17.03.2021 - 16:46

Empörung auch in der katholischen Kirche Vatikan sagt "Nein" zur Segnung homosexueller Paare

Ob Jesus mit der Entscheidung des Vatikans, homosexuellen Paaren den Segen zu verwehren, einverstanden wäre? Immerhin heißt es in der Bibel "vor Gott sind alle Menschen gleich" (Römer 2,11).

Foto: IMAGO / Eastnews

Ob Jesus mit der Entscheidung des Vatikans, homosexuellen Paaren den Segen zu verwehren, einverstanden wäre? Immerhin heißt es in der Bibel "vor Gott sind alle Menschen gleich" (Römer 2,11).

Kaum zu glauben, aber leider wahr: Der Vatikan hat jetzt entschieden, dass die katholische Kirche weiterhin keine gleichgeschlechtlichen Paare segnen wird. Das sorgt für einen Aufschrei: bei Betroffenen, Gläubigen, Promis und Vertretern der Kirche.

"Die Kirche hat nicht die Befugnis, gleichgeschlechtlichen Verbindungen den Segen zu erteilen. Eine Segnung homosexueller Paare könne daher als 'unerlaubt' betrachtet werden" – so ganz aktuell nachzulesen auf der Webseite Vatikan-News. Sehr schade! Diese absolut unzeitgemäße Entscheidung des Heiligen Stuhls können nicht nur direkt Betroffene kaum glauben – auch Gläubige, Vertreter der katholischen Kirche und viele Promis lassen ihrem Ärger freien Lauf.

Vatikan: keine Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche

Die Glaubenskongregation mit dem Einverständnis von Papst Franziskus hat also gesprochen, wie der Vatikan bekanntgab. Es bleibt dabei: Priestern ist es nicht erlaubt, gleichgeschlechtliche Paare als eine Art religiöse Anerkennung ihrer Vereinigung zu segnen. In der Erklärung ist festgehalten, dass damit aber kein Urteil über homosexuelle Personen gefällt würde – vielmehr sei ihnen "mit Achtung, Mitgefühl und Takt" zu begegnen, ohne "jedes Zeichen ungerechter Diskriminierung".

Keine Anerkennung schwuler oder lesbischer Paare durch die Kirche – und das im Jahr 2021. Nachvollziehbar, dass alle die, die durch diese Entscheidung persönlich betroffen sind, sie für absolut falsch halten. Doch sie sind bei weitem nicht die einzigen...

Viel Kritik katholischer Würdenträger

Aus den Reihen der katholischen Kirche hagelt es Kritik! Die Theologen Stephan Goertz und Magnus Striet erklären auf der Webseite katholisch.de, warum der Vatikan mit der Ansicht, jede sexuelle Praxis außerhalb der Ehe von Mann und Frau sei sittlich zu verurteilen, nicht "mit Gehorsam rechnen können" wird, wie sie sagen. Denn der Kirche fehle es am Willen, diese Einstellung zu ändern: "Dann müsste man diesen Willen wohl ausführlicher begründen, statt nur zu behaupten, Homosexualität sei ursprünglich von Gott nicht gewollt, wie es Benedikt XVI. einmal ausgedrückt hat. Die Glaubenskongregation scheint sich sehr sicher zu sein, den Willen Gottes zu kennen", lauten die offenen Worte der beiden. Und: "Dass es, wie die Humanwissenschaften seit langem zeigen, ein Spektrum von sexuellen Orientierungen gibt, ignoriert das Schreiben der Kongregation."

Neben vielen Laienorganisationen und Würdenträgern reagiert auch die "katholische Arbeitnehmerbewegung" im Bistum Trier fassungslos, wie der SWR berichtet. Sie erklärt, die Katholische Kirche habe sich damit wieder schweren Schaden zugefügt. Es sei unchristlich und diskriminierend, homosexuelle Menschen als defizitär zu betrachten.

Viele Beispiele könnten hier noch aufgeführt werden. Tobias Schäfer, Probst am altehrwürdigen Dom zu Worms, hat es sich sogar nicht nehmen lassen, eine Art Protestvideo auf Facebook online zu stellen, in dem er keinen Hehl daraus macht, was er von der Vatikan'schen Entscheidung hält, nämlich gar nichts:

Auch Promis ärgern sich über die Entscheidung

Gut, wenn auch prominente Menschen ihren Bekannheitsgrad dazu nutzen, um ihrem Ärger über derlei Entscheidungen freien Lauf zu lassen. So wettert Sir Elton John auf Twitter: "Wie kann der Vatikan homosexuellen Partnerschaften den Segen verweigern, weil sie 'Sünde' sind, und gleichzeitig Profit in Millionenhöhe aus Investitionen in 'Rocketman' schlagen – ein Film, der meine glückliche Ehe mit David zelebriert?" Seinen Worten fügt der Sänger Screenshots zweier Medienberichte zu, in denen es heißt, der Vatikan habe den Streifen in Form von Investmentfonds mitfinanziert.

Carolin Kebekus ist ebenfalls sauer: "In dieser Entscheidung offenbart sich erneut die mannigfaltige Menschenfeindlichkeit der katholischen Kirche", äußert sich die Komikerin gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Und weiter: "Hier werden Motorräder und Tiere und letztes Jahr sogar ein Gitter vor dem Kölner Dom gesegnet. Aber homosexuelle Menschen nicht. Ein Armutszeugnis."

Und Olivia Jones schreibt auf Instagram unter anderem: "Unsern Segen habt Ihr, liebe gleichgeschlechtliche Paare. Die #OliviaJonesFamily gibt Euch sogar den HÖCHSTEN SEGEN! Und vor allem: Wir werden weiter dafür kämpfen, dass Euch auch andere ihren Segen nicht länger verweigern!"

Übrigens: Segnungen einzelnen Personen mit homosexueller Neigung können unter Umständen gespendet werden, wenn sie "den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben", heißt es am Ende der Erklärung der Glaubenskongregation noch. Bleibt zu hoffen, dass auch in den Reihen der katholischen Würdenträger genau hingesehen wird, wie es mit dieser Auffassung dort gehalten wird. Denn zum einen wissen wir mittlerweile von viel zu vielen Vorwürfen des meist homosexuellen Missbrauchs, die dort begangen wurden. Und zum anderen – wie steht es doch auch so schön in der Bibel: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." (Joh. 8,7)

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