07.11.2016

FASHION-SENSATION Designerin mit Down-Syndrom: Isabella Springmühl macht es vor

Menschen mit dem Down-Syndrom nehmen trotz ihres Gen-Defekts voll am Leben teil, wie unsere Beispiele zeigen.

Foto: iStock/kali9

Menschen mit dem Down-Syndrom nehmen trotz ihres Gen-Defekts voll am Leben teil, wie unsere Beispiele zeigen.

Menschen mit Down-Syndrom haben in der Modewelt keinen Platz. Bis jetzt! Isabella Springmühl (19) hat Trisomie 21 und ist trotz großer Hürden Modedesignerin geworden.

Wenn werdende Eltern erfahren, dass ihr ungeborenes Baby Trisomie 21 hat, dann ist das oft ein Schock. Denn obwohl das Kind lebensfähig ist, handelt es sich dabei um einen einschneidenden Gendefekt. In Deutschland leben etwa 30.000 bis 50.000 Menschen mit Trisomie 21, das auch als Down-Syndrom bekannt ist. Etwa eins von 500 geborenen Kindern kommt in Deutschland mit dem Down-Syndrom auf die Welt. Die Ursache ist eine Genmutation, durch die das gesamte 21. Chromosom (oder Teile davon) dreifach vorhanden sind.

Menschen mit Down-Syndrom weisen in der Regel typische körperliche Merkmale wie weit auseinander stehende Augen, eine schräge Lidachse und einen flachen Nasenrücken auf. Bei der Geburt können zum Teil organische Schäden auftreten. Trisomie 21-Betroffene sind in der Regel auch (mehr oder weniger) in ihren kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt. Unter Umständen werden sie sogar als geistig behindert eingestuft.

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Merkmale und Beschwerden des Down-Syndroms

Wegen der zahlreichen Beschwerden werden immer weniger Menschen mit dem Down-Syndrom geboren. Der Grund: die Störung kann im Rahmen der pränatalen Diagnostik oft zu Beginn einer Schwangerschaft festgestellt werden. Viele Frauen entscheiden sich dann zu einem Schwangerschaftsabbruch.

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Eine harte Entscheidung, die den Eltern sicher nicht leicht fällt. Doch die Last scheint für viele einfach zu groß zu sein. Fakt ist: Menschen mit Trisomie 21 haben zahlreiche Beschwerden. Etwa die Hälfte der neugeborenen Kinder hat beispielsweise einen Herzfehler, der in den meisten Fällen jedoch erfolgreich operiert werden kann.

Außerdem leiden sie häufiger an angeborenen Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts, die meist unmittelbar nach der Geburt behandelt werden müssen. Männer mit Down-Syndrom sind unfruchtbar. Darüber hinaus werden überdurchschnittlich häufig Störungen der Schilddrüsenfunktion und des Immunsystems sowie Seh- und Hörstörungen und Probleme mit der Halswirbelsäule diagnostiziert. Insgesamt entwickeln sich Kinder mit Down-Syndrom deutlich langsamer als nicht behinderte Kinder, wobei sie sich in den ersten drei Jahren geistig schneller als motorisch entwickeln.

Auf komplexe äußere Reize reagieren sie schnell überfordert. Ihre Sprachfähigkeiten entwickeln sich deutlich verzögert. Auch die Lebenserwartung ist kürzer, da die Alterungsprozesse früher als normal einsetzen.

Menschen mit Down Syndrom erobern die Modewelt

Aber Gendefekt hin oder her, Menschen mit dem Down-Syndrom sind nicht weniger liebenswert! Dennoch haben sie es in der Gesellschaft oft schwer. Eine ganz besonders ignorante Branche ist die Modewelt. Ein Model mit Trisomie 21? Schier unmöglich. Eine Designerin mit Down Syndrom? Niemals! Die Guatemaltekin Isabella Springmühl belehrt die oberflächliche Branche nun jedoch eines Besseren.

Die 19-Jährige ist die erste Designerin mit Down-Syndrom und durfte ihre Kollektion sogar auf der diesjährigen Londoner Fashion Week präsentieren. Ein Erfolg, der nicht von ungefähr kommt, denn ihre Mode hat etwas ganz besonders. Die farbenfrohen Muster und traditionellen Stoffe vereinen sich harmonisch mit modernen Schnitten und sind extra auf Kunden mit dem Down-Syndrom zugeschnitten.

„Ein Traum von mir war es, in der Lage zu sein, schöne und modische Kleider für Jugendliche und Erwachsene mit Down-Syndrom zu entwerfen. Aufgrund unserer physikalischen Charakteristika haben wir manchmal Probleme damit, schöne Kleidungsstücke zu finden, die uns gut stehen“, erklärt Isabella Springmühl glücklich auf ihrer Website www.downtoxjabelle.com. Ein Traum, der ganz offensichtlich in Erfüllung gegangen ist.

Doch sie ist nicht die Einzige, die Menschen mit dem Down-Syndrom eine neue Plattform bietet. Die amerikanische Supermarkt-Kette „Target“ wirbt in seinem Spielzeug-Prospekt sogar mit Down Syndrom-Kindern!

Auch Hemdless.com hat sich auf Mode für Menschen mit dem Down-Syndrom spezialisiert. Ihre Philosophie: „Die Modewelt hat oft mit Perfektion, Schönheit und Makellosigkeit zu tun. Menschen mit Behinderung werden in diesem Feld meist ausgespart, obwohl hier auch Nachfrage nach schönen und gut verarbeiteten Kleidungsstücken mit optimaler Passform besteht.“

Eine tolle Entwicklung, die dennoch sehr spät und sehr langsam ins Rollen kommt. Die Akzeptanz unserer Gesellschaft bezüglich anders gearteter Menschen steckt noch in den Kinderschuhen. Umso wichtiger sind Leute wie Isabella Springmühl, die vor allem die oberflächliche Modebranche gründlich aufrüttelt. Eines sollte man nämlich nicht vergessen: Menschen mit Down Syndrom sind immer noch Menschen...

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