07.11.2011

Wege aus dem Kummer

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Fast jeder kennt ihn: Liebeskummer. Oftmals als Teenie-Problem belächelt, gegen das eine Tafel Schokolade und kluge Sprüche wie „Auch andere Mütter haben schöne Söhne“ helfen, ist Liebeskummer jedoch ein ernst zu nehmendes Problem. Vor allem, wenn man kein Teenager mehr ist, und mit der verlorenen Liebe mehr als nur eine Beziehung in die Brüche geht ...

Im Idealfall trennen sich Paare einvernehmlich und bleiben in Freundschaft verbunden. Doch das ist leider nur in den wenigsten Fällen möglich. Am härtesten trifft es einen der Partner, wenn ein Seitensprung der Grund für die Trennung ist. Dann leidet er sozusagen doppelt. „Wenn ein Partner dem anderen ehrlich sagt, dass er sich in jemand anderen verliebt hat, dann ist das menschlich okay. Wenn aber Lügen ins Spiel kommen, führt das zusätzlich zu Selbstzweifeln“, sagt die Liebeskummerexpertin Silvia Fauck. Der Zurückgewiesene wird sich unweigerlich Vorwürfe machen: 'Wie blind war ich, dass ich nichts gemerkt habe? Welche Zeichen hätte ich sehen können?'

Wie eine Droge

Und warum leiden wir so, wenn wir eine Trennung durchmachen? Dietrich Klusmann, Evolutionspsychologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sagt: „Die menschliche Liebesbeziehung ähnelt einer Sucht. Es sind ähnliche Bereiche im Gehirn aktiv. Der geliebte Partner ist das Signal, das dieses System aktiviert und das Glücksgefühl auslöst. Und dieses Signal möchte man immer wieder haben.“ Und wie bei einer Droge leiden wir unter den Entzugserscheinungen. Was hilft, ist in beiden Fällen dasselbe: kalter Entzug. Das heißt: Den Kontakt zur geliebten Person komplett abbrechen, Dinge, die einen an den Partner erinnern, wie Urlaubsfotos und Liebesbriefe, wegräumen. Die Devise: Ablenken, bis der Kummer und die Sehnsucht nach und nach schwächer werden.


Wichtig ist es, sich der Realität zu stellen. Wer sich permanent die schönen Momente vor Augen führt und dazu die gemeinsamen Lieblingssongs spielt, wird länger leiden, als jemand, der versucht, den Teufelskreis der Gedanken zu durchbrechen. „Abhaken, neu starten, auf sich selbst vertrauen, gute Eigenschaften an sich entdecken und pflegen und lernen, sich zunächst selbst genug zu sein“ rät Dr. Frauke Höllering.

Fristen und Regeln setzen

„Sich selbst verwöhnen, mit Freunden ausgehen, sich etwas Schönes gönnen und die Zuneigung des Freundeskreises und der Familie genießen, als Beweis, dass man wertvoll ist und geschätzt wird. Der Kummer wird jeden Tag etwas nachlassen, bis man nicht mehr versteht, was man an diesem Mann mal so toll fand,“ sagt Dr. Höllering. Betroffene sollten sich Fristen setzen, bis wann sie trauern wollen und sich fragen: Was fehlt mir im Leben und wie kann ich dafür sorgen, dass es mir wieder besser geht?

In den meisten Fällen können Betroffene ihren Liebeskummer alleine überwinden. „Wer nach Monaten immer noch Schwierigkeiten hat, seinen Alltag zu bewältigen, sollte jedoch ärztlichen Rat suchen und eventuell eine Gesprächstherapie beantragen,“ sagt Expertin Dr. Frauke Höllering. Die gute Nachricht ist: Egal, wie sehr Liebeskranke leiden: Irgendwann lässt der Schmerz nach. Früher oder später.


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