Aktualisiert: 13.06.2021 - 22:14

Freunde bleiben, geht das? Glücklich geschieden: Melanie und Jörg haben es geschafft

Von Jana Henschel

Können heute zusammen lachen, statt zu streiten. Melanie Altaner und Jörg Röhrig verstehen sich besser denn je.

Foto: Henning Scheffen

Können heute zusammen lachen, statt zu streiten. Melanie Altaner und Jörg Röhrig verstehen sich besser denn je.

Kein Rosenkrieg, keine dreckige Wäsche. Als Melanie und Jörg sich trennten, beschlossen sie: "Wir schaffen das friedlich – für unseren Sohn." Glücklich geschieden: Dieses Ex-Paar hat es hingekriegt.

Kann ein ehemaliges Paar befreundet bleiben – zumal, wenn ein Kind im Spiel ist? Funktioniert es, sich ohne Streit zu trennen? Glücklich geschieden: keine bloße Floskel? Nein! Manche kriegen es hin! Als Jörg hört, dass BILD der FRAU über eine "gelungene" Trennung berichten möchte, um damit vielleicht anderen Krisenpaaren zu helfen – ruft er sofort seine Ex an: "Melli, da machen wir mit. Wenn sich da jemand auskennt, dann doch wir."

Glücklich geschieden: Melanie und Jörg erzählen, wie's geht

Das glauben wir sofort, als wir die beiden kurz darauf zum Foto-Shooting in Hannover treffen. Sie nehmen sich an die Hand, sie knuffen sich in die Seite, sie klatschen sich ab wie nach einem erfolgreichen Spiel: Melanie Altaner (37) und Jörg Röhrig (53) waren mal verheiratet. Und sind heute Freunde. Die Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin und der DJ schafften, was wenige schaffen: eine "gute" Trennung.

Vor 15 Jahren haben sie sich im Fitness-Studio kennengelernt. Sie ist damals zarte 23, er 36. Melanie: "Mir gefielen seine blauen Augen, sein Auftreten, seine Beschützerart." Jörg lacht. "Sie hat mir ihre Handynummer zugesteckt."

Wenige Monate später zieht Melanie schon bei ihm ein. Jörg: "Ich war so happy. Sie war die Frau meines Lebens." 2007 wird Fabian geboren. Jörg schwärmt. "Es war einfach nur toll. Ein Kind hatte ich mir immer gewünscht." Am 8.8.2008 feiern sie Schnapszahl-Hochzeit. "Mit Standesamt, Kirche, weißer Schleppe und einer Party mit 100 Leuten. Wir hatten die rosa Brille auf, dachten, nichts kann uns trennen."

Irgendwann war klar: Die Ehe lässt sich nicht mehr retten

Zehn Wochen nach der Geburt arbeitet Melanie wieder in Vollzeit. Jörg legt als DJ am Wochenende auf, ist nur unterwegs und bis in die Nacht weg. "Und ich saß mit dem Kind allein zu Hause. Keine Familienausflüge, keine Zeit zum Reden. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich wurde zickig." Jörg nervt ihre Erwartungshaltung: "Es war doch mein Job. Ich wollte mir von ihr nicht sagen lassen, wie ich zu leben habe.".

Streit folgt auf Streit. Die Wunden werden tiefer. Melanie: "Irgendwann mussten wir bitter erkennen, dass unsere Liebe sich in Luft aufgelöst hatte. Dass es zwischen uns einfach nicht mehr passte, dass sich unsere Ehe nicht mehr reparieren ließ. Wir beschlossen, uns zu trennen."

Aber sie wollen im Guten auseinandergehen – für Fabian. Dafür treffen sie klare Absprachen. Jörg zahlt Alimente, betreut Fabian alle 14 Tage oder, wenn Melanie Spätschicht hat. Sie sehen sich zu Geburtstagen, Zeugnissen, Weihnachten. Als Melanie auszieht, lässt sie ihm alles da: "Ich wollte keinen Streit." Jörg: "Das habe ich ihr hoch angerechnet, ich hatte keine Zeit, mich neu einzurichten." Im Jahr darauf die Scheidung.

