstützen, "eignen sich die Vitamine A, B2 und C besonders sowie Niacin, Biotin und Pantothensäure. Das altersbedingte Ergrauen lässt sich jedoch nicht vollständig aufhalten. Setzt es einmal ein, lässt sich ergrautes Haar nicht wieder 'entgrauen'“, erklärt Bruce Reith.

Dagegen helfen laut aktuellem Forschungsstand nur Mittel zur Renaturierung, bei denen ein künstlicher Melanin-Ersatzstoff eingesetzt wird, um die ursprüngliche Haarfarbe wiederherzustellen. Bruce Reith: "Eine neue Hoffnung, die derzeit allerdings noch erforscht wird, weckt die sogenannte Pseudokatalase – ein Wirkstoff, der bereits erfolgreich zur Behandlung von Pigment-Krankheiten eingesetzt wird. Er aktiviert die Zersetzung von Wasserstoffperoxid, das die Pigmentbildung hemmt. Ob er auch an der Haarwurzel wirkt und mit welchen Nebenwirkungen er verbunden ist, bleibt allerdings noch zu klären.“

Zucker beschleunigt das Ergrauen

"Bedenklich ist vor allem industriell hergestellter Zucker, da unser Körper Vitamin B1 benötigt, um ihn wieder abzubauen. Da Industriezucker dieses allerdings nicht enthält, wird es dem Körper an anderer Stelle entzogen und kann so unter Umständen andere, natürliche Stoffwechselprozesse hemmen, an denen das Vitamin beteiligt ist", warnt der Experte.

In der Folge kann es zu einem Vitamin-B1-Mangel kommen. Wird dieser nicht durch eine ausgewogene Ernährung ausgeglichen, kann das tatsächlich die Melaninproduktion beeinflussen und zu einem frühzeitigen Ergrauen führen. "Ein solcher Mangel ist in Westeuropa allerdings äußerst selten", gibt Bruce Reith zu bedenken.

Allgemein lässt sich sagen, dass eine Übersäuerung und mangelnde Mineralstoffversorgung sich negativ auf das Immunsystem auswirken können: "Es arbeitet dann nur noch eingeschränkt; Infektionen treten häufiger auf und bestimmte Viren könnten, wie bereits erwähnt, womöglich auch eine Ursache für ein vorzeitiges Ergrauen der Haare sein“, sagt der Haarexperte. Die Gründe für graue Haare sind also vielfältig.

So oder so: Dass graue Haare super stylisch aussehen können, bewies bereits Moderatorin Birgit Schrowange. Warum also auch Sie Ihr graues Haar nicht färben, sondern frisieren sollten, erfahren Sie hier.

Welche Frisur passt zu mir? Wie style ich sie richtig? Antworten auf Fragen wie diese sowie viele spannende Ratgeber rund um Frisuren und Haare finden Sie auf unserer Themenseite.

Die Studie der University of Alabama finden Sie hier.

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