16.06.2016

Interview Über smartes Self-Publishing und Liebesromane: Nadine Kapp

Foto: Nadine Kapp/konradbak

Nadine Kapp ist als erfolgreiche Self-Publisherin von Liebesromanen ein Kindle-Charts-Bestseller. Wir haben sie zu ihrer jungen Karriere befragt.

 

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Nadine Kapp: Mein Name ist Nadine Kapp, geboren und wohnhaft in Köln. Ende 2012 erblickte mein Sohn das Licht der Welt und zu diesem Zeitpunkt stand für mich bereits fest, dass ich meinem alten Beruf als gelernte Fachkraft für Lagerlogistik nicht mehr nachgehen möchte. 2014 begann ich damit, ein paar Kapitel zu schreiben, doch so „richtig“ startete ich erst Anfang 2015 als Autorin, auch wenn es nach all der Zeit immer noch seltsam ist, sich als solche bezeichnen zu dürfen.

Im Juli 2015 gründete ich den Booklover Verlag, um so auch anderen Autoren die Chance zu geben, sich im Buchdschungel einen Namen zu machen. Somit steuere ich hauptberuflich die Abläufe im Verlag, habe mich außerdem mit dem Designen von Buchcovern selbstständig gemacht, schreibe aber täglich an meinen Romanen, da es einfach eine Leidenschaft von mir ist.

Sie haben Februar 2015 mit „Conscious Decision: Sechs Jahre ohne Dich“ unter dem Pseudoynm Ashley Kingston ihren Debütroman veröffentlicht. Wie wurden Sie zu Ihrem ersten Roman inspiriert?

Eigentlich war es nicht mein Debütroman. 2014 veröffentlichte ich bereits einige Kurzromane, die ich aber mit der Zeit wieder aus dem Verkauf genommen habe. Bei „Conscious Decision“ war die Idee plötzlich da, als ich an Silvester mit einem Glas Sekt in der Hand mit einer Freundin sprach. Ich weiß nicht mehr genau, was sie sagte, aber ein einzelner Satz reichte aus und ich wusste: Darüber musst du schreiben. Ich denke, bei Autoren ist es immer faszinierend, wie manchmal nur ein Wort ausreicht und man sich eine komplette Buchidee im Kopf zusammenreimt.

Einige Monate später, im Juni 2015, haben Sie sich entschlossen Ihre Pseudonyme (neben Ashley Kingston auch Laurie Millan) aufzugeben und nur noch unter Ihrem richtigen Namen Ihre Bücher zu veröffentlichen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wie bereits erwähnt, habe ich im Jahr 2014 einige Kurzromane veröffentlicht. Darunter war eine Trilogie („Der Seele beraubt“, „Der Sinne beraubt“, „Der Illusion beraubt“), in der ich zum größten Teil die Beziehung mit meinem Ex-Freund verarbeitet habe. Aus diesem Grund wählte ich Pseudonyme, damit man mich im privaten Umfeld auch nicht mit diesem Namen in Verbindung bringen konnte. Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, die Bücher aus dem Verkauf zu nehmen, war es auch nicht mehr notwendig, unter Pseudonym zu schreiben. Diesen Schritt habe ich auch nicht bereut. Im Gegenteil.

Sie wohnen in Köln, schreiben aber Romanzen mit englischen Titeln und internationalem Flair. Woher schöpfen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten?

Das ist unterschiedlich. Manchmal habe ich es dem Zufall zu verdanken, dass mir eine Idee kommt, die ich dann in kurzen Stichpunkten aufschreiben muss. Meist ist es jedoch so, dass ich ein Lied höre, sei es im Bett, auf der Couch oder an meinem Computer, und mich in Tagträumen verliere. Ich denke, dass keine Autorin oder kein Autor zu 100 % definieren kann, wie genau dieser Prozess der Ideenfindung abläuft. Für manche, die nicht selbst Bücher schreiben, mag es vielleicht etwas eigenartig wirken, aber die Ideen „kommen“ einfach.

Für Ihren Roman „Like a Butterfly: Tödliche Liebe“ arbeiteten Sie mit Freya Miles zusammen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Das war wohl Schicksal! Freya entdeckte ein Cover einer anderen Autorin und war so begeistert, dass sie mich kontaktierte und mich beauftragte, ebenfalls ein Buchcover für ihren Debütroman zu erstellen. Wir kamen ins Gespräch und nachdem ich ihr Buch gelesen hatte, bot ich ihr einen Verlagsvertrag an. Seitdem hat sich eine wirklich innige Freundschaft zwischen uns entwickelt und so erzählte ich ihr von meinem Buchprojekt, an dem ich jedoch nicht weiterschreiben konnte, da mir irgendetwas fehlte.

100 Seiten waren bereits geschrieben, aber der männliche Part wollte mir nicht gelingen. Sie machte den Vorschlag, dass wir es gemeinsam versuchen, und wir haben das Buch in wenigen Wochen bereits beendet. So wurde aus meiner Idee unsere Idee und aus einem Buch eine Trilogie, deren nächster Teil bereits in diesem Jahr erscheint. Mitte Juni erscheint nun ein weiteres gemeinsames Projekt unter dem Namen „Underground Fights – A Millionaire's Trust“, welches wir innerhalb von weniger als zwei Wochen geschrieben haben. Es ist außergewöhnlich, was geschieht, wenn unsere Ideen aufeinandertreffen, und wie wir uns gegenseitig ergänzen.

Wie vermeiden Sie es, sich bei Ihren Romanen über die Liebe zu wiederholen?