Beide halten sich an ihre Absprachen, überwinden anfängliche Reibereien immer wieder neu – durch Reden. Das Ex-Paar lernt, aufeinander zuzugehen. Melanie: "Er kam uns regelmäßig besuchen. Wir konnten uns aufeinander verlassen." Als sie Probleme mit ihrem Chef hat, holt er ihren Aufhebungsvertrag ab. Als er schlimmen Liebeskummer hat, hört sie zu.

Trennung ohne Rosenkrieg: Die beiden sind stolz darauf

Stück für Stück wird aus der kaputten Liebe eine tiefe Freundschaft. Heute telefonieren sie einmal im Monat, halten sich per WhatsApp auf dem Laufenden. Und sind stolz, es ohne Rosenkrieg geschafft zu haben. Das Geheimrezept? "Es gibt keine Verletzungen mehr, alles ist besprochen. Darum können wir ganz entspannt miteinander umgehen."

Melanie ist sicher: "Manchmal muss man im Leben Umwege machen, um anzukommen." Beide haben inzwischen auch neues Liebesglück gefunden: Melanie mit Phillip (32), der Familienausflüge liebt. Und Jörg mit Ariane (49), die ihm Freiraum lässt oder einfach mitfährt, wenn er Musik auflegt.

Bald will Melanie die zwei mal zum Grillen einladen. "Die Männer mögen sich und Ariane scheint nett zu sein." Respekt! Das klingt wirklich nach "Trennen für Fortgeschrittene".

Melanie & Jörg: Unsere 5 Guttrennen-Regeln

  1. Wir haben das Wohl des Kindes bei allen Entscheidungen an erste Stelle gesetzt, die Besuchszeiten klar geregelt.
  2. Wir haben viel und sehr ehrlich geredet, wenn sich für einen etwas doof anfühlte.
  3. Wir haben das Besprochene auch umgesetzt.
  4. Wir blieben füreinander da, wenn einer Hilfe brauchte.
  5. Wir reden uns nie in unsere neuen Beziehungen rein.

Wie bleibt es friedlich? Das sagt die Expertin

Die Hamburger Dipl.-Psychologin Micaela Peter (52) berät seit 20 Jahren Paare.

BILD der FRAU: Was hilft dabei, sich wirklich friedlich zu trennen?

Micaela Peter: Sich auf das zu fokussieren, was man aneinander auch nach dem Verlust der Mann-Frau-Beziehung mag. Sagen Sie, wofür Sie dem anderen dankbar sind, was Sie am Miteinander aufrechterhalten, welche negativen Dinge Sie hinter sich lassen wollen.

Was, wenn Rosenkrieg tobt?

Man kann eine Vertrauensperson bitten, ein Gespräch zur Deeskalation zu moderieren. Diese erfragt vorher einzeln bei beiden Partnern Bedürfnisse und Wünsche, sorgt für Ruhe beim Reden. Ich rate auch immer zur Trennungsberatung. Ein Coach kann in ein bis zwei Sitzungen viele Tipps geben.

Nehmen Kinder immer Schaden bei einer Scheidung?

Nein, das muss nicht sein. Ein Kind passt sich schnell an, wenn beide Elternteile wohlwollend übereinander sprechen, es in keinen Loyalitätskonflikt gerät. Gut sind gemeinsame Familientage oder Aktivitäten. Laut Studien sind Scheidungskinder später in eigenen Beziehungen sogar achtsamer und beharrlicher.

Bedeutet eine Trennung, dass man gescheitert ist?

Keineswegs. Menschen verändern sich, es ist richtig, auseinanderzugehen, wenn es nicht mehr passt.

"Ich hätte es kommen sehen müssen ..." Leider wissen viele oft erst im Nachhinein, weshalb ihre Beziehung in die Brüche ging. Dabei waren die Warnsignale vorhanden. Eine Umfrage zeigt jetzt auf, welche das sind.

Soll ich mich trennen? Kaum jemand hat über diese Frage nicht schon nachgedacht. Doch woher weiß man, ob die Beziehung noch einen Sinn hat? Was bei der Entscheidung helfen kann, erklärt unser Experte.

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