02.05.2016 - 13:19

JA zur Liebe! Liebeserklärung: Stefanie Körber und Stefan Pott im Interview

Stefanie Körber und Stefan Pott mit ihrem Buch "Liebes Erklärung - So gelingt Ihre Beziehung"

Foto: © Peter Mayer, Wien

Stefanie Körber und Stefan Pott mit ihrem Buch "Liebes Erklärung - So gelingt Ihre Beziehung"

Stefanie Körber und Stefan Pott sind verheiratet und gemeinsam als Paarberater tätig – Experten also, auf dem (glatten) Parkett der Liebe!

Der Erfolg ihres Beziehungsratgebers basiert vor allem auf der positiven Sichtweise, die die Liebe in den Mittelpunkt rückt und Beziehungen nicht von vornherein als „Krisengebiete“ darstellt. Nicht umsonst gelten die Autoren als Vertreter einer „Neuen Romantik“. Mut macht die Erkenntnis, dass eine Beziehung funktioniert, wenn beide Partner sich darauf einlassen, ein Leben lang zu lernen und die Regeln zu verstehen, welchen die Liebe folgt.

"LiebesErklärung“ (erschienen bei www.ueberreuter-sachbuch.at) erklärt, wie die Liebe geht und ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die Liebe selbst – genießen Sie ein spannendes Interview mit dem Autorenpaar Stefanie Körber und Stefan Pott (www.koerberpott.com).

BildderFrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Stefanie Körber und Stefan Pott: Gerne: Wir heißen Stefanie Körber und Stefan Pott, dahinter stehen eine gebürtige Kärntnerin und ein gebürtiger Deutscher. Wir sind verheiratet und leben nicht nur zusammen, sondern arbeiten auch zusammen; als Autoren, vor allem aber als Paar- und Beziehungsberater.

Was unterscheidet Ihren Beziehungsratgeber „Liebes-Erklärungen“ von den zahlreichen anderen auf dem Markt? Wer sollte ihn lesen?

LIEBESERKLÄRUNG ist wohl deshalb so erfolgreich, weil das Buch einen neuen Blick auf die Liebe gibt; einen die Liebe bejahenden, lebendigen – und anspruchsvollen. Die Beziehung zwischen Mann und Frau wird heute ja vor allem als Krisen oder Kriegsgebiet beschrieben und die Liebe entweder als unendlich mühsam oder unerreichbar.

Genau das ist die Liebe aber nicht – und die Menschen spüren das. Immer mehr wollen daher für sich mehr als eine lauwarme Funktionspartnerschaft, wo vom Sex bis zum Lachen alles Schöne über die Jahre weniger wird.

LIEBESERKLÄRUNG ist ein Buch für Männer und Frauen, die sich selbst die große Liebe wünschen. Dazu gehören übrigens auch die Singles: Ihnen ist deshalb auch das letzte Kapitel im Buch gewidmet; Singles haben große Sehnsucht nach Liebe, nur gleichzeitig große Angst vor ihr.

Aus aktuellem Anlass: Was hat es mit dem Phänomen „Frühlingsgefühle“ auf sich? Drehen die Hormone tatsächlich durch? Haben Sie eine psychologisch-wissenschaftliche Erklärung?

Die sog. Frühlingsgefühle sind psychologisch-wissenschaftlich gut erforscht: Sie sind eine Reaktion von Körper und Geist auf die plötzliche Licht- und Bewegungsmenge nach den langen und dunklen Wintermonaten.

Aber wie so oft in Sachen Liebe ist mit dem Kopf nur ein kleiner Teil zu verstehen, das Herz kann andere Dinge sehen: Zum Beispiel, dass Frühlingsgefühle eine Erinnerung an den Reigen der Beziehungen sind, die sich auch in vier Abschnitte wie in vier Jahreszeiten einteilen lassen – der Frühling mit seinem Verliebtsein ist der Anfang, dann ist da der Sommer, wo alles wächst und der Herbst mit der Ernte; und dann kommt der Winter, wo Liebende still werden und sich sehr nah sind und von außen nur noch wenig brauchen...

Sie haben nicht nur einen Ratgeber zum Thema verfasst, sondern führen auch beide zusammen im historischen Pallais Pallavicini in Wien Paar- und Beziehungsberatungen durch. Kann man Liebe lernen?

Absolut. Das Verliebtsein gibt es geschenkt, aber die Liebe gibt es nur für wirklich Wollende, Sich-Entwickelnde. Wir lernen das Gehen, das Radfahren, für unsere Berufe lernen wir sogar ein Leben lang, warum sollten unsere Beziehungen ohne Fortbildung, Neuanfänge, Veränderungen gelingen?

Die Liebe hat eine Architektur, sie folgt Regeln und je mehr ein Paar darüber weiß – und zwar beide! – um so mehr gelingt die Beziehung.

Sie stellen die Liebe in den Mittelpunkt des Beziehungslebens und gelten daher als Vordenker einer „Neuen Romantik“. Woran erkennt man aber, wenn diese Liebe vorbei und die Beziehung vor dem Aus ist?

Das Ende lässt sich immer daran erkennen, dass die Wirklichkeit nicht besser wird. Wenn nächtelange Diskussionen zu nichts führen, wenn Abmachungen nicht eingehalten werden, wenn Streits keine Veränderung bewirken, dann steht das Paar tatsächlich vor dem Aus. Denn die Liebe will immer wirklich werden, sie ist sonst keine; ansonsten verwaltet ein Paar nur seinen Mangel und versucht, seine Probleme zu verdrängen oder seine Entfremdung zu kompensieren. Das führt immer in eine Beziehungskrise.

Sie plädieren sehr für offene Gespräche und den Austausch von Herzensangelegenheiten unter Paaren, wahre, aber unangenehme Gefühle nicht in einem „Hinterzimmer“ einzusperren. Was dürfen Partner für sich behalten oder nur mit der besten Freundin besprechen, ohne dass es der Beziehung schadet?

Wenn Sie selbst das Gefühl haben, etwas verstecken bzw. verheimlichen zu wollen, dann sind Sie auf dem besten Weg ins Hinterzimmer – und Sie sollten umdrehen: Das Reden, das Mitteilen ist die wichtigste Form des Teilens und für die Liebe absolut unverzichtbar. Die wirklich guten Paare machen deshalb auch eine ganz andere Erfahrung – sie wollen praktisch gar nichts mehr für sich behalten, weil das Teilen so ein enormes Vergnügen ist.

Die beste Freundin bzw. der beste Freund sind immer nur der zweitbeste Ansprechpartner für die Dinge, die Frauen am Herzen liegen; sie sollen die Nähe zum eigenen Partner ersetzen – aber am Ende ist es doch diese Nähe, die Männer und Frauen wirklich suchen. Und der wir deshalb mutig nachgehen sollen.

Familie, finanzielle Sorgen – das Leben, auch als Paar, ist voller Anforderungen. Liebe alleine trägt nicht immer durch kritische Zeiten. Wie retten wir unsere Liebe vor Stress und Alltag?

Es gibt keine Liebe ohne Stress und Alltag. Wir alle müssen Stromrechnungen erledigen, die Kinder in die Schule bringen und den Rasen mähen. Entscheidend für die Beziehung ist, wie wir damit umgehen: Wir unterscheiden zwischen der „Funktionsebene“ und der „Herzebene“; die Funktionsebene beschreibt, WAS zu tun ist, die Herzebene ist dafür verantwortlich, WIE wir das tun. Der Stress entsteht in Wirklichkeit nicht durch die logistischen Anforderungen, sondern durch den Mangel an Herzlichkeit, Humor und Zuwendung, den wir erleiden. Stress ist vor allem ist das Gefühl, alles alleine erledigen zu müssen, auf den anderen nicht zählen und ihn nicht an der Seite zu haben, obwohl er doch da ist.

Für die meisten Paare ändert sich die Beziehung durch die Geburt eines Kindes grundlegend. Weshalb passiert das? Und was können Eltern tun, damit ihre Liebe als Paar nicht auf der Strecke bleibt?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, vor allem das erste, dann kommt damit für das Paar auch die jeweils eigene Kindheit ins Leben zurück. Alle Erlebnisse und Erinnerungen in positiver und negativer Hinsicht werden jetzt sozusagen aktualisiert, wir rufen reflexartig unsere Kindheitsmuster neu auf – was wir damals toll fanden, wollen wir für das eigene Kind wieder haben und was wir schmerzlich vermissten, soll jetzt für das eigene Kind nachgeholt werden.

Es ist eine Art emotionale Rückkehr in die eigene Ursprungsfamilie und diese Situation ist für jedes Paar eine große Herausforderung, die verstanden werden muss: Die emotionale Rückkehr in die eigene Kindheit findet zu dem Zweck statt, die eigenen Wurzeln zu erforschen und zu hinterfragen – und sich gegebenenfalls davon zu lösen. Das eigene Kind kommt, damit die Eltern sich mit der eigenen Kindheit befriedigen können, sie können jetzt ihre alten Programmierungen durch eine neue Software ersetzen.

Was die jungen Eltern jetzt tun sollten, ist vorwärts statt rückwärts gehen, Nähe suchen statt Distanz: Erzählen Sie sich alles, berichten Sie, beweinen Sie mit Ihrem Mann bzw. Ihrer Frau, was da jeweils war.

Ein untrüglicher Hinweis auf den Rückfall in die eigene Ursprungsfamilie ist übrigens der Wegfall von Sex: Wenn die körperliche Nähe verschwindet, ist die Gefahr immer groß, dass die Liebe ihr bald folgt.

Sie haben für „LiebesErklärung“ einen Reality Check entwickelt. Was können Paare dadurch ermitteln und wie kann der Check der Beziehung helfen?

Wenn Paare sich verändern wollen, dann geht das nur, wenn sie ein gemeinsames Verständnis davon haben, wo sie stehen – und was so einfach klingt, ist in der wirklichen Wirklichkeit oft ein großes Problem. Manche Paare können sich kaum darüber einigen, wer mehr im Haushalt macht oder wer die Urlaubsideen hat.

Das Auseinanderhalten von Wahrheit und Illusion ist für jedes Paar eine Herausforderung; der „Reality Check“ ist ein wunderbar einfaches Werkzeug, das einem Paar einen Blick auf eine wirkliche Wirklichkeit verschafft – und damit Klarheit für die notwendigen Veränderungen.

Sie arbeiten nicht nur als Therapeuten zusammen, im Falle von „LiebesErklärung“ auch als Autoren. Wie funktioniert so eine Gemeinschaftsarbeit als Paar? Fällt es manchmal schwer, Privates aus der Arbeit herauszuhalten?

Natürlich ist das Thema Liebe und Partnerschaft ein Spezialfall – hier können Privatleben und Beruf sehr nahe zusammenkommen. Wir lieben das, es ist schön, und vor allem sehr inspirierend. LIEBESERKLÄRUNG ist dafür ein perfektes Beispiel: Wir haben das Buch ein Jahr lang zusammen vorbereitet, dann waren wir aus beruflichen Gründen für 6 Monate getrennt und haben versucht, das Buch getrennt zu schreiben. Das Ergebnis war niederschmetternd – es entstand gar nichts.

Da haben wir gewusst, wir müssen als Paar schreiben; und das haben wir dann auch gemacht, beim Frühstück, beim Radfahren, via Whatsapp, in der Küche, im Zug und todmüde vor dem Einschlafen. Und in 2 Monaten war das Buch fertig.

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Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Körber und Herr Pott!

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