Die Liebe ist vielseitig und kann auf verschiedene Arten zum Ausdruck gebracht werden. Unerwiderte Liebe, Liebe auf den ersten Blick, die gescheiterte Liebe … Ich versuche, jedem Roman etwas Einzigartiges zu geben, etwas, das dieses Buch von den anderen unterscheidet. Vereinzelt kann es natürlich sein, dass Protagonistin A genauso wie Protagonistin B in einem anderen Buch zum Beispiel das Herz gebrochen wird. So etwas lässt sich nicht vermeiden. Dennoch denke ich, dass die Leser selbst merken werden, dass jeder Roman eine andere Botschaft vermitteln will.

Wie bewerten Sie die Popularität von eReadern wie dem Kindle und das veränderte Konsumverhalten der Leser, die jetzt auch viel mehr digital lesen. Erleichtert das den Einstieg ins Publikationsgeschäft für junge Autorinnen?

Ich persönlich lese in meiner Freizeit auch sehr gerne, dann aber ebenfalls hauptsächlich E-Books. Die Vorteile liegen auf der Hand: Meist werden Taschenbücher über das Internet bezogen, wenn man nicht gerade eine Buchhandlung besucht, und das bedeutet, dass man ein bis zwei Tage warten muss, bis man das Buch in den Händen halten kann. Bei E-Books braucht es nur wenige Klicks, bis man bereits beginnen kann, zu lesen. Außerdem ist es zum Beispiel auf Reisen wesentlich komfortabler, ein einzelnes Gerät mit sich zu tragen als mehrere Bücher, die natürlich auch Platz wegnehmen. E-Books machen im Durchschnitt 95 % meiner Verkäufe aus.

Für Selfpublisher (Autoren, die eigenständig ohne Verlag veröffentlichen) erleichtert es den Einstieg auf jeden Fall, da es schwierig ist, Buchhandlungen von sich zu überzeugen. Meiner Erfahrung nach sind die Reaktionen auf Autoren, die ohne Verlag veröffentlichen, nicht durchweg positiv, was vielleicht auch daran liegt, dass es natürlich auch „schwarze Schafe“ unter diesen Autoren gibt. Ein fehlendes Lektorat oder Korrektorat trägt meist dazu bei, dass Selfpublisher in eine Schublade gesteckt werden, in deren „Genuss“ Verlagsautoren nicht kommen, da dort eine professionelle Bearbeitung nicht fehlen darf.

Wie erklären Sie sich die Popularität von Liebesromanen und von Bestsellern aus dem Bereich wie „Fifty Shades of Grey“? Besteht ein ungebrochenes Bedürfnis für Liebesgeschichten bei den Leserinnen?

Ich denke schon. (Ich muss mich outen: Solche Geschichten lese ich auch sehr gerne.) Es ist einfach so, dass man sich in einer anderen Welt verlieren will, wenn man ein Buch liest. Dass es im wahren Leben meist nicht so läuft, wird wahrscheinlich jedem Einzelnen klar sein. Umso schöner ist es, von Männern zu lesen, die gebrochen sind und dennoch wissen, was sie wollen. Die nach außen hin stark und geheimnisvoll wirken. Männer, denen man eigentlich nicht zutrauen würde, dass sie sich etwas aus Liebe machen, die sich dann jedoch genau in die unscheinbare, unerfahrene Frau verlieben.

Welche Ihrer Geschichten hatte die größte Resonanz bei Ihren Leserinnen?

Das war „Nothing's like it seems“, die Geschichte über Jordan und Kimberly, welche ich in Zusammenarbeit mit Casey Stone geschrieben habe. Wir hielten uns mehrere Wochen in den Top 20 der Amazon-Kindle-Charts. Mit so einem Erfolg hätten wir nie gerechnet, weshalb wir auf Bitten der Leser Anfang Juni den zweiten Teil veröffentlicht haben. („Nothing's like it should be“)

Wer sind Ihre literarischen Vorbilder und welche Autoren lesen Sie selbst am liebsten?

Die habe ich ehrlich gesagt nicht, da ich im Liebesroman-Genre querbeet lese. Der Inhalt meines Kindle sagt mir jedoch, dass ich in den letzten Monaten hauptsächlich Werke von Selfpublishern gelesen habe, die in den Top 100 der Amazon-Kindle-Charts vertreten waren. Gerne lese ich Bücher von zum Beispiel Any Swan, D.L. Andrews, Anya Omah oder Annie Stone. Die Liste könnte ich vermutlich noch um einige hundert Namen erweitern.

Wie vereinbaren Sie Ihr Schreiben mit Ihrem Beruf und den Anforderungen als Mutter und Partner?

Meist ist es so, dass ich tagsüber die Verlagsarbeiten erledige und dann abends, wenn mein Sohn im Bett ist, beginne zu schreiben. Zu Anfang habe ich mir diese Frage öfter gestellt, da ich es als eine Gefahr sah, mein Privatleben vernachlässigen zu können. Doch mittlerweile hat es sich eingespielt und ich finde, dass es eher ein Vorteil ist, dass ich von zu Hause arbeite und keinem Vollzeit-Job außerhalb nachgehe. Bei Problemen bin ich immer sofort greifbar und kann so auch mehr Zeit mit meinem Sohn oder meinem Partner verbringen als manch andere Mutter oder Ehefrau. Natürlich habe ich keine geregelten Arbeitszeiten und arbeite oft mehr als 40 Stunden pro Woche, aber das liegt dann meist daran, dass ich bis tief in die Nacht schreibe.

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Vielen Dank für das Interview, Frau Kapp!

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