Aktualisiert: 10.09.2021 - 19:19

Patchwork-Familien Frisch verliebt, aber: "Seine Kinder lehnen mich ab"

Von Redaktion

Eine neue Frau an Papas Seite? Selbst erwachsene Kinder tun sich mit der Tatsache mitunter schwer... Zwei Frauen und ihre Erfahrungen mit einer Patchwork-Familie.

Foto: Getty Images / Morsa Images

Eine neue Frau an Papas Seite? Selbst erwachsene Kinder tun sich mit der Tatsache mitunter schwer... Zwei Frauen und ihre Erfahrungen mit einer Patchwork-Familie.

Wer eine neue Liebe mit Familienanhang findet, führt eine Beziehung, in die auch Kinder mit eingebracht werden. Das kann gut laufen – muss es aber nicht. Zwei Frauen erzählen von ihren Erfahrungen mit einer Patchwork-Familie.

Der Nachwuchs ist erwachsen, die Trennung lange her. Dennoch spielt die Familie bei einer neuen Beziehung immer eine Rolle – mal positiv, mal negativ. Hier erzählen zwei Frauen von ihren Erfahrungen mit einer Patchwork-Familie.

Patchwork-Familien: Barbara wird von seinen Kindern abgelehnt

"Bei uns, so scheint es, haben seine Kinder 'gewonnen'. Wir streiten ihretwegen so viel, dass wir beide nicht mehr sicher sind, ob unsere Beziehung überhaupt eine Zukunft hat", erzählt Barbara mit belegter Stimme und einem resignierenden Schulterzucken. Barbara ist nicht ihr richtiger Name, wir zeigen auch kein Foto von ihr. Nur so war sie bereit, offen über diese sehr schwierige Situation zu sprechen. Dabei fing alles so wunderbar an, als Barbara ihren Dieter vor rund zwei Jahren in einem Online-Chatroom anschrieb.

Sie sagte: "Papa, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?!"

Die zwei lagen sofort auf einer Wellenlänge – auch deshalb, weil sie in einer ähnlichen Lage waren. Beide waren geschieden, hatten erwachsene Kinder und beide sehnten sich so sehr nach Nähe. "Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, mich noch einmal zu verlieben. Mit Mitte 20 scheint das so leicht, mit fast 60 ganz und gar nicht", gesteht Barbara. Doch mit Dieter war es anfangs ebenso leicht und selbstverständlich. Bis die Beziehung ernst wurde und sie sich gegenseitig ihren Kindern vorstellten. "Ich werde diesen ersten Abend bei ihm zu Hause niemals vergessen. Da saßen mir zwei erwachsene Menschen gegenüber, die sich wie trotzige Teenies verhielten. Sie sprachen mit ihrem Vater über meinen Kopf hinweg, als ob ich nicht mit am Tisch sitzen würde. Seine Tochter meinte schließlich mit einem abschätzigen Blick auf mich: 'Papa, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?!'"

Er nimmt seine Kinder sogar noch in Schutz

Viel schlimmer als ihre Worte traf Barbara, dass Dieter darauf gar nicht reagierte. "Ich dachte, er würde mich verteidigen und seine Tochter in die Schranken weisen. Aber das tat er nicht. Das tut er nie! Er nimmt seine Kinder sogar noch in Schutz." Nach dem besagten Abend hatten Barbara und Dieter ihren ersten richtigen Zoff. Und es sollte nicht der letzte sein. Denn während Dieters Sohn längst ausgezogen ist, wohnt seine Tochter noch bei ihm zu Hause. Sie studiert in der Nähe und will sich die Miete für eine Wohnung sparen.

"Ich verstehe ja, dass er seine Tochter nicht rauswerfen möchte, und das soll er auch nicht", sagt Barbara. "Aber solange sie mich rigoros ablehnt, werde ich mich bei ihm niemals zu Hause fühlen. Wie soll das mit uns dann funktionieren?" Bislang konnten sie das Problem ganz gut ausblenden, wenn sie zu zweit waren. "Aber inzwischen schwebt es wie eine Gewitterwolke über uns", so Barbara. "Und ich hab die Nase voll davon, ständig im Regen zu stehen."

Ein Beispiel, wie Patchwork wunderbar funktionieren kann: Katrins Geschichte

Katrins Geschichte ist ähnlich – und doch ganz anders. Denn sie erlebt gerade dieses Happy End, nach dem Barbara sich so unheimlich sehnt. Auch Katrin lernte ihren Harald im Netz kennen. Beide geschieden, beide seit Jahren allein. Harald hat zwei erwachsene Söhne, Katrin ist kinderlos. "Und nun habe ich sogar Enkelkinder, die mich Omi rufen", schwärmt sie dankbar. "Haralds Familie hat mich sofort herzlich aufgenommen. Alle haben sich riesig für ihn gefreut, dass er nicht mehr einsam ist."

