Aktualisiert: 25.03.2021 - 21:27

Verbale Übergriffe stoppen Sexuelle Belästigung: So wehren sich Frauen gegen Catcalling

In der spanischen Stadt Zamora hängt schon ein Schild, das Catcalling (im Spanischen "Piropo") auf offener Straße verbietet. Jetzt wehren sich auch bei uns immer mehr Frauen gegen diese verbale sexuelle Belästigung.

Foto: IMAGO / Agencia EFE

In der spanischen Stadt Zamora hängt schon ein Schild, das Catcalling (im Spanischen "Piropo") auf offener Straße verbietet. Jetzt wehren sich auch bei uns immer mehr Frauen gegen diese verbale sexuelle Belästigung.

Viel zu häufig müssen sich Frauen verbale Übergriffe von Männern gefallen lassen, die von denen als harmlose Anmache abgetan werden. Jetzt wehren sich einige gegen das sogenannte Catcalling.

Finden Sie es schön, wenn Ihnen jemand "geiler Hintern" zuruft? Freuen Sie sich darüber, "Hammertitten" hinterhergebrüllt zu bekommen? Wie so ziemlich jede Frau empfinden Sie das vermutlich als vulgär, anmaßend – und vor allen Dingen als sexuelle Belästigung. Catcalling wird diese Form von verbalen Übergriffen genannt. Immer mehr Frauen wehren sich dagegen.

Catcalling: Frauen wehren sich gegen diese sexuelle Belästigung

Catcalling fällt mitunter natürlich noch viel derber aus – jede Frau kann sich vermutlich vorstellen, was da noch alles weit, weit unter der Gürtellinie möglich ist. Doch um den Widerlichkeitsgrad geht es nicht: Jede Form von verbaler sexueller Belästigung ist absolut nicht in Ordnung, auch wenn Männer sie gerne mal mit einem "das war doch nur ein Kompliment" verharmlosen.

Keine Frau muss sich so etwas gefallen lassen. Das findet auch Antonia Quell – deswegen hat die Studentin Ende 2020 eine Online-Petition ins Leben gerufen, in der sie die Bundesregierung auffordert, Catcalling unter Strafe zu stellen. In anderen Ländern ist das bereits der Fall, etwa in Frankreich, Belgien, Portugal und den Niederlanden. "Verbale sexuelle Belästigungen hat es schon immer gegeben", sagt Antonia Quell dem Hamburger Abendblatt gegenüber. Auch sie selbst sei schon einige Male von aggressiven oder betrunkenen Männern durch Catcalling belästigt worden, sagt sie: "Ich glaube aber, dass das Problem zunimmt. Die Gesellschaft wird insgesamt anonymer und die Hemmschwellen sinken."

Catcalling mit Kreide auf der Straße festhalten

2016 startete eine New Yorker Studentin eine Bewegung, die bis heute in etwa 150 Städten weltweit Nachahmer*innen gefunden hat: Sie und ihre Mitstreiter*innen gehen mit Kreide gegen verbale sexuelle Belästigung vor. Sprüche von Catcalling-Opfern, die ihnen zugeschickt werden, halten sie auf dem Asphalt fest – damit alle sie lesen können! In zahlreichen deutschen Städten haben sich solche Anti-Catcalling-Bewegungen schon gegründet.

Auch die Lüneburgerin Resa setzt sich gegen Catcalling ein: In ihrer Heimatstadt geht die Aktivistin "ankreiden", wie sie es nennt. "Triggerwarnung: Sexuelle Belästigung" schreibt sie auf Gehwege oder Straßen – und lässt nach dem New Yorker Vorbild einen der Sprüche folgen, den ihr Betroffene aus Lüneburg zuvor geschickt haben. Auch sie verfolgt mit der Aktion wie alle anderen auch das eine Ziel: auf Catcalling aufmerksam zu machen, wie oft und wie viele Frauen diesen Übergriffen tagtäglich ausgesetzt sind. Und: nicht wegzuschauen, sondern dagegen anzugehen. Je mehr, desto besser!

Sechs Tipps, wie Frauen am besten mit Catcalling umgehen

Die Webseite Zeitjung hat ein paar Empfehlungen, wie Frauen auf plötzliches Catcalling reagieren sollten:

  • Ignorieren: Für einen der Situation angemessen Spruch sind die meisten zu geschockt. Die belästigende Person zu ignorieren, ist ohnehin besser: Null Reaktion finden Angreifer meist enttäuschend.
  • Konfrontieren: Wer sich stark, mutig und sicher genug fühlt, kann durchaus aber auch etwas wie "Lassen Sie das sein!" sagen. Ein solcher Satz, laut und selbstsicher vorgetragen, schafft sofort Distanz zu der Person.
  • Ein Lied pfeifen: Was sich zunächst reichlich seltsam anhört, kann belästigten Personen aber eine Hilfe sein, wenn sie in einer solchen Situation ihre eigene Stimme hören.
  • Keine Fragen stellen: Unterdrücken Sie den Drang, der belästigenden Person etwas wie "Geht's eigentlich noch?" entgegenzupfeffern. Denn eine Frage impliziert eine Antwort, zu der sich das Gegenüber dann eingeladen fühlen könnte. Und unterhalten wollen Sie sich mit ihm vermutlich nicht...
  • Sich niemals die Schuld geben: Der Rock darf kurz, die Schuhe hoch, der Hintern knackig, der Busen wogend sein: Es ist Ihre Entscheidung, die niemandem das Recht gibt, Sie deshalb in Form von Catcalling zu belästigen!
  • Ein Ventil finden: Das klappt natürlich nicht immer – vor allem das, was Noa Jansma gemacht hat: Die Niederländerin hat zusammen mit Catcallern ein Selfie gemacht und es auf Instagram hochgeladen. Kann man ihnen besser den Wind aus den Segeln nehmen?

Gut gemeint, aber ist das wirklich sinnvoll? Um die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs schriftlich festzuhalten, sollen Menschen über die App IConsent so etwas wie einen Sex-Vertrag abschließen können.

Auch Dating-Apps machen es weiblichen Mitgliedern nicht immer leicht: Zu häufig werden Frauen in Form von Body-Shaming und Diskriminierung angegriffen. Bumble sagt Stop – in Form von dieser Methode!

Warum sind manche Frauen von "Bad Guys" so angetan? Warum üben Verbrecher eine solche Faszination auf sie aus? Ein Beziehungsexperte erklärt, woran das liegt.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe