Aktualisiert: 11.02.2021 - 20:15

Dänemark macht's vor Ich stimme zu: Sex-Einwilligung per App – ist das sinnvoll?

Über die App IConsent können Menschen einen Sex-Vertrag abschließen, indem sie die Einvernehmlichkeit ihres Geschlechtsverkehrs schriftlich festhalten. Ist das wirklich sinnvoll?

Foto: Getty Images / Fotografía de eLuVe

Über die App IConsent können Menschen einen Sex-Vertrag abschließen, indem sie die Einvernehmlichkeit ihres Geschlechtsverkehrs schriftlich festhalten. Ist das wirklich sinnvoll?

IConsent ist eine App, über die Menschen so etwas wie einen Sex-Vertrag abschließen können, um die Einvernehmlichkeit des Geschlechtsverkehrs schriftlich festzuhalten. Aber ist das wirklich sinnvoll?

Viel zu oft werden auch heute noch vor allem Frauen Opfer sexueller Gewalt. Häufig heißt es von Seiten der Täter dann hinterher, das Ganze sei einvernehmlich gewesen. Um diesem schweren Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, gibt es jetzt die App iConsent, über die Frauen eine Art Sex-Vertrag für eine kurze Dauer abschließen können.

App iConsent: Sex-Vertrag für Frauen

Um es gleich vorweg zu sagen: iConsent wird momentan nur in Dänemark angewendet. Dort wurde nämlich das Sexualstrafrecht zum 17. Dezember 2020 verschärft: Eine ausdrückliche Zustimmung zum Geschlechtsverkehr ist seitdem Pflicht, alles andere wird im Zweifelsfall als Vergewaltigung gewertet. Dass schnell eine App auf den dänischen Markt kommt, die sich dieser neuen Situation annimmt, ist also kein Wunder – und hört sich zunächst auch sinnvoll an.

Die App funktioniert denkbar einfach: Über sie können sich zwei Menschen via Handynummer vernetzen und innerhalb von 30 Sekunden so etwas wie einen digitalen Vertrag abschließen – für jeweils einen Geschlechtsakt, mit einer Gültigkeit von 24 Stunden und der Möglichkeit, jederzeit widerrufen zu können. Auf diese Weise sollen beide Seiten unmissverständlich ihr Einverständnis geben – der Nachweis kann aber auch als Beweismittel dienen, denn iConsent speichert diese Verträge in verschlüsselter Form, so dass sie dafür im Zweifelsfall herangezogen werden können.

Das sagen Experten über iConsent

Ist das ein zukunftsträchtiges Modell, das auch auf alle möglichen anderen Länder übertragbar sein könnte? Von praktisch allen Seiten hagelt es Kritik, Experten sind sehr skeptisch. So bemängelt Lene Stavngaard, Vorsitzende des Dänischen Verbandes für Familienplanung (DFPA), dem Sender "dr.dk" ggenüber, die App sei "definitiv nicht die Lösung, um eine Einwilligung zu erhalten", da es bei einer sexuellen Beziehung schließlich nicht um einen Vertrag gehe. Insofern liege sie ganz klar daneben, was die eigentlichen Bedürfnisse anbelange.

Der dänische Sexualmediziner Jesper Bay-Hansen pflichtet ihr bei: Andere sozusagen sexuell lesen können, sei eine Fähigkeit, derer wir uns berauben, wenn wir das eine App erledigen lassen. Er befürchtet auch eine Desexualisierung unseres Sexuallebens, vor allem aber sagt er: "Es ist auch wichtig zu verstehen, dass wir mitunter die Signale des anderen falsch lesen."

Rechtsanwälte wiederum warnen, eine Zustimmung zum Sex per App dürfte vor Gericht kaum Bestand haben. Der dänische Verteidiger Morten Bjerregaard fügt hinzu: "Die elektronische Zustimmung wird es nicht einfacher machen zu beweisen, dass man keine Vergewaltigung begangen hat."

Der dänische Verein "Hverdagssexisme" (übersetzt: alltäglicher Sexismus) hält die Zustimmungs-App gar für regelrecht gefährlich. Über Twitter warnt er: "Es erweckt den Eindruck eines Schutzes – aber was ist, wenn man die Zustimmung bereut, nicht mehr eingreifen und widerrufen kann?" Was, wenn es sich in eine Richtung entwickelt, die nicht gewollt ist, doch dieses "jetzt habe ich schriftlich zugestimmt" ist nicht mehr zu ändern? Und Lisbeth Jessen schließlich vom dänischen Verein gegen häusliche Gewalt "Danner" hält die App für einen "Traum für Gewalttäter": Frauen aus gewalttätigen Beziehungen seien oft gezwungen, solcherlei 'Verträge' zu unterschreiben. Die App hält sie für extrem schädlich.

Hier geht's zur dänischen Webseite iContent.

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