26.10.2016

DESIGNER IM PORTRAIT Meshit: "Unsere Mode-Kunden reichen von 16 bis 70 Jahren"

Meshit Herbst/Winter 2016

Foto: Matthias Aschauer

Meshit Herbst/Winter 2016

An Meshit kommt in der österreichischen Modeszene im Moment niemand vorbei. Wir trafen die sympathischen Designerinnen zum Kaffeeklatsch in Wien.

bildderfrau.de: Würdet ihr euch kurz vorstellen, wer ihr seid und was ihr macht?

Ida Steixner und Lena Krampf: Wir sind Ida und Lena und haben 2010 das Modelabel Meshit gegründet. Wir machen hauptsächlich Damenbekleidung.

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Wen habt ihr vor Augen, wenn ihr eure Kleidungsstücke designt?

Unsere Zielgruppe ist sehr breitgefächert, denn wir schränken uns nicht gerne ein. Aber es sind auf jeden Fall Frauen, die sich für Design interessieren, die ein Bewusstsein für Kleidung haben. Wir wollen Frauen erreichen, die ihren individuellen Stil haben. Man kann unsere Kleidung ganz gut mit seinem eigenen Stil kombinieren.

Das Alter unserer Kunden reicht von 16 bis ca. 70 Jahren. In unserem Geschäft in der Westbahnstraße sehen wir auch unsere Kunden jeden Tag und sehen wer bei uns einkauft. Seit neuestem versuchen wir auch auf Onesize einen Fokus zu setzen. Wir sehen, dass es sehr wichtig ist auch größere Größen im Sortiment zu haben und für Japan wiederum müssen wir sehr kleine Größen produzieren.

Jetzt probieren wir hier einen Mittelweg mit Onesize zu finden und Schnitte zu entwickeln, die für die unterschiedlichsten Figuren funktionieren, denn wir wollen niemanden ausgrenzen.

Der Begriff „Mesh it“ kommt aus dem Englischen und bedeutet etwas zu vermischen. Wie kam es zu diesem Namen?

Einerseits stellt es die Vermischung unserer unterschiedlichen Zugangsweisen und Ideen dar. Wir haben etwas unterschiedliche Ausbildungen hinter uns. Ich (Ida) habe Kleider machen gelernt und Lena hat die Verarbeitung von Leder gelernt. Andererseits kann man auch sagen, dass sich bei uns auch verschiedene Stilrichtungen vermischen. Bei Meshit trifft das Sportliche auf Eleganz. Oft vermischen sich auch die Inspirationen zu einer Kollektion.

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Könnt ihr eure Ästhetik ein beschreiben?

Meistens orientiert sich unsere Ästhetik an gewissen sozialen Bewegungen oder Schichten, wie beispielsweise verschiedene Jugendkulturen.

Ihr habt eine Raute als Logo, lange bevor dieser ganze Social Media Hype um die Hashtags begonnen hatte. Wie kam es dazu, dass ein Hashtag zu eurem Logo wurde und wie seht ihr die Entwicklung des Hashtags aus heutiger Sicht?

Ganz am Anfang stand der Gedanke des Vernetzens im Vordergrund, denn die Bedeutung von „Mesh“ kann man auch in diese Richtung auslegen. Ganz am Anfang waren wir zu viert und das Logo repräsentierte jeden von uns mit einem Strich.

Jetzt sind wir nur mehr zu zweit und das Logo repräsentiert sozusagen zwei verschiedene Richtungen. Natürlich nervt es manchmal wenn die Leute sagen wir haben ein Hashtag als Logo. Wir hatten auch schon einmal überlegt das Logo wegzulassen, aber mittlerweile gehört das Logo einfach zu unserem Namen dazu.

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Die österreichische Designszene ist recht überschaubar. Kennt man sich da untereinander? Wie erlebt ihr die Szene aus eurer Perspektive?

