Aktualisiert: 17.01.2021 - 17:12

Liebeskummer inklusive Trennungsmonat? Warum es Beziehungen im Januar schwerer haben als sonst

Im Januar trennen sich erfahrungsgemäß mehr Paare als sonst. Ein Beziehungsexperte über den Trennungsmonat und seine Folgen.

Foto: Getty Images / Jamie Grill

Im Januar trennen sich erfahrungsgemäß mehr Paare als sonst. Ein Beziehungsexperte über den Trennungsmonat und seine Folgen.

Der Januar gilt als Trennungsmonat: Beziehungen drohen dann besonders häufig zu zerbrechen – oder stehen zumindest kurz davor. Warum das so ist, wie Paare damit umgehen sollten.

Neues Jahr, neues Glück? Für viele scheint das tatsächlich eine Art Vorsatz zu sein, was die Beziehung betrifft, denn im Januar trennen sich erfahrungsgemäß mehr Paare als sonst. Das kennt auch Eric Hegmann in seiner Eigenschaft als Paarberater und Parship-Coach. Der Beziehungsexperte, der in seiner Modern Love School Online-Kurse rund um Beziehungsthemen anbietet, spricht im Interview mit BILD der FRAU über den Trennungsmonat Januar, warum Partnerschaften dann häufiger zerbrechen oder zumindest kurz davorstehen – und wie Betroffene damit umgehen sollten.

Trennungsmonat Januar – Interview mit einem Beziehungsexperten

BILD der FRAU: Warum trennen sich im Januar mehr Paare als sonst?

Eric Hegmann: Statistisch werden zu Beginn des Jahres mehr Trennungen gezählt, ebenso verzeichnen PaartherapeutInnen mehr Nachfragen von Paaren, die Unterstützung suchen, und das Bedürfnis nach Hilfe bei der Bewältigung von Liebeskummer ist größer als in anderen Monaten.

Es sind nach meiner Erfahrung aber meist weniger akute Krisen oder eskalierende Konflikte, die bei vielen Paare im Januar zu Trennungen führen, als vielmehr das Bedürfnis, das neue Jahr mit Veränderungen zu beginnen. Viele fragen sich zum Jahreswechsel: "Will ich so weitermachen wie bisher? Oder möchte ich etwas verändern?" Neujahrsvorsätze beziehen sich nicht nur auf Sport, Diät oder gesunde Ernährung. Auch eine allgemeine Unzufriedenheit wird manchmal auf den Partner projiziert, also ihm oder ihr die Schuld dafür zugewiesen – ob berechtigt oder nicht, sollte allerdings geprüft werden.

Der Partner ist nicht dafür verantwortlich, ob man glücklich ist

Trennen oder nicht: Was kann bei der Entscheidungsfindung helfen?

Im Gespräch stelle ich häufig die Frage: "Wenn Sie sich vorstellen, es ist ein Jahr später, wir sitzen hier zusammen, nichts hat sich verändert. Was macht dieser Gedanke mit Ihnen?" Nicht selten erhalte ich die Antwort: "Das wäre furchtbar. Ich hätte ein ganzes Jahr verschwendet." Auch diese Antwort muss noch nicht bedeuten, dass eine Trennung unabwendbar wäre – ein sehr deutliches Warnsignal ist sie aber auf jeden Fall.

Ich empfehle eine Abwägung jener Aspekte der Beziehung, die einem guttun und jener, die einen unglücklich machen. Danach sollte aber noch eine Überprüfung erfolgen, wer daran welche Anteile hat – dabei muss ehrlich der Blick auf die eigenen geworfen werden. Der Partner ist ja nicht dafür da, einen glücklich zu machen, ebenso wenig wie er der Grund sein sollte für schwierige und schmerzhafte Situationen. Wichtig sind etwa Fragen zur Beziehungszufriedenheit, zur gemeinsamen Perspektive und der gelebten und geschaffenen Werte, also eine Art Beziehungs-Anamnese. Vorschnelle Entscheidungen werden leider eben auch häufig in Rahmen der guten Vorsätze gemacht.

Ob die Beziehung noch einen Sinn hat, finden Sie auch hier heraus.

