10.08.2017

Der Sex-Experte antwortet Können auch Männer einen Orgasmus vortäuschen?

Längst nicht nur reine Frauen-Sache: Auch Männer können einen Orgasmus vortäuschen.

Foto: iStock/Jacob Ammentorp Lund

Längst nicht nur reine Frauen-Sache: Auch Männer können einen Orgasmus vortäuschen.

Können Männer wirklich immer oder täuschen sie auch manchmal einen Orgasmus vor? Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa gibt die Antwort.

Einen Orgasmus vortäuschen, das ist auf keinen Fall nur Frauensache. Auch Männer schummeln hin und wieder – und das sogar häufiger als Frauen, wie eine australische Umfrage vor einigen Jahren gezeigt hat. Demnach haben 23 Prozent der Männer schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht. Bei den Frauen waren es nur 21 Prozent. bildderfrau.de hat mit dem Sexualmediziner und Buch-Autoren Dr. med. Axel-Jürg Potempa darüber gesprochen.

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Wie täuschen Männer einen Orgasmus vor?

Dr. Potempa: "Es heißt, der Mann kann immer. Aber das ist falsch! Der Mann kann nicht immer – und dann täuscht auch er mal einen Orgasmus vor.

Für Männer ist das aber wesentlich schwieriger, weil sie in den meisten Fällen während des Orgasmus ejakulieren. Das ist natürlich bei einem vorgetäuschten Orgasmus nicht möglich. Der Mann kann lediglich den Orgasmus akustisch vorspielen und danach versuchen das leere Kondom schnell und unauffällig zu entsorgen.

Wenn der Geschlechtsakt ohne Kondom stattfand, dann fällt es der Frau häufig gar nicht auf, dass der Mann nicht ejakuliert hat, weil trotzdem die Scheidenflüssigkeit der Frau vorhanden ist, die bei sexueller Erregung mehrere Milliliter ausmachen kann.

Übrigens: Ein männlicher Orgasmus muss nicht immer eine Ejakulation zur Folge haben. Durch bestimmte Medikamente oder einen Testosteronmangel kann es auch zu einem sogenannten "Trockenen Orgasmus" kommen. Viele Männer, die wegen einer gutartig vergrößerten Prostata behandelt werden, können beispielsweise aufgrund der Medikamente nur noch einen "Trockenen Orgasmus" bekommen."

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Warum täuschen Männer einen Orgasmus vor?

Dr. Potempa: "Die Gründe können ganz vielfältig sein. Der Mann will die Frau vielleicht einfach nicht enttäuschen. Auch innerhalb einer Partnerschaft ist es so, dass der Mann nicht jedes Mal ejakulieren kann. Dann nutzt er manchmal das Hilfsmittel eines vorgetäuschten Orgasmus. Wenn dadurch Probleme und Diskussionen in der Beziehung verhindert werden können, dann ist das beim Mann genauso legitim wie bei der Frau. Daran gibt es überhaupt nichts Verwerfliches, weil es einfach in dem Moment sinnvoll ist.

Und ganz wichtig für die Partnerschaft: Wenn es beim ihm mal nicht klappen sollte, dann muss keiner Schuld sein oder es können beide Schuld sein. Wenn der Sex trotz eines vorgetäuschten Orgasmus schön war, dann ist das eigentlich nur positiv für beide Partner.

Aber nicht nur die Partnerin muss der Grund sein, weshalb es manchmal nicht klappt mit dem Orgasmus. Viele Männer setzten sich beim Geschlechtsverkehr einfach selbst sehr unter Druck. Um dann die männliche Rolle erfüllen zu können und den Geschlechtsakt "erfolgreich" abzuschließen, täuschen sie einen Orgasmus vor. Das kommt beispielsweise häufiger bei einem One-Night-Stand oder einer noch frischen Partnerschaft vor. Gerade dann wollen viele Männer keine Schwäche zeigen und das Bild, dass der Mann immer kann, aufrechterhalten."

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Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/

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