23.11.2017

Der Sex-Experte antwortet Asexualität: Ist eine Beziehung ohne Sex möglich?

7 Fakten über Sex, die Sie sicher noch nicht wussten

7 Fakten über Sex, die Sie sicher noch nicht wussten
Mi, 18.07.2018, 12.31 Uhr

7 Sex_Fakten

Beschreibung anzeigen

Ist eine Beziehung ohne Sex möglich? Und was ist Asexualität eigentlich? Dr. Axel-Jürg Potempa beantwortet diese und weitere Fragen.

Asexuelle Menschen haben kein Verlangen nach Sex. Aber was bedeutet das? Und ist eine Beziehung ohne Sex überhaupt möglich? bildderfrau.de hat mit dem Sexualmediziner und Buch-Autoren Dr. med. Axel-Jürg Potempa über das Thema gesprochen.

Was ist Asexualität genau?

Dr. Potempa: "Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung asexuell ist. Das hat nichts damit zu tun, dass sie ihren Partner nicht lieben oder keine Intimität oder Streicheleinheiten wollen. Sondern diese Menschen wollen einfach nur keinen Sex. Wobei es nicht so ist, dass asexuelle Menschen nicht mastubieren. Das tun sie auch.

Asexualität ist erst seit den 1990er Jahren definiert als die Abwesenheit der sexuellen Anziehung gegenüber anderen Menschen, unabhängig von dessen Geschlecht. Die Asexualität kann durchaus als die vierte sexuelle Ausrichtung bezeichnet werden. Es gibt die Homosexualität, Heterosexualität, Bisexualität und Asexualität.

Haben Asexuelle gar keine sexuellen Gefühle?

"Das kann man so nicht sagen. Es ist schon mal ein sexuelles Verlangen da oder sie probieren Sex zumindest aus. Aber das ist nicht mit einer Emotion verbunden. Das heißt, dass asexuelle Menschen in dem Moment an niemanden denken, keine Gefühle damit verbinden. Die Sexualität findet niederschwellig statt. Asexuelle können problemlos ein Leben ohne Sex führen. Wichtig ist dabei aber zu wissen: Sie sind nicht körperlich eingeschränkt. Sie sind voll funktionsfähig, können Ejakulationen und Orgasmen bekommen.

Asexuelle entwickeln keine Glückgefühle beim Liebesspiel, deshalb findet der erfüllende Orgasmus kaum statt. Aber diese Menschen haben dadurch keinen Leidensdruck, weil sie ihre Unlust als Teil ihrer eigenen Persönlichkeit betrachten."

>> So ändert sich der Sex mit den Jahren!

Können Asexuelle eine Beziehung führen?

"Sie sind nicht beziehungskalt. Asexuelle wollen Intimität, Körperkontakt und Zärtlichkeiten. Aber der sexuelle Akt ist für sie nicht reizvoll. Das kann soweit führen, dass der Sex für Asexuelle sogar belastend ist und dass sie froh sind, wenn der Geschlechtsverkehr vorbei ist.

Der Partner leidet aber häufig unter der fehlenden Intimität, er kann seine sexuellen Wünsche nicht mit seinem Partner ausleben. Das kann zu ernsthaften Problemen in der Beziehung führen. Des Weiteren können natürlich auch psychische Probleme zu sexuellen Störungen führen."

Kann ein Arzt etwas gegen die Asexualität tun?

"Oft dauert es lange Zeit bis Patienten, die kein sexuelles Verlangen haben, mit diesem Anliegen zu mir in die Praxis kommen. Häufig wollen sie erst darüber sprechen, wenn die Asexualität die Partnerschaft belastet.

Wichtig ist natürlich noch einmal zu betonen, dass die Asexualität als solche keine Krankheit ist. Deshalb gibt es diesbezüglich auch keine Therapie. Trotzdem sollte geklärt werden, ob vielleicht doch ein anderer Grund hinter der sexuellen Unlust steckt.

Der Arzt prüft zunächst, ob ein körperliches Problem besteht. Dafür werden einige gängige Untersuchungen gemacht. Es wird zum Beispiel überprüft, ob ein Hormonmangel vorliegt. Auch einige Medikamente, wie zum Beispiel Psychopharmaka, können die Lust auf Sexualität massiv einschränken."

>> Was tun, wenn mein Partner nie Lust auf Sex hat?

Ist eine Partnerschaft ohne Sex möglich?

"Ja, aber man sollte innerhalb der Partnerschaft offen sein. Es sollten keine Orgasmen vorgetäuscht werden, nur um dem anderen ein gutes Gefühl zu geben. Sonst kann schnell eine Entfernung vom Partner auftreten – was die Beziehung belastet.

Es sollte stattdessen versucht werden, die Erfüllung in der Partnerschaft auf eine andere Stufe zu stellen. Die Harmonie des Zusammenseins anders zu lenken. Die Partner sollten gemeinsam einen Weg finden, der beide zufrieden stellt. Dabei können beispielsweise Sex-Toys oder Partner-Massagen helfen. Jedes Paar muss auf dem Weg dahin für sich seine individuelle Lösung finden."

______

Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

Lesen Sie hier weitere Artikel mit Dr. Potempa:

Seite