10.10.2017

Dicke Luft im Netz wegen GNTM Internet-Protest gegen Heidi Klum und ihre Model-Show

Ob Heidi Klum das hat kommen sehen? Die Protestaktion #notheidisgirl ruft zum Boykott gegen die Castingshow "Germany's Next Topmodel" auf und schlägt im Netz hohe Wellen.

Foto: imago/ZUMA Press

Ob Heidi Klum das hat kommen sehen? Die Protestaktion #notheidisgirl ruft zum Boykott gegen die Castingshow "Germany's Next Topmodel" auf und schlägt im Netz hohe Wellen.

Die Vorbereitungen für die neue "Germany's Next Topmodel"-Staffel laufen bereits auf Hochtouren. Heidi Klum macht sich dafür Instagram zu Nutze – doch zwischen den Bewerberfotos tummeln sich mittlerweile über 2000 Instagram-Posts von Menschen, die gegen den GNTM-Schönheitswahn protestieren.

Gut gelaunt planscht Heidi Klum mit GNTM-Juror Michael Michalsky im azurblauen Meereswasser und verkündet strahlend den Start der neuen Bewerbungsrunde für die kommende 13. Staffel " Germany's Next Topmodel". Obwohl sich jetzt schon kaum jemand mehr an das Gesicht der Gewinnerin der letzten Staffel erinnern kann, arbeitet Heidi Klum schon wieder fleißig an ihrem Projekt, junge "Mädels" als Topmodels ganz groß rauszubringen.

Und Heidi Klum geht selbstverständlich mit der Zeit: Social-Media-affin wie sie ist, bietet sie Interessierten die Möglichkeit, sich ganz einfach mit ihrem Foto oder Video auf Instagram zu bewerben. Ganz wichtig: der Hashtag #ichbingntm2018!

#notheidisgirl: Protest gegen Heidi Klum und "Germany's Next Topmodel"

Dieser Aufforderung folgten auch die Aktivistinnen einer feministischen Gruppierung, der "Vulvarines". Sie drehten den Spieß jedoch um und rufen zum Protest auf. Mit Hilfe des Hashtags #notheidisgirl soll ein Zeichen gegen das in der Sendung vermittelte Schönheitsideal gesetzt werden.

Der Boykott-Aufruf funktioniert wie ein Kettenbrief. Unter jeden Post gehört der dazugehörige Appell, der weitere User zum Mitmachen motivieren soll. So wollen die Aktivistinnen darauf aufmerksam machen, "dass es nicht ok ist, welche utopischen Schönheitsideale 'Germany's Next Topmodel' vertritt und wie es Menschen jeglichen Geschlechts unter Druck setzt … Je mehr wir sind, desto stärker die Botschaft!"

Der Clou: Gleichzeitig wird Heidis Hashtag #ichbingntm2018 unter das Bild gesetzt. So mischen sich unter die mittlerweile mehr als 5.500 Bewerbungsfotos nun schon mehr als 2.300 Bilder der selbst erklärten GegnerInnnen der GNTM-Show.

Frauen, aber auch Männer, wollen ein Zeichen für Individualität, Vielfalt und gegen Body Shaming setzen. Hier eine Auswahl von Statements der #notheidisgirl-UnterstützerInnen:

  • "Weil keine Frau sich in ein Schema pressen lässt".
  • "Weil ich unperfekt bin und bleiben möchte … Perfektion ist langweilig!"
  • „Ich habe heute leider keine Selbst-Achtung für dich.“
  • "Weil Schönheit Spaß machen soll ... und keine (Selbst-) Zweifel!"
  • "Weil die Schönheit einer Frau in ihrem Verstand liegt, nicht in ihren Körpermaßen."
  • "Weil meine Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen sollen, in der Taten und Worte mehr zählen als Kleidergröße und Gewicht."

GNTM suggeriert jungen Frauen unrealistische Schönheitsideale

Die Aktivistinnen betonen in einem Interview mit jetzt.de, dass die Aktion keinesfalls nur gegen die GNTM-Show gerichtet sei. Sie stehe jedoch für eine allgemeine Verwertungslogik in der heutigen Mode- und Werbeindustrie: "GNTM suggeriert Mädchen und jungen Frauen, dass ihr gesellschaftlicher Wert an ihr Äußeres gekoppelt ist."

Dabei ist die Kritik an Heidi Klums Fernsehformat, in dem durchweg starre Geschlechterrollen und einseitige und unrealistische Schönheitsideale transportiert werden, durchaus nicht neu. Allzu oft möchte man sich die Augen reiben angesichts ihres strengen Umgangs mit den Topmodel-Anwärterinnen und den fragwürdigen Werten, die sie in Ihrer Castingshow vor allem jungen und leicht beeinflussbaren Mädchen vermittelt. Fast schon gruselig die Szene, in der die Modelmama die fast gänzlich entblößten Modelanwärterinnen in Reih und Glied am Pool aufstellen lässt und gnadenlos auf "Makel" inspiziert.

Casting-Show mit gefährlichen Folgen

2015 machte eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) deshalb auf die negative Wirkung aufmerksam, die diese Art der Vermittlung von Schönheitsidealen haben kann. In der Studie gaben 70 von 241 Patientinnen mit einer Essstörung an, dass die Sendung darauf einen erheblichen Einfluss gehabt habe.

Trotzdem bewertet die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), die Sendung als "nicht entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder und Jugendliche“. Und auch Heidi wird sich vermutlich ein weiteres Mal nicht von ihrem Konzept abbringen lassen. Doch das ist ja auch gar nicht das oberste Ziel der Aktivistinnen. Vielmehr sollen die Bilder jungen Mädchen, die unter Selbstzweifeln leiden, Mut machen. Sie sollen sie darin bestärken, dass Schönheit individuell, Vielfalt die Realität und die Modelwelt in Heidis Tomodelvilla nicht mehr als schöner Schein ist.

Diese wunderschönen Curvy-Models setzen auf der New Yorker Fashion Week ein Zeichen für Vielfalt und zeigen, dass wahre Schönheit in allen Formen und Farben daherkommt:

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