26.03.2020 - 14:04

Der Sex-Experte antwortet Kann man seine Sexualität komplett verlieren?

7 Fakten über Sex, die Sie sicher noch nicht wussten

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Wenn der Partner keine Lust mehr auf Sex hat, kann das zu Konflikten in der Beziehung führen. Aber wie ist das eigentlich: Kann man seine Sexualität auch komplett verlieren? Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa gibt die Antwort.

Was tun, wenn im Bett nichts mehr läuft? Wenn die Lust auf Sex verloren geht? Laut wissenschaftlicher Studien leiden rund 30 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer unter einer Störung der sexuellen Erregung. Aber nur die wenigsten Betroffenen suchen Rat bei einem Experten. BILD der FRAU hat mit Sexualmediziner und Buch-Autor Dr. med. Axel-Jürg Potempa über das Thema gesprochen und die Frage geklärt, ob man seine Sexualität komplett verlieren kann.

Kann man seine Sexualität komplett verlieren?

Dr. Axel-Jürg Potempa: Ja, die Sexualität kann verloren gehen, und zwar bei Männern und bei Frauen. Ein unterdurchschnittlich ausgeprägter Geschlechtstrieb wird als Hyposexualität bezeichnet. Die Gründe können ganz vielfältig sein und sollten von einem Facharzt abgeklärt werden.

Warum geht die Sexualität verloren?

Die Ursache sind meist eine Mischung aus psychischen, körperlichen, neurologischen und urologischen Veränderungen. Es kann aber auch eine sexuelle Funktionsstörung, also eine Erkrankung (z. B. Depression, Angststörung usw.), dahinter stecken. Auch Schmerzen, die beim Sex auftreten, können der Auslöser sein. Und sogar Langeweile kann ein Grund sein, wenn die Sexualität verloren geht.

Was hat denn die Langeweile damit zu tun?

Im Laufe einer Beziehung kann durch die Routine die Sexualität nachlassen und sogar soweit gehen, dass die leidenschaftliche Sexualität irgendwann komplett fehlt. Der Sex wird nur noch auf den Orgasmus reduziert. Am Anfang der Beziehung ist die Lust noch vielfältig und dominiert häufig das sexuelle Zusammensein. Im Laufe der Zeit kann sich das ändern. Das nennt man Anaphrodisie, die Trieb- und Lustlosigkeit. Das ist dann das Gegenteil von der anfänglichen Aphrodisie.

Gibt es spezielle Phasen im Leben, in denen die Lust fehlt?

Nach einer Schwangerschaft kann die Sexualität komplett zum Erliegen kommen. Der Hormonspiegel der Frau ändert sich, damit sie sich komplett dem Kind widmet. Das hat die Natur so eingerichtet und kann Monate dauern. Auch beim Mann ändert sich etwas, wenn er Vater wird. Sein Testosteronspiegel sinkt und sein Prolaktin-Spiegel steigt. Die Natur will damit erreichen, dass der Mann vor und nach der Geburt seines Kindes weniger sexuelle Lust hat. Somit soll biologisch einerseits verhindert werden, dass er fremdgeht und andererseits sichergestellt werden, dass er sich um sein Kind kümmert.

Was ist der Unterschied zwischen einer Asexualität und dem Verlust der Sexualität?

Bei der Asexualität sind Menschen mit ihrer Rolle zufrieden, fühlen sich wohl. In Partnerschaften löst das häufig Konflikte aus, vor allem, wenn der eine Partner Sex will und der Asexuelle gar keinen Wunsch nach dieser Art der Nähe hat. Diese Probleme sind nur schwer zu lösen, weil der eine in der Partnerschaft ohne Sex glücklich ist, der andere aber darunter leidet. Beide müssen in so einem Fall gemeinsam eine Lösung finden, wie sie mit dem Problem dauerhaft umgehen können.

Hier gibt's weitere Tipps, wie eine Beziehung ohne Sex möglich sein kann.

Anders ist es, wenn jemand seine Sexualität verliert. Denn die Lust war irgendwann da und jetzt ist sie weg. Dies kann ebenfalls zu Problemen in der Partnerschaft führen. Deshalb sollte immer die Ursache der sexuellen Unlust abgeklärt werden, um zu verhindern, dass sich der Frust bei beiden über längere Zeit anstaut.

Kann die Sexualität zurückkommen?

Die Lust nach Sexualität kann sich wieder bessern. Dazu ist es wichtig, die Ursache zu klären. Entscheidend ist hierbei, dass das Problem innerhalb der Partnerschaft offen und konstruktiv angesprochen wird.

Paare sollten zusammen überlegen, wie die Lust wieder gesteigert werden könnte. Zum Beispiel kann die gemeinsame Fantasie mit Rollenspielen angeheizt werden. Wenn sich ein Paar ganz bewusst wieder mit den Spielarten der früher leidenschaftlichen Sexualität auseinandersetzt, dann merken beide ziemlich schnell, ob eine Chance besteht, durch Eigeninitiative die Sexualität zurückzuholen oder ob professionelle Hilfe benötigt wird.

Im zweiten Fall sollte das Paar zum Arzt gehen und körperliche Ursachen abklären lassen. Dies kann zum Beispiel durch eine Dysbalance der Geschlechts- oder Schilddrüsen-Hormone verursacht worden sein. Sind körperliche Gründe ausgeschlossen, ist sicherlich auch der gemeinsame Weg zu einem Paartherapeuten eine Lösungs-Möglichkeit.

Seine Sexualität zu verlieren, muss also kein Zustand für immer sein.

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Was ist Sapiosexualität?
Was ist Sapiosexualität?

Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

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