03.10.2013 - 00:00

Die große Männer-Studie

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Karriere, Familie, Selbstverwirklichung – immer mehr Frauen starten durch. Nur die Männer, die kommen offenbar nicht mehr so richtig hinterher. Unsere Experten erklären, woran das liegt – und wie wir gemeinsam den Endspurt schaffen.

Der Tag von Norbert Schiffer beginnt früh: Er weckt seine Töchter (13, 9 und 5 Jahre), macht das Frühstück, packt Schulranzen. Und während seine Frau Petra als Sachbearbeiterin im Büro sitzt, räumt er zu Hause die Spülmaschine aus, wäscht, kocht Mittagessen. Die Schiffers haben Rollen getauscht - schon vor über acht Jahren. "Eine ganz pragmatische Entscheidung", erzählt Metallbauer Norbert, "Petra hat einfach mehr verdient und hatte die besseren Aufstiegschancen."


Dass das Paar aus Kaarst damit nicht nur einen logischen, sondern auch mutigen Schritt gemacht hat, merkt es an den Reaktionen aus dem Umfeld: "Natürlich kommen immer mal wieder blöde Sprüche. Aber die nehmen wir uns einfach nicht zu Herzen."

Zurückstecken für die Familie? Lieber nicht!
So wie die Schiffers könnte die Familie der Zukunft funktionieren: Flexibel, ohne zementierte Rollenvorstellungen. Allerdings nur, wenn mehr Männer umdenken. Die Ergebnisse der großen "Männerstudie" von BILD der FRAU und dem Institut für Demoskopie Allensbach zeigen: Gerade mal 15 Prozent von ihnen wären im Moment bereit, beruflich zurückzustecken. Für über die Hälfte (62 Prozent) kommt nur ein Modell infrage, bei dem sie selbst Vollzeit berufstätig sind. Flexibel ist anders, liebe Herren.

Hausarbeit? Jedes zweite Paar streitet sich darüber
Ähnlich frustrierend sind die Zahlen beim Dauerbrenner Hausarbeit. Von gerechter Verteilung weiter keine Spur - bei mehr als jedem zweiten Paar gibt’s regelmäßig Zoff darüber. Kein Wunder: Nur 8 Prozent der Männer bügeln öfter als ihre Partnerin, gerade mal 10 Prozent putzen häufiger das Bad, 7 Prozent waschen Wäsche.


Und selbst bei den Jüngeren ist keine Besserung in Sicht: 81 Prozent der 18- bis 44-Jährigen glauben zum Beispiel, dass Frauen Arbeiten wie Bügeln besser erledigen. "Ein Skandal", findet Prof. Claudia Bruns, Geschlechterforscherin an der Humboldt-Universität Berlin, "dass sogar die jüngere Generation immer noch den Frauen die Doppelbelastung überlässt."

Damit sich da was ändert, muss auch der Staat ran, meint die Wissenschaftlerin: "Wir brauchen mehr finanzielle Anreize, zum Beispiel neue Steuergesetze, wie eine Abschaffung des Ehegattensplittings, damit Frauen und Männer sich Erziehung und Haushalt teilen können und wollen. Dazu gehört auch, dass Frauen für gleiche Leistung endlich gleich viel verdienen!"

Macho-Gehabe? Nein, echte Unsicherheit
Aber wollen das die Männer überhaupt? 36 Prozent finden, dass inzwischen genug Gleichberechtigung herrscht. 28 Prozent meinen sogar, dass wir es damit zum Teil schon übertreiben. Altes Macho-Gehabe? Angst vorm Weichei-Image? Oder steckt mehr dahinter? "Die Männer sind verunsichert, fühlen sich überfordert", sagt Psychologe Björn Süfke (41). Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema Mann-Sein. Seine Diagnose: "Traditionelle Männlichkeit ist in der Krise." Unsere Zahlen geben ihm recht: Gut jeder dritte Mann, bei den Singles sogar jeder zweite, hat das Gefühl, Erwartungen nicht gewachsen zu sein.

Vor allem die Jüngeren sitzen in der Zwickmühle: 72 Prozent der 18- bis 34-Jährigen glauben, immer noch Familienernährer sein zu müssen. Dabei wünschen sich das nur 54 Prozent der jungen Frauen. Einfühlsamkeit und Verständnis ist ihnen mittlerweile wichtiger (87 Prozent). "Man darf die Männer in dieser Situation nicht allein lassen", sagt Experte Süfke. "Sie wünschen sich ja Veränderung. Familie wird ihnen wichtiger - und sie möchten auch mehr Gefühle zeigen." Nur wissen sie offenbar noch nicht, wie sie das hinkriegen sollen.


Grundsätzlich haben 61 Prozent der Männer nichts gegen eine neue Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau, sehen die sogar positiv. Aber wie jetzt den Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit zuschütten? "Das geht nur gemeinsam!" sind sich unsere Experten einig.

Und nun? Beide müssen Zugeständnisse machen
"Die Männer müssen bereit sein, Zugeständnisse zu machen, von Macht und Geld zugunsten der Familie abzugeben", sagt Claudia Bruns. Aber auch Frauen sollen sich aus alten Rollenbildern lösen und lernen, Verantwortung zu teilen. "Als Mutter zum Beispiel dem Mann zuzutrauen, dass er ein guter Vater ist", sagt Björn Süfke. Vollzeit zu arbeiten, während sich der Mann um Haushalt und Kinder kümmert, können sich immer noch nur neun Prozent der Frauen vorstellen. Kaum eine Frau wünscht sich also wirklich einen Hausmann zu Hause.

Petra Schiffer und ihr Mann Norbert sind damit echte Pioniere in Sachen Rollenwechsel. Und haben das nie bereut: "Meine Frau hat eine tolle Karriere hingelegt", sagt er stolz. "Und ich bin kein Feierabend-Papi, ich sehe meine Kinder aufwachsen."

Das vielleicht schönste Ergebnis der Studie ist für die Schiffers längst selbstverständlich: "Wichtige Entscheidungen müssen gemeinsam und auf Augenhöhe getroffen werden!" Das sagen und leben 86 Prozent der befragten Männer. Darauf lässt sich bauen!

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