Man kennt sich, wir haben eigentlich eher wenig mit den anderen Designern zu tun. Vielleicht liegt es daran, dass wir selten zu Modeveranstaltungen gehen und nicht sehr gut im scializen sind. Wir machen einfach unsere Arbeit - das was wir gerne machen.

Am ehesten kommen wir mit anderen Designern über "Designers-Meeting" in Kontakt. Das ist ein E-Mail Netzwerk, über das man Fragen an alle aus dem Verteiler schicken kann und sich gegenseitig Tipps geben kann. Generell kommt es uns aber schon eher so vor, als würde jeder sein eigenes Ding machen bzw. unterschiedliche Wege einschalgen.

Manche konzentrieren sich nur auf den Vertrieb im Ausland, andere wiederum auf den Direktvertrieb mit eigenem Shop. Wir versuchen mit Agenturen im Ausland un ddem eigenen Shop in Wien einen Mittelweg zu gehen.

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Wien ist eure Heimatstadt. Welche Überlegung steckt dahinter eurer Business auch in Wien aufzuziehen und nicht wie viele eurer Kollegen und Kolleginnen ins Ausland zu gehen?

Wien ist für uns eine sehr lebenswerte Stadt und es ist sehr angenehm von hier aus zu arbeiten. Wir sind trotzdem im Ausland durch Agenturen vertreten. Dadurch müssen wir zum Beispiel nicht unbedingt in Paris leben, denn dafür müssten wir viel mehr bezahlen, um denselben Lebensstandard zu haben den wir auch hier haben.

Spielt die Stadt Wien auch eine Rolle bei euren Designs?

Wir haben immer wieder Inspirationsthemen, die mit Wien zu tun haben. Diese ganze Mentalität, die auf den ersten Blick auch vielleicht nicht sehr sympathisch wirkt, zum Beispiel den „Wiener Grant“, finde ich irgendwie lustig. Man ist nicht durchgehend von Mode umzingelt, das finde ich auch sehr angenehm. In Paris und Kopenhagen ist beispielsweise jeder von oben bis unten durchgestyled. Hier gibt es sehr viel unterschiedliche Styles und es ist viel entspannter.

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Manchmal sind Modesünden auch interessant für uns, denn das spannende ist diese neu zu interpretieren. Ich finde, es sollte keine Richtungen geben, nach denen man sich zu orientieren hat. Insofern finde ich es wieder interessant Kleidungsstücke, die als Modesünden bezeichnet werden zu benützen und damit zu spielen. Es ist absolut lächerlich irgendetwas auszugrenzen.

Man spürt ja was die Leute wieder mehr tragen, oder wenn man sich Modezeitschriften ansieht, sieht man auch was gerade angesagt ist. Auf gewissen Art und Weise fließen diese Trends bestimmt auch in unsere Kollektionen mit ein.

Eine Marketingstrategie von Designern ist es berühmte Persönlichkeiten einzukleiden. Wenn ihr euch wen aussuchen könntet, wen würdet ihr gerne einkleiden.

Das hatten wir uns auch schon einmal überlegt und hatten an Chloë Sevigny gedacht. Ich könnte mir auch Personen aus dem Musikbereich vorstellen. Das würde noch am meisten Sinn machen, denn Musik ist eine weitere Inspirationsquelle für uns.

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Wo kann man eure Mode kaufen?

In unserem Online-Store auf www.meshit.at

Welche Rolle spielt Weiblichkeit bei der Herangehensweise an eure Designs?

Wir wollen keine übererotisierte Frau darstellen. Wir haben immer wieder androgyne und maskuline Einflüsse in unserer Kleidung. Aktuell gibt es viele Designer, die jetzt nur mehr auf Unisex-Teile setzen, aber das machen wir nicht. Wir machen Kleider, die dem weiblichen Körper schmeicheln. Unser Bild von einer modernen Frau ist, dass sie zwar weiblich sein kann, aber gleichzeitig auch cool und stark wirken kann.

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