24.05.2017

Das große Schweigen bei Paaren So finden Sie in Ihrer Beziehung die Sprache wieder

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Eine Studie beweist: Gespräche mit dem Partner sind essentiell für eine gut funktionierende und nahe Beziehung. Wir geben Tipps, wie Sie die Stille überwinden können.

Foto: iStock/Paul Bradbury

Eine Studie beweist: Gespräche mit dem Partner sind essentiell für eine gut funktionierende und nahe Beziehung. Wir geben Tipps, wie Sie die Stille überwinden können.

Am Anfang einer Liebe gibt es so viel zu erzählen – im Alltag fehlen dann oft Zeit und Worte. Dabei sind Gespräche der beste Beziehungs-Kitt.

Wie viel und worüber sprechen glückliche Paare? Das wollte US-Psychologe Professor Matthias Mehl herausfinden. Er rüstete 47 Testpersonen mit Rekordern aus und zeichnete vier Tage lang alle 12,5 Minuten auf, ob und worüber sie gerade mit ihrem Partner redeten.

Das Ergebnis: Je häufiger die Gespräche und je intensiver die Themen, desto näher fühlten sie sich dem anderen und desto zufriedener waren sie mit der Beziehung. Wenn sich Stille und Schweigen eingeschlichen haben, ist eine kleine Kommunikations-Auffrischung also der beste Weg zu neuem Glück.

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Schau mich an …

„Currywurst und Pommes in der Kantine“, „Unterwegs vom Regen voll erwischt“, „Chef hat schlechte Laune“ … Eine kurze Nachricht auf dem Handy, eine weitergeleitete Mail – tatsächlich halten sich immer mehr Paare tagsüber so auf dem Laufenden. Das ist praktisch, aber leider nicht die Art von Kommunikation, die glücklich macht.

Ein echtes Gespräch bedeutet: Ich sehe dem anderen in die Augen. Ich lasse mir nicht von angehängten Smileys die Stimmungslage erklären. Ich beobachte selbst, ob mein Gegenüber gerade fröhlich oder traurig ist. Ich lache (oder leide) mit.

… und wiederhole dich

Alles schon per SMS geklärt? Dann wiederholen Sie sich am Abendbrot-Tisch ruhig. Berichten Sie von der langen Schlange beim Mittagessen. Beschreiben Sie die schlechte Laune des Chefs. Und ja, sprechen Sie ruhig übers Wetter! Auch Small Talk mit dem Partner bringt Sie wieder in Übung.

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Hör zu …

Wenn Sie sich beide auf Punkt 1 geeinigt haben, sind Sie schon ein gutes Stück weiter. Und vielleicht direkt beim nächsten Problem.

Der Liebste erzählt ausführlich vom Chef und dessen Ordnungsmacke, aber Ihre Gedanken wandern. Sie überlegen schon, was Sie als nächstes sagen (oder tun), statt sich auf Ihren Mann und den Moment zu konzentrieren. Für eine geglückte Unterhaltung ist aber das aufmerksame Zuhören genauso wichtig wie das Reden.

… und frag nach

Die beste Methode zurückzukommen, sind Fragen. „Wann war das?“, „Wie war das?“, „Hast du dich nicht schrecklich gefühlt?“, „Musstest du nicht furchtbar lachen?“ Und schon sind Sie mittendrin in einem wirklich spannenden Gespräch.

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Sei ehrlich …

Sie sind zur Grill-Party eingeladen und Ihr Schatz holt ausgerechnet das Hemd aus dem Schrank, das so unvorteilhaft über seinem Bauch spannt und ihn auch noch elend blass macht. Jetzt können Sie (gequält) lächeln und sich womöglich den ganzen Abend über seinen Anblick ärgern oder ehrlich sein und Spaß haben.

