21.07.2016 - 16:14

Blogger im Portrait Fabian Hart: Frauenmagazine sollten das Selbstbewusstsein stärken

Fabian Hart bloggt seit fast 10 Jahren. Mit uns zieht er sein Resümee und erzählt, warum er trotz einer erfolgreichen Karriere im Print-Bereich wieder den Weg zurück zum Bloggen suchte.

Foto: instagram/fabianhart

Fabian Hart bloggt seit fast 10 Jahren. Mit uns zieht er sein Resümee und erzählt, warum er trotz einer erfolgreichen Karriere im Print-Bereich wieder den Weg zurück zum Bloggen suchte.

Wir trafen Modeblogger der ersten Stunde Fabian Hart zum Interview und befragten ihn zu seinen Anfängen und zu seiner Sichtweise auf Frauenmagazine.

Sie sind jung, internetaffin und wissen sich im Internet zu inszenieren. Sie kommentieren Moden und nehmen ihr Publikum auf persönliche Erlebnisse durch ihre subjektive und selektive Wahrnehmung mit. Egal ob auf Modewochen, Shop-Eröffnungen, Diskussionsrunden oder Markenkooperationen: Blogger sind aus der heutigen Modeszene nicht mehr wegzudenken. Sie zeigen was ihnen gefällt, teilen ihre Outfits auf allen bekannten Social Media Plattformen und professionalisieren sich mit jeder weiteren Businessentscheidung.

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Die Macht der Blogger ist heute enorm, denn sie stehen mit ihrer Leserschaft im ständigen Austausch und bauen sich über die Jahre eine starke und glaubwürdige Community auf. Um auch die letzten noch so scheinbar unergründlichen Tiefen der sogenannten Blogosphäre - laut Wikipedia beschreibt dieser Begriff die Gesamtheit der Weblogs und ihrer Verbindungen - zu beleuchten, starten wir eine neue Serie. Darin bitten wir Blogger und andere sogenannte Influencer - Personen, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in den sozialen Netzen des Internets in der Lage sind, Meinungen anderer zu beeinflussen - zum Gespräch. Ausgewählte Netz-Persönlichkeiten werden uns Einblicke in dieses zwar nicht mehr ganz so neue, aber komplexe und dynamische Feld geben - mit dem Ziel, mehr Transparenz in dieses teilweise sehr in sich verwoben erscheinenden Mysterium zu schaffen.


bildderfrau.de trifft Fabian Hart

Den Auftakt macht der Hamburger Blogger Fabian Hart, der seit rund 10 Jahren seine Plattform fabianhart.com betreibt. Der studierte Journalist kann bereits auf eine steile Karriere zurückblicken, die von dem renommierten Fashion-Insider Magazin namens Tush, über Interview Magazine, Gala, GQ bis hin zur Vogue Deutschland Online Abteilung führte. Dennoch entschied sich der Wahlhamburger, der Karriereentscheidungen stets instinktiv fällt, letztendlich wieder dahin zurückzukehren, wo seine Laufbahn in Sachen Mode ihren Ursprung fand: beim Bloggen. Das machte uns neugierig und wir sprachen mit Fabian ausführlich über seine Sichtweise auf die Bedeutung des Bloggens im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist. Nach fast 10 Jahren seines Blogger-Daseins zieht er mit uns ein Resümee von seinen Anfängen bis hin zu möglichen Zukunftsplänen und verrät uns exklusiv, wie er die heutige Lage der Frauenmagazine einschätzt.

bildderfrau.de Woher kommt deine Leidenschaft für Mode?

Fabian Hart: Ich komme aus einer Familie, die sowohl seit Generationen Metzgereien betreibt, aber eben auch ein großes Modegschäft besaß. Ich habe während meiner Schulzeit in beiden Betrieben ausgeholfen, indem ich Würstchen vakuumierte und auf der anderen Seite Kaschmirpullis verkaufte. Das war eine ganz lustige Kombi. Letztendlich habe ich mich dann jedoch für die Mode entschieden, weil mir das mehr lag. Eine gewisse Härte im Handwerk habe ich mit aber dennoch bewahrt.

Ich war als Kind und Jugendlicher zwar immer in der Wurstküche unterwegs, aber eben auch bei Fashion Shows, Orderterminen und Mode-Events. Ich bin da einfach mit reingewachsen. Daher war für mich auch nach dem Abitur klar, dass ich in die Großstadt möchte. Ich bin in der Nähe von Baden-Baden aufgewachsen, also tiefstes Süddeutschland und für mich war dann klar, dass ich gerne Journalismus studieren möchte mit Schwerpunkt Mode statt Metzger.


Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Ich bin dann nach dem Abi nach Hamburg und habe vor ungefähr zehn Jahren begonnen zu bloggen, da ich einen Ort brauchte, wo ich meine Gedanken loswerden konnte. Ich dachte noch gar nicht daran, dass das jemand liest, sondern ich wollte einfach für mich ein paar Sachen ausprobieren, wie Bilder hochzuladen und Texte zu schreiben. Das habe ich dann alles auf einem Google blogspot gemacht.

Hast du damals schon andere Blogs verfolgt, die erfolgreich waren?

Ich wusste damals gar nicht, dass ich etwas hippes mache. Mir war das gar nicht bewusst, dass ich zu der ersten Generation Blogger gehöre, weil für mich klar war, dass ich im Print arbeiten möchte. Print war mein großes Vorbild. Ich war bei Tush Magazine (Anm. der Red.: ein unabhängiges Modemagazin über Beauty und Fashion), weil das auch in Hamburg ansässig war.

Dann habe ich für GALA Men gearbeitet und danach kam ich zur GQ Style, aber ich habe nebenher immer weitergebloggt. Für mich war damals der Focus aber immer auf Print. Das bekommt man ja auch immer an der Uni eingetrichtert. Viele haben damals auch schon gesagt: „Das mit dem Internet, das geht wieder vorbei. Halte dich mal an das Altbewährte!“

Und vor vier Jahren ungefähr habe ich dann den Aufstieg der Social Media immer intensiver wahrgenommen. Blogs wurden immer spannender. 2013 habe ich dann gemerkt, dass alle ganz langsam beginnen, sich für das Internet zu interessieren. So naiv sich das anhört.

Wann hast du begonnen, mit deinem Blog Geld zu verdienen?

Das war im Jahr 2014. Ich habe bei der GQ und bei allen anderen Medien, wie Interview Magazine oder Vogue Online, für die ich nebenbei gearbeitet habe, aufgehört. Ich habe realisiert, wieviel Potential hinter dieser Marke steht, die ich schon seit Jahren aufbaue und dadurch auch sehr glaubwürdig ist. Ich hätte auch für die nächsten zehn Jahre bei der GQ weiterarbeiten können und hätte einen tollen Job gehabt. Aber für mich war klar, dass ich herausfinden wollte, ob ich es schaffen kann, mich mit meiner Plattform selbständig zu machen.

Wie sieht es aus mit Freundschaften unter etablierten Blogs? Kennt man sich da untereinander? Oder ist sogar befreundet?

Ich bin von Anfang an dabei, habe das aber im Vergleich zu meinen Kollegen zuerst ja nur nebenbei gemacht. Das heißt ich verdiene mit dem was ich mache erst seit zweieinhalb Jahren mein Geld. Dennoch bin ich seit fast 10 Jahren Teil dieser Community. Damals habe ich auch Mary Scherpe von Stil in Berlin kennengelernt, Jessica Weiß von damals noch LesMads (Anm. d. Red.: heute bei Journelles), Bryan von BryanBoy. Bryan ist einer meiner engsten Freunde. Ich kenne ihn seit fast 10 Jahren. Da haben sich wirklich Freundschaften entwickelt!


Du bist ja - wie du vorhin schon erwähnt hattest - quasi seit der ersten Stunde in der deutschsprachigen Bloggerszene unterwegs. Mittlerweile gibt es eine neue Generation an Bloggern, die auf Plattformen unterwegs sind, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab, wie zum Beispiel Instagram. Wie erlebst du die neuen Instagram Stars?

Für mich steht fest, dass meine Hauptplattform fabianhart.com ist und Instagram bleibt für mich eine Erweiterung meines Contents. Natürlich gibt es mittlerweile Leute, die mit Instagram alleine ihr Geld verdienen, aber das ist nicht mein Businessmodell.

Ich bin Journalist, Schreiber, ich entwickle redaktionelle Inhalte. Ich muss auch sagen, dass ich die neuen populären Instagram-Stars auch nicht so wirklich verfolge. Ich folge den Leuten, die ich kenne, Freunden, Designern, die ich liebe, Menschen, die ich bewundere. Aber Leuten zu denen ich keine Verbindung habe, denen folge ich auch nicht.

Wenn du deine Website fabianhart.com für Leute beschreiben müsstest, die sie nicht kennen, wie würdest du sie beschreiben?

Ich kommentiere Moden, nicht nur im Sinne von Bekleidung, sondern im Sinne von: wie wir in einem gewissen Zeitraum miteinander leben, denken und konsumieren. Das kann Musik sein, feuilletonistische und gesellschaftspolitische Themen beinhalten. Ich behandle Themen, die jeden betreffen, jedoch setze ich oft einen thematischen Schwerpunkt auf den Mann. Auf meiner Seite findet Mode statt, die mehr als nur Outfitknippserei in der Umkleide darstellt. Ich schrecke nicht vor Themen zurück, von denen man auf den ersten Blick glauben würde, dass sie nichts mit Mode zu tun haben!

Wie geht es deiner Meinung nach weiter mit fabianhart.com? Nehmen wir Chiara Ferragni als Paradebeispiel, die ja mittlerweile nicht nur mit ihrem Blog, sondern auch mit ihrem Modelabel sehr viel Geld verdient. Wäre diese Entwicklung auch etwas für dich?

Ich bin darauf bedacht, dass ich die Impulse wahrnehme und es kann sein, dass fabianhart.com in zwei Jahren nicht mehr existiert, weil ich vielleicht eine Agentur für Markenkommunikation gegründet habe. Es kann aber auch sein, dass ich in drei oder 50 Jahren immer noch blogge. Mein Plan ist, auf mein Gespür zu vertrauen und dem Moment zu folgen. Das hat mich bisher immer weitergebracht. Ich habe mich noch nie beworben, oder mir einen 10-Jahresplan erstellt. Mir ist es wichtig bodenständig zu sein, zu arbeiten, zu wissen, dass es etwas gibt, mit dem ich mich beschäftigen muss. Aber auch gleichzeitig auf die Tendenzen zu achten, die entstehen und flexibel zu bleiben. Das führt mich ganz organisch zum nächsten Level.

Was fällt dir zu "Bild der Frau" ein?

Es ist eine Zeitschrift, mittlerweile auch Onlineplattform, die immens viele Frauen erreicht, die also auch eine hohe Verantwortung trägt. Ich finde es spannend zu fragen: Was ist das Bild der Frau heute? Also was ist eine Publikation, die Bild der Frau als Namen trägt? Meiner Meinung nach sollte sie immer wieder folgende Fragen überprüfen: Welches Bild – welches Frauenbild – wollen wir verkörpern? Welches Frauenbild erkennen wir in der Gesellschaft und innerhalb unserer Leserschaft? Und wie nahe sind wir an einer modernen Ausrichtung dran? Bedeutet die Frau von heute immer noch nach Diäten lechzen oder gibt es mittlerweile auch Bereiche die darüber hinaus Relevanz haben und wenn ja welche? Wie gehen wir als Verlag und als Redaktion mit der Frau von heute um?

Was wünschst du dir von der aktuellen Frauenmagazinlandschaft?

Ich bin kein Fan mehr von reinen Frauenmagazinen und Männermagazinen, ich bin ein Fan von Dingen, die uns alle betreffen. Man muss erkennen, dass es mehr gibt als die Klischees und Rollenbilder, denen Frauen zugeschrieben werden. Was sind die Inhalte, mit denen die Frau von heute tatsächlich jeden Tag umgehen muss? Ich wünsche mir mehr Empowerment von Frauenmagazinen! Man sollte sich heutzutage nicht mehr nach irgendwelchen Looks oder Körperidealen richten. Finde deine Form, und zwar nicht nur körperlich. Sei wer du bist, anstelle von: Wir zeigen Dir, Wer Du sein sollst! Das würde ich mir wünschen!

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Danke für das Interview, Fabian!

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