28.06.2016

Interview Wie schreibt dieser Mann gefühlvolle Romane über Frauen?

Casey Stone schreibt Romane über die Romanzen lesbischer Frauen. Mit Erfolg.

Foto: Casey Stone

Casey Stone schreibt Romane über die Romanzen lesbischer Frauen. Mit Erfolg.

Selfpublisher Casey Stone ist kein Amerikaner, lebt in Bayern und schreibt über verliebte Frauen. Wie das genau funktioniert, erklärt er uns hier...

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Casey Stone: Hallo! Ich bin 36 Jahre alt, lebe in Bayern, Nähe Ingolstadt und bin hauptberuflich Controller im Rechnungswesen bei einer großen Elektronikkette.

Sie haben vor einigen Jahren eine erfolgreiche Karriere als Selfpublisher von Kindle-Romanen angestoßen. Wie kam es dazu?

Mit 14 entdeckte ich die Leidenschaft zum Schreiben. 2013 ereignete sich etwas, das mich dazu bewege, ein paar offene Dinge in meinem Leben abzuschließen. Ein sehr wichtiger Mensch hat mir einmal gesagt: „Schreibe dein Buch“ und genau das habe ich dann getan. Aufhören konnte ich damit bis heute jedoch nicht.

Warum haben Sie sich für ein Pseudonym als Autornamen entschieden?

Zum einen möchte ich meine Privatsphäre schützen und zum anderen schreibe ich Romane im amerikanischen Stil, da passt einfach kein deutscher Name.

Zu den Genres, in denen Sie als Schriftsteller unterwegs sind, gehören unter anderem Romance, Lesbianromance und Romantasy. Wie würden Sie diese Genres charakterisieren?

Das Genre Romance ist sehr weitläufig. Es gibt Zehntausende (und noch mehr) von Büchern, gerade im Selfpublishing-Bereich. Für die Leser ist es oftmals schwierig, den Überblick zu behalten. Romantasy ist nach meinem Gefühl im Kommen, da es viele Leser gibt, die nur Fantasie lesen, andere wiederum nur Romanzen. In diesem Genre ist beides vereint und eröffnet ein völlig neues Lesevergnügen – und den Autoren neue Möglichkeiten. Das Thema Lesbianromance ist sehr speziell. Hier gibt es deutlich weniger Bücher, weshalb ich dazu immer Nischen-Kategorie sage. Leider schrecken die meisten Bücher bereits durch ihren Titel unerfahrene/neue Leser ab.

Ihre Geschichten sind sehr amerikanisch. Woher die Faszination für die Vereinigten Staaten? Was macht der Hintergrund mit Ihren Geschichten?

Ich mag amerikanische Filme und war selbst bereits in den USA (Kalifornien). Für mich ist es das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und landschaftlich gesehen eines der schönsten, die ich in der Vergangenheit besucht habe. Meine Geschichten laden zum Träumen ein und weil ich dies am besten mit amerikanischen Filmen kann, versuche ich dies in meinen Büchern den Leserinnen und Lesern wiederzugeben.

Sie schreiben als Mann Liebesgeschichten zwischen Frauen. Wie passt das zusammen?

Ich habe damit als Selfpublisher angefangen, weil ich etwas ganz anderes schreiben wollte. Der erste Versuch lief sehr schleppend und nach normalen Romanzen und Romantasy habe ich mich erneut an das Thema herangetraut und ein Nerv getroffen, der zwar nicht neu ist, aber meiner Meinung nach zu schnell verurteilt wird. Und ich wollte zeigen, dass auch Männer gefühlvolle Frau/Frau Geschichten schreiben können - so wie einige Kolleginnen Mann/Mann Geschichten zum Leben erwecken.

Wie ist die Resonanz Ihrer Leserinnen und Leser zu ihren Liebesgeschichten aus Frauensicht?

Sehr positiv und damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet! Viele sagten erst „nicht mein Genre“, einige haben es dann doch versucht und wurden ihrem Feedback nach sehr überrascht. Immer wieder schreiben mich neue Leserinnen und auch Leser an und möchten wissen, wann der nächste Teil kommt. Im Moment kann ich der Nachfrage kaum mit dem Schreiben nachkommen.

Wie erklären Sie sich die Popularität von Liebesromanen auf Kindle & Co.?

Ob in der U-Bahn, im Park oder in einem fremden Land im Urlaub, vom Prinzip können die Leser überall und jederzeit lesen. Niemand muss mehr Taschenbücher mit sich herumtragen. Die technische Entwicklung eröffnet ganz neue Möglichkeiten, was für mich persönlich eine Erklärung des rasant wachsenden digitalen Buchmarktes ist.

Wie kam es zu Ihren Gemeinschaftsprojekten mit Kolleginnen wie Nadine Kapp (bei „Nothing‘s like it should be“)?

Wir sind in der Vergangenheit aufeinander aufmerksam geworden und Nadine meinte eines Tages: „Ich brauche dich, die Szene kann nur ein Mann schreiben.“ Die Szene hat sie bekommen, unser Schreibstil harmonierte von Anfang an und „Nothing’s like it should be“ ist bereits das zweite Buch unserer erfolgreichen Zusammenarbeit. Außerdem entwickelte sich durch unsere Arbeit eine gute Freundschaft.

Wer sind Ihre literarischen Vorbilder und welche Romane lesen Sie selbst am liebsten?

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich selbst kaum Zeit zum Lesen habe. Wenn es die Möglichkeit gibt, dann sind es meistens die Werke der Kolleginnen aus dem Genre Romance. Literarische Vorbilder habe ich nicht.

Was würden Sie anderen aufstrebenden Autoren raten, um als Selfpublisher durchzustarten?

Habt Geduld, Mut und seid stark. Selfpublisher müssen leiden wie Hunde und allein das ganze Wissen über diesen Bereich anzueignen dauert seine Zeit. Lest und informiert euch, es gibt viele Quellen, die euch den Einstieg ins Selfpublishing erleichtern. Gebt niemals auf, ihr könnt alles erreichen was ihr wollt!

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

In den nächsten Tagen erscheinen zwei neue Bücher. Bei dem ersten handelt es sich um ein weiteres Gemeinschaftsprojekt mit der lieben Kollegin J.R. König und das andere ist mein erstes Verlagsbuch. Viele Leser fragten mich, ob es dann nur noch Verlagsbücher von mir geben wird. Nein, ich werde dem Selfpublishing treu bleiben, aber auch neue Wege beschreiten und ausprobieren.

Das Thema Lesbianromance liegt mir sehr am Herzen, weil hier einfach zu viele Klischees existieren. In diesem Bereich plane ich, die Leserinnen und Leser ein wenig zu sensibilisieren und für neue Dinge zu begeistern.

An Projekten mangelt es derzeit nicht. In der Zukunft werden noch viele weitere Bücher folgen, für die ich mir Ende des Jahres ganz viel Inspiration holen werde, wenn ich dann meine Westküstentour in der USA komplettiere.

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Vielen Dank für das Interview, Herr Stone!

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