… und komm auf den Punkt

Hier sind tatsächlich keine ausführlichen Erläuterungen nötig. Jetzt geht es darum zu entscheiden, was Sie wirklich möchten. Sie wollen Ihrem Ärger über seine Hemdenwahl Luft machen? Dann erklären Sie zum 100. Mal, dass sein Lieblingsteil inzwischen zu eng ist und schon immer die falsche Farbe hatte.

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Sie möchten einfach, dass er ein anderes Hemd anzieht? Dann sagen Sie schlicht: „Zieh doch das Blaue an. Das steht dir soooo super.“ Kompliment gemacht, Problem gelöst.

Drittes Plus: Sehr wahrscheinlich, dass er jetzt (und in Zukunft) auch Ihnen einen liebevollen Hinweis gibt, sollten Sie sich bei der Kleiderwahl mal vergriffen haben.

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Tipps, wie Sie die Stille überwinden können:

Streite …

Wenn es um wichtigere Dinge als Alltags- und Garderoben-Fragen geht, ist es Zeit, die nächste Stufe zu zünden und auch mal einen Streit zu riskieren.

Nicht schweigen, wenn es Krach mit der Schwiegermutter gab. Auch wenn er immer sagt: „Sie hat recht.“ Nicht still schlucken, wenn das Ko

nto kurz davor ist, ins Minus zu rutschen, weil ein neuer Rasenmäher hermuss. Auch wenn „der teure einfach unschlagbar viel besser ist“.

Nicht stumm einschnappen, wenn er mehr mit den Kumpels unterwegs ist als mit Ihnen. Auch wenn er schwört: „Stimmt doch gar nicht.“

… und sage „ich“

Ganz wichtig in solchen Krisen-Situationen: Es geht nicht darum, den anderen mit Vorwürfen zu überschütten, sondern eine gemeinsame Lösung zu finden. Deshalb ist auch eine gewisse Sprach-Diplomatie gefragt.

Beginnen Sie Ihre Sätze möglichst häufig mit „ich“. „Ich fühle mich etwas mulmig.“ „Ich bin mir unsicher.“ „Ich habe ein Problem.“ So signalisieren Sie, dass Sie nicht auf Konfrontation aus sind, sondern auf eine vernünftige Diskussion und Rat.

Aber Ihr Partner antwortet nur mit „du“? „Du bist schuld“, „Du machst das falsch“, „Du siehst das falsch“ … Dann sagen Sie ganz ruhig: „Wir müssen das Problem ja irgendwie lösen. Ich möchte auch weiter darüber sprechen. Aber fang deine nächsten drei Sätze bitte mit ,ich‘ an.“ Das beendet seine Vorwurfsspirale und bringt Sie dem friedlichen Ziel ein Stückchen näher.

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Wünsche …

Je länger und besser wir einen Menschen kennen, desto mehr glauben wir auch an seine Fähigkeiten als Gedankenleser.

Da gehen wir selbstverständlich davon aus, dass er am Hochzeitstag weiß, dass wir von einem Candle-Light-Dinner träumen (und nicht von einem gemütlichen Abend auf dem Sofa). Oder spürt, dass wir am Wochenende dringend einfach mal nur unsere Ruhe brauchen. Oder ganz schlicht weiß, dass wir schon als Kind am liebsten Schoko-Eis gegessen haben …

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… und mach kein Geheimnis draus

Beleidigt und enttäuscht, weil er Ihre Pläne durchkreuzt oder Ihre Wünsche nicht erraten hat? Lernen Sie lieber draus! Auch die liebsten Partner können nicht alles erahnen und vergessen mal was.

Wenn es Ihnen also wirklich wichtig ist, machen Sie kein Geheimnis aus Ihren Wünschen. Sagen Sie ganz klar: „Ich würde am Hochzeitstag so gern mal zum Candle-Light-Dinner ins Restaurant XY.“ Oder: „Ich muss einfach mal allein sein.“

Und freuen Sie sich, wenn er dasselbe tut. Man kann ja über alles reden!

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Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 20.

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