"Er riet mir dazu, einfach nur ich selbst zu sein"

Angst vor Ablehnung hatte Katrin dennoch: "Du bist plötzlich die Neue in der Familie und willst keinem auf die Füße treten." Aber seine Familie habe es ihr wirklich leicht gemacht. "Natürlich versuchst du, dich gerade vor seinen Kindern von deiner besten Seite zu zeigen. Aber das war unnötig. Harald meinte, ich solle einfach sein, wie ich bin. Dann würden sie mich genauso lieben, wie er es tut."

Ein Rat, den Patchwork-Expertin Katharina Grünewald ebenso nur empfehlen kann. Gerade Frauen rutschen in einer neuen Beziehung schnell in die Rolle der Stiefmutter. "Der Begriff ist für die meisten gleichbedeutend mit der 'bösen Stiefmutter' aus den Märchen. Davon distanzieren sich bewusst alle Frauen, die in diese Position geraten, und versuchen, sich als 'gute Mutter' aufopfernd um die Kinder zu kümmern." Und genau hier wartet die Falle: Die eigenen Bedürfnisse werden zurückgestellt. Dafür erwartet die Stiefmutter Dank von den Kindern, die um diese "Aufopferung" allerdings gar nicht gebeten haben.

"Ich genieße total das 'fertige' Familienleben"

Wie unkompliziert Patchwork-Familien funktionieren können, zeigen auch die Ochsenknechts. Uwe und Kirsten, von allen nur Kiki genannt, sind seit 2017 verheiratet. Als sie sich vor elf Jahren verliebten, war Kiki erst Mitte 30, also im besten Baby-Alter, Uwe aber bereits Mitte 50. Er brachte vier erwachsene Kinder mit in die Ehe, gemeinsamer Nachwuchs war deshalb nicht geplant.

Doch auch ohne gemeinsame Kinder fühlt sich ihr Leben komplett an – denn seine vier Kids wurden auch zu ihrer Familie. "Wir fühlen uns sehr wohl mit dieser Konstellation", sagen beide. Uwe selbst empfand sich zu alt für weitere Kinder. "Die Kinder, die da sind, sind toll!", betont der Schauspieler. Aber Kinder nehmen auch Raum ein: "Es ist schön, dass wir jetzt Zeit für uns haben." Und auch Kiki genießt das "fertige" Familienleben: "Wir sind glücklich." Und so soll es auch sein!

Expertin: "Es braucht Zeit, bis jeder seinen Platz gefunden hat"

Drei Fragen an Katharina Grünewald, Psychologin und Gründerin von patchwork-familien.com.

Selbst erwachsene Kinder lehnen oftmals die neuen Partner der Eltern ab. Warum ist das so?

Kinder gehen dann in Konfrontation, wenn sie sich vom neuen Partner eines Elternteils bedroht fühlen. Das geschieht unabhängig vom Alter. Oft sind die Konflikte des Expaares im Vorfeld nicht gut gelöst worden, und den Eltern ist es nicht gelungen, sowohl den Kindern als auch dem oder der Liebsten einen sicheren Platz zu geben. Dann gerät die Familienkonstruktion in eine Art "Entweder-oder-Falle", und dabei zieht die neue Beziehung meist den Kürzeren.

Wie kann ich meine neue Beziehung davor schützen?

Eine gute Chance haben Stiefmütter und Stiefväter, wenn sie sich mit ihren Eigenwilligkeiten und eigenen Interessen vorstellen sowie mit Lust und Neugier in die neue Beziehung mit den Kindern gehen. Dabei ist es enorm wichtig, dass sie auf ihre Grenzen achten und ebenso die Verantwortung für ihr Wohlergehen selbst übernehmen. Und: Es braucht Zeit, bis jeder seinen Platz gefunden hat. Also bitte Geduld haben!

Was ist, wenn die Situation einfach nicht besser wird?

Das entsprechende Elternteil braucht eine klare Position. Damit verbunden ist die Verantwortung, die eigene Haltung deutlich werden zu lassen und zu vermitteln. Geschieht das nicht, bleibt häufig nur die Trennung.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift "Zeit für mich".

Kein Rosenkrieg, keine dreckige Wäsche – und eine neue Liebe, die als Patchwork-Familie gelebt wird: Glücklich geschieden – dieses Ex-Paar hat es hingekriegt.

Auch das kann eine Partnerschaft sehr belasten: Kaum Zeit wegen der Kinder? So pflegen Eltern ihre Beziehung.

Diese Familie ist das Problem der fehlenden Zweisamkeit sehr offenherzig angegangen! Offenherzige Worte an die Kinder: Mama und Papa haben jetzt Sex.

Liebe & Sex

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