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Ohne Optimismus und den Glauben an eine gemeinsame Zukunft geht es nicht

Was können Paare tun, um ihre Beziehung zu festigen?

So schwer es fällt: diese Gedanken der Zweifel anzusprechen. Das muss sein, auch wenn es schmerzhaft wird. Denn wenn einem Partner dauerhaft der Optimismus abhandenkommt, dass man miteinander auch in zehn Jahren noch eine gute Zeit verbringen würde, nimmt die Bereitschaft stetig ab, in die Liebe zu investieren. Gleichzeit festigt das Wissen über gemeinsam gemeisterte Krisen die Verbindung. Ohne Moderation eines Außenstehenden kann es leicht passieren, dass ein solches Gespräch tatsächlich eskaliert. Wer den Eindruck hat, dass er alleine mit dem Partner in eine negative Dynamik geraten könnte, dem empfehle ich professionelle Unterstützung dabei.

Wenn es zur Trennung kommt: Vollziehen Frauen oder Männer sie eher?

Frauen ziehen häufiger einen Schlussstrich. Nach einer Parship-Studie haben sich bei knapp 48 Prozent der Trennungen die Frauen entschieden – und nur bei 28 Prozent die Männer. Jedes vierte Paar trennt sich allerdings in gegenseitigem Einvernehmen.

Wie geht es weiter nach einer Trennung?

Der Januar ist nicht nur DER Trennungsmonat des Jahres, sondern auch der Monat des Liebeskummers. Und nicht nur die Verlassenen müssen ein Beziehungsaus verarbeiten – auch diejenigen, die die Trennung initiiert haben, müssen mit der neuen Situation erst einmal zurechtkommen. Liebeskummer ist ja auch ein Entzug. Einerseits von gewohnten Ritualen, Berührungen und Gesprächen, aber auch biochemisch, es fehlen nämlich die sogenannten Bindungs- und Kuschelhormone wie bspw. Oxytocin.

Trennungen und Liebeskummer sind auch psychologisch massive Veränderungen, die zu Anpassungsstörungen und depressiven Phasen führen können. Ich warne davor, Liebeskummer zu leicht zu nehmen – häufig zeigen sich erst mittelfristig Symptome, wenn die Trauer und der Verlust einfach verdrängt werden.

Viele nehmen Liebeskummer nicht ernst genug

Wie lässt sich Liebeskummer überwinden?

Verlassen werden und Verlust gehören wohl zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die Menschen machen können. Und dabei ist häufig egal, ob man verlassen hat oder verlassen wurde. Der Wunsch nach Bindung ist uns als sozialen Menschen sozusagen einprogrammiert, bereits die Furcht vor Trennung sorgt für diverse Schutzstrategien, wie sich letztlich in jeder Beziehungskrise oder in jedem heftigen Beziehungsstreit zeigt. Wer Angst verspürt, reagiert mit Flucht, Angriff oder Starre, das gilt für Gefahrensituationen ebenso wie für die Furcht, den geliebten Partner zu verlieren.

Deshalb ist so wichtig, Liebeskummer ernst zu nehmen, denn nicht verarbeitete Ängste verhindern und blockieren im schlimmsten Fall eine neue Beziehung: Die Sorge, erneut verletzt werden zu können, kann unbewusst zu bindungsängstlichen Verhaltensweisen führen, beispielsweise die Überzeugung, dass man niemandem mehr vertrauen könne oder Nähe nicht mehr zulassen kann, weil diese verletzlich macht. Auch überstürzt eingegangene Abenteuer zur Ablenkung helfen bei Trennungsschmerz nur kurzfristig – und schon gar nicht Betäubung durch Alkohol.

Ich empfehle nach einer Trennung deshalb grundsätzlich die Verarbeitung des Liebeskummers auf professionelle Art. Beispielsweise mit eine*r Psycholog*in oder Psychotherapeut*in oder mit einem wissenschaftlich fundierten Online-Kurs. Der Liebeskummer vergeht dadurch auch nicht sofort, aber eben meist schneller – und vor allem hilft es, in der Zukunft eine neue Beziehung eingehen zu können, die nicht alte Konflikte wiederholt.

➔ Mehr Infos zu unserