Aktualisiert: 27.06.2021 - 21:09

Fehler vermeiden – aber richtig Was wir aus jeder Beziehung für die nächste lernen

"Schatz, Du wolltest genau das nicht in unserer Beziehung tun" – was wir aus vergangenen Beziehungen lernen, welche Fehler wir dabei möglicherweise begehen, erklärt ein Experte.

Foto: Getty Images / Wavebreakmedia Ltd

"Schatz, Du wolltest genau das nicht in unserer Beziehung tun" – was wir aus vergangenen Beziehungen lernen, welche Fehler wir dabei möglicherweise begehen, erklärt ein Experte.

Wer in vergangenen Beziehungen Fehler gemacht hat, will sie nach Möglichkeit in einer neuen Beziehung vermeiden. Schließlich lernen wir ja aus Fehlern – oder? Warum wir dennoch oft in alte Muster verfallen und wie sich das vermeiden lässt.

"Dieser Fehler passiert mir in meiner neuen Beziehung nicht noch einmal." Kennen Sie das? Diesen gut gemeinten Vorsatz, der sich allzu oft doch nicht halten lässt – wider besseres Wissen? Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier: Was er einmal falsch gemacht hat, macht er immer wieder falsch. Das stimmt zwar mitunter, aber ganz so einfach ist es glücklicherweise doch nicht.

Denn natürlich sind wir Menschen auch lernfähig: Wir haben so etwas wie ein "eingebautes Lernprogramm", sagt Eric Hegmann, Paarberater und Parship-Coach. Zu Beziehungsthemen aller Art bietet er in seiner Modern Love School zahlreiche Online-Kurse an. BILD der FRAU hat bei dem Partnerschafts-Experten nachgefragt, was es mit dem Lernen aus Fehlern auf sich hat, warum wir dennoch immer wieder Fehler aus alten Beziehungen in neue hineintragen und wie wir das vermeiden können.

Was wir aus vergangenen Beziehungen für die neuen lernen – und welche Gefahren das birgt

BILD der FRAU: Lernen wir wirklich immer aus unseren Beziehungen?

Eric Hegmann: Die gute Nachricht: Ja, wir alle lernen aus Beziehungen. Die schlechte: Nicht alles bringt uns weiter, manches wirft uns sogar zurück. Ein häufiger Satz lautet so ähnlich: "Meine misslungenen Beziehungen vorher haben mich erst bereit gemacht für diese Beziehung." Aus Fehlern lernen, das klingt super. Warum gelingt das manchen Menschen – und manchen nicht?

Menschen haben ein eingebautes Lernprogramm. Das funktioniert so, dass eine einmal als unangenehm oder sogar schmerzhaft erlebte Erfahrung in der Zukunft vermieden wird. Mehr als einmal, vielleicht zweimal, fasst kaum ein Kind nochmal auf die heiße Herdplatte. Das wird sofort abgespeichert und sorgt künftig für manchmal auch unbewusste Schutzstrategien: ein Blick auf rote Warnlampen, Fühlen der Wärme aus der Distanz, kochender Topfinhalt – wir stellen Rückschlüsse her und sorgen mit kreativen Verknüpfungen dafür, dass wir uns nicht verbrennen oder verbrühen. Vor allem kochen wir weiterhin, weil wir uns sicher genug fühlen, die Gefahren der Herdplatten einschätzen und mit ihnen und auch ihren Folgen umgehen zu können.

Ein anderes Lernprogramm funktioniert nicht über Schmerz und Vermeidung, sondern über Glücks- und Lustgefühle. Unser sogenanntes Belohnungszentrum speichert ab, was sich gut anfühlt. Und lässt uns manchmal sogar sehr dringlich wissen, dass diese Erfahrungen bitte doch wiederholt werden sollen. Eine befriedigende sexuelle Erfahrung sagt: Bitte gleich noch einmal! Eine schmerzhafte hingegen kann dazu führen, dass Intimität lange Zeit als unerträglich erlebt wird.

Alle können sich ändern, wenn sie wollen – und sie wollen, wenn es sich lohnt

Aber das ist ja dann kontraproduktiv?

In der Liebe sind Zurückweisungen, Trennungen, schmerzhafte Konflikte ebenfalls Auslöser für unser Lernprogramm und entsprechende Schutzstrategien. Einige davon machen BeziehungsexpertInnen, andere wiederum sorgen dafür, dass die Verletzten nie wieder eine Küche betreten, um beim obigen Beispiel zu bleiben. Wenn ich mit Paaren arbeite, dann geht es meistens darum, dass die erlernten Schutzstrategien die Liebe sabotieren. Wir versuchen dann, etwas Neues auszuprobieren und zu lernen, damit aus den PartnerInnen ExpertInnen und MeisterköchInnen werden. Denn dann macht auch das Kochen und das Essen viel mehr Freude.

Was ist ausschlaggebend, ob wir uns ändern?

PartnerInnen ändern sich, wenn sie das wollen. Und sie wollen dann eine Veränderung, wenn sie erleben, dass sich die Veränderung lohnt. In Beziehungen kann es sein, dass Rituale plötzlich Sicherheit und Geborgenheit geben, wo zuvor Zweifel und Misstrauen herrschten. Oder dass eine freundliche, zugewandte Kommunikation im Alltag dazu führt, dass Konflikte nicht mehr eskalieren und Verhandlungen ebenso respektvoll und verständnisvoll geführt werden wie die Gespräche sonst.

Solche Werkzeuge lassen sich in die nächste Beziehung hinüberretten. Allerdings gehen Menschen meist dann neue Beziehungen ein, wenn die vorherige gescheitert ist. Es werden also vor allem negative und schmerzhafte Situationen dafür sorgen, dass diese künftig vermieden werden sollen. Um jetzt tatsächlich zu lernen, wäre notwendig zu überprüfen: Was war schlecht? Und warum? Was lief gut? Und warum? Das ist nach meiner Erfahrung eben kein Selbstläufer. Aus verschiedenen Gründen.

ANZEIGE: Jeder kann Liebe lernen! Hier finden Sie alle Online-Kurse sowie Tests für Paare und Singles der Modern Love School rund um Partnersuche, Beziehung und Liebeskummer.

Vier Ansätze, die Sie vor einer neuen Beziehung beherzigen sollten

Was sind das für welche?

  • Mit jedem Partner gibt es eine andere, neue Paar-Dynamik

Zur Dynamik gehören immer zwei. Selbst wenn Sie natürlich sich und Ihre Anteile daran mitnehmen in eine neue Partnerschaft: Die andere Person wird weder exakt wie Sie sein noch wie Ihr:e Ex. Sie müssen also Ihre Strategien testen.

  • Was mit einem Partner super lief, kann grässlich scheitern mit dem nächsten

Vielleicht war das tägliche Gespräch: "Wie war dein Tag, was hat dich am meisten bewegt?", ein tolles Ritual Ihrer vergangenen Beziehung. Allerdings ist Ihr neuer Partner jemand, der erst einmal Energie tanken muss, in dem er sich zurückziehen kann, bevor er kommunikativ wird – und sie prallen nun jeden Abend aufeinander.

  • Was mit einem Partner nicht funktionierte, funktioniert auch meist nicht mit den nächsten

Ist es Ihr Ding, eher fordernd zu sein und Aufmerksamkeit zu benötigen, dann haben Sie vielleicht erlebt, dass es wenig bringt, jemanden zu bedrängen, weil der sich eher weiter zurückzieht. Ist die neue Person an Ihrer Seite eine, die Konflikte vermeidet, dann wird es auch bei ihr erfolglos sein, dass Sie sich noch mehr Mühe geben, gehört zu werden. Statt noch mehr von der alten, erfolglosen Strategie benötigen Sie eine ganz neue.

  • Vermeiden funktioniert nur kurzfristig, langfristig verhindert es jedes Beziehungsglück

Wenn ihr Vertrauen missbraucht wurde, können Sie natürlich darauf verzichten, Ihrem:r neuen PartnerIn zu vertrauen, damit Sie nicht verletzt werden. Sie verzichten damit aber auch auf die Nähe, die eine Liebesbeziehung tatsächlich ausmacht.

Alte Fehler vermeiden: Das gelingt dann, wenn Sie sich das zutrauen

Was also ist die wichtigste Erkenntnis für die neue Beziehung, um alte Fehler zu vermeiden?

Neues zu lernen und auszuprobieren ist letztlich immer der bessere Weg als die beiden anderen Möglichkeiten: zum einen erfolglose Strategien verstärkt zu wiederholen, zum anderen alles soweit wie möglich zu vermeiden, was einmal geschmerzt hat. Denn die wichtigsten Lerneinheiten aus Beziehungen sind: Sie können heilen, Sie können neue Liebe finden, Sie können neue Bindungen eingehen.

Wenn Sie auch noch einige erprobte Werkzeuge, beispielsweise aus der Paarkommunikation, mitbringen und Ihrem:r neuen PartnerIn vorstellen, ist das gewiss ein Gewinn. Ein gewaltiger Verlust jedoch wäre die Überzeugung, Sie könnten nie wieder vertrauen, Sie würden immer ausgenutzt werden und Sie müssten sich Liebe verdienen, weil Sie nicht wertvoll oder gut genug seien. Es ist letztlich Ihre Überzeugung, ob Sie sich selbst vertrauen können, zu heilen und neues Glück zu finden. Um auf das Beispiel mit der Herdplatte ein letztes Mal zurückzukommen: Sie können natürlich die Küche künftig meiden und nur noch Ihr Essen liefern lassen. Es wird aber langfristig niemals so befriedigend sein wie es sein würde, wenn Sie gelernt hätten, immer neue Lieblingsgerichte selbst zu kochen.

➔ Mehr Infos zu unserem Experten Eric Hegmann finden Sie hier, und hier geht's zur Modern Love School. Dort finden Sie auch passende Online-Kurse zum hier besprochenen Thema.

Beziehungsprobleme lösen
Beziehungsprobleme lösen

Schon gewusst? Träume sind wichtig für ein Paar, damit die Partnerschaft hält. Apropos: Wussten Sie, dass sich die Dauer einer Beziehung tatsächlich voraussagen lässt? Zumindest ein gutes Stück weit, heißt es in einer Studie.

Weitere interessante Artikel rund um die Partnerschaft finden Sie auf unserer Themenseite Beziehungstipps.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe