03.04.2019

Experten klären auf Keine Lust mehr auf Sex? Woran das liegen kann

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So haben Langzeitpaare mehr Spaß im Bett

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Fr, 19.10.2018, 13.43 Uhr

So haben Langzeitpaare mehr Spaß im Bett

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Am Anfang einer Beziehung ist der Sex meist sehr erfüllend – kein Wunder, alles ist neu und aufregend. Doch mit der Zeit schleicht sich die Gewohnheit ein, die Lust lässt dann oft nach. Auch andere Gründe für sexuelle Unlust kommen auf. Abfinden muss man sich damit aber noch lange nicht.

Wer plötzlich keine Lust auf Sex mehr hat, empfindet das meist als sehr belastend. Es scheint, als "funktioniere" man nicht mehr wie zuvor, ohne genau zu wissen, warum. Dabei hat fast jeder Mensch irgendwann in seinem Leben einmal ein Problem mit der Lust. Die Gründe für die Sex-Unlust können sowohl psychischer als auch physischer Ursache sein. In beiden Fällen sollten die sexuellen Probleme nicht einfach hingenommen werden. Meist lässt sich Abhilfe schaffen.

Keine Lust auf Sex: Unlust und Frust

Bleibt die Lust auf Sex plötzlich aus, empfinden das viele Frauen als Makel an sich. Nicht selten wird dann Lust vorgetäuscht, um den Partner nicht zu enttäuschen. Der Sex wird zum Pflichtprogramm, um die Beziehung nicht zu gefährden. Die tatsächlichen Wünsche bleiben dabei natürlich oft auf der Strecke, die Unlust wird so nur noch größer. Aber auch wenn der Partner plötzlich keine Lust mehr hat, ist das erst einmal frustrierend – man fühlt sich nicht mehr begehrenswert genug, zweifelt am Ende ebenso an sich selbst.

Deshalb sollte bei einem sexuellen Problem der eigene Partner immer der erste Ansprechpartner sein. Viele Probleme lassen sich schon durch ein offenes Gespräch ablindern. Für beide ist es wichtig zu wissen, was in Partnerin oder Partner vorgeht und warum sexuelle Probleme bestehen. Denn das größte Problem ist das Nicht-Reden über Sex.

Bei körperlichen Beschwerden, also wenn Frauen zum Beispiel Schmerzen beim Sex verspüren, ist der Gynäkologe die richtige Adresse. In manchen Fällen kann sich auch der Besuch eines Sexualtherapeuten lohnen.

Wenn der Kopf will, aber der Körper nicht

Wer keine Lust auf Sex empfindet, mag sich schlecht fühlen, weil er seinen Partner doch eigentlich liebt. Doch oft liegt die Sexunlust gar nicht an der Qualität der Beziehung, sondern hat medizinische Ursachen. Der Kopf will, der Körper streikt. So kann bei einer Frau, obwohl sie Lust empfindet, etwa die Scheide trocken bleiben. Direkt nach der Periode oder während des Stillens ist dies häufig der Fall. Abhilfe bei Scheidentrockenheit können Gleitmittel aus der Apotheke schaffen.

Auch die Anti-Baby-Pille kann zu Sexunlust führen. Dr. Frauke Höllering, Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Psychosomatik und Sexualmedizin, sagt: "Bei Frauen, die sehr jung sind, kann die Pille Schuld sein. Ein Wechsel zu einem anderen Pillenfabrikat kann Wunder wirken." Auch die Einnahme von Antidepressiva vermindert die Lust auf Sex. Bis zu 70 Prozent der Patientinnen, die Antidepressiva einnehmen, sind von sexuellen Problemen betroffen.

Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa gibt Antworten auf Fragen zu den häufigsten Sex-Problemen, Sex-Mythen und Tipps für richtig guten Sex:

Wechseljahre können Unlust bewirken

Bei Frauen in den Wechseljahren kann die sexuelle Antriebslosigkeit ebenfalls körperliche Ursachen haben. Dr. Höllering: "Die meisten Frauen, die in einer guten Beziehung leben, legen noch viel Wert auf Sex. Leider geht dank Hormonveränderung die Lust aber vorübergehend in den Keller, das ist dann für beide Partner frustrierend."

Die Hormone sind schuld, wenn die Lust im Alter nachlässt. Die Expertin erklärt: "Gerade ein relativer Gestagenmangel kann die Libido verringern. Das sollte kein Grund sein, Hormone zu nehmen, aber ein Grund, gelassen zu bleiben. Der Körper gewöhnt sich an die neue Hormoneinstellung, und dann wird es meistens wieder besser."

Wechseljahre: Kein Ende der Libido

Viele Frauen erwägen in der Phase der Wechseljahre die Einnahme von Hormonen. Dr. Höllering sagt: "Pflanzliche Hormone sind bezüglich Nebenwirkungen auch nicht besser als synthetische; darum sollten Frauen, wenn es sein muss, ruhig letztere einnehmen, aber so gering dosiert und für so kurze Zeit wie möglich." Grundsätzlich ist ein Gespräch mit der Gynäkologin anzuraten. Sind die Wechseljahre der Grund für Scheidentrockenheit, können Östrogencremes verschrieben werden, die den Hormonmangel ausgleichen.

Fakt ist: Die Wechseljahre einer Frau bedeuten nicht das Ende ihrer Libido. Ganz im Gegenteil. Bis ins hohe Alter können Frauen sexuell aktiv sein. Wichtig ist, den Sex erst gar nicht einschlafen zu lassen. Dr. Höllering: "Es hilft, sich trotzdem auf Sex einzulassen; dabei bemerken die Frauen dann oft, dass der Spaß und die Lust sich doch noch einstellen."

Sex-Unlust aufgrund von Beziehungsproblemen

Wenn Partnerschaftsprobleme hinter der Lustlosigkeit stecken, ist Beziehungsarbeit angesagt. Häufiges Problem: Man hat sich entfremdet, miteinander "arrangiert" und so eine Art Routine entwickelt, die wenig Platz für individuelle Wünsche und Neues lässt. Eine mangelhafte Kommunikation, die sich letztlich auch im Bett bemerkbar macht. Was ist zu tun?

"Beide sollten erst einmal herausfinden: Ist die Partnerschaft gut, sind wir uns nah, oder haben wir uns im Alltag aus den Augen verloren? Dann hilft, sich wieder mehr miteinander zu beschäftigen, Ausgehen, Tanzen, Sport treiben und Sprechen über Träume und Wünsche," rät Dr. Höllering. Beide Partner sollten sich Zeit nehmen füreinander, vielleicht mal wieder 'in Schale werfen' und sich ganz bewusst aufeinander einlassen. Vielleicht können einige unserer Beziehungstipps dabei unterstützen.

Fehlende Körperlichkeit: Kontakt wiederherstellen

Oft liegt es in längeren Partnerschaften schlichtweg am fehlenden Körperkontakt, dass einer von beiden keine Lust auf Sex mehr hat. Durch den alltäglichen Stress verringert sich die Zahl körperlicher Berührungen, oftmals kommt es am Tag maximal zu einem Begrüßungskuss. Dabei beruht die emotionale Bindung in einer Partnerschaft zu einem großen Teil auf Berührungen und Körperlichkeit.

Wer seinen Partner körperlich nicht mehr anziehend findet, sollte sich Lust machen – auf ihn oder sie. Felicitas Heyne, Psychologin und Buchautorin, sagt: "Inszenieren Sie bewusst Gelegenheiten für sexuelle Begegnungen – verabreden Sie sich für eine Nacht in einem Hotel, schicken Sie eine erotische SMS oder E-Mail, oder buchen Sie als Überraschung ein Wellness-Wochenende für zwei. Planung und Vorfreude sind wesentlicher Bestandteil der Erotik in Langzeitbeziehungen, spontaner Sex dagegen eher eine Seltenheit!"

Die Verabredung zum Sex mag einem zunächst eigenartig vorkommen, aber sie hat ihre Vorteile. Dr. Höllering sagt: "Bei einer Verabredung können sich beide Partner innerlich darauf einstellen und sich ein paar erotische Träume ausdenken, Stichwort Kopfkino."

Aus der Reserve locken

Aber was tun, wenn der Partner nie Lust auf Sex hat? Bei Männern kann das laut Felicitas Heyne recht einfach sein: Männer müssen aus der Reserve gelockt werden. Das klappt jedoch nur, wenn die Frau mit ihm darüber redet, was sie stört. Felicitas Heyne: "Viele Männer werden im Laufe der Zeit nachlässig im Umgang mit ihren Partnerinnen. Das ist weniger mangelnde Liebe als Bequemlichkeit: Männer sind nun mal Jäger – ist das 'Wild' erst mal erlegt, wozu sich dann noch anstrengen? Äußern Sie möglichst direkt Wünsche und Bedürfnisse ihm gegenüber, und sagen Sie deutlich, was genau Sie vermissen."

Es bedarf keines Zauberwerks, um die Beziehung aufzufrischen. Keine wilden Dessous oder Sexstellungen. Entscheidender ist die Grundeinstellung. Anne West, Autorin von Sex-Ratgebern wie "Absolut Sex – Wie Sie jeden Mann um seinen Verstand bringen", sagt: "Wenn Männer von Reizen schwärmen, dann benutzen sie Ausdrücke wie heiß, wild, verboten, unvorhersehbar, gefährlich, provokant, gierig, verführerisch, sinnlich, politisch inkorrekt, schamlos. Das harmonische Liebesleben einer Beziehung steht all dem diametral gegenüber: immer möglich, zärtlich, liebevoll, respektvoll, erlaubt, harmonisch – und vorhersehbar."

Und genau da liegt Ihre Chance: unvorhersehbar zu werden. "Er hat sich daran gewöhnt, dass Sie morgens nie wollen? Nehmen Sie ihn sich morgens vor. Er hat sich daran gewöhnt, dass es Samstagabend zur Sache geht? Verbringen Sie eine Mittagspause zusammen im Auto auf einem Waldweg. Sie sind meistens sehr liebevoll im Bett? Schubsen Sie ihn, rangeln, beißen, geben Widerworte. All das natürlich nur, wenn Ihnen danach ist", rät die Expertin.

Manchmal kann auch etwas Neues im Bett die Leidenschaft entfachen. Einfache Kamasutra-Stellungen etwa. Oder Sex-Toys – gerade für reife Frauen toll.

Oder haben Sie es schon einmal mit gemeinsam kochen probiert? Auch das kann erotisch sein: Dass Liebe durch den Magen geht, ist hinlänglich bekannt. Wir haben für Sie die erotischsten Zutaten von A bis Z zusammengestellt:

Ernsthafte Beziehungsprobleme

Erträgt man selbst kleine Zärtlichkeiten nicht mehr, steckt vielleicht ein ernsteres partnerschaftliches Problem hinter der körperlichen Abneigung. Dr. Höllering dazu: "Ich frage die Frauen dann: Geht er Ihnen auf die Nerven? Streiten Sie zu viel, oder haben Sie sich gar nichts mehr zu sagen? Lustlose Frauen in guten Partnerschaften mögen nämlich durchaus noch schmusen, und wenn sie dann doch mal Sex haben, stellt sich die Lust meist auch ein."

Dr. Höllering rät Frauen, die sich selbst ihre plötzliche Abscheu nicht erklären können, der Ursache im Rahmen einer Psychotherapie auf den Grund zu gehen. "Manchmal sammeln sich einfach kleine und große Verletzungen, an die man sich im einzelnen gar nicht mehr erinnert, die einem aber die Sexlust rauben. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber, er kann Ihnen eine Therapeutin empfehlen. Wenn Ihr Mann merkt, dass Sie sich ernsthaft um Aufklärung und Änderung bemühen, hat er vielleicht Geduld und hilft mit, das Problem aufzuarbeiten." Manche fragen sich auch, ob eine Beziehungspause die Liebe retten kann. Soviel vorweg: Diese Entscheidung bedarf im Vorfeld viel Gesprächszeit und Vertrauen und sollte daher gut überlegt werden.

In jedem Fall gilt auch bei keiner Lust auf Sex wie so oft: Reden ist Gold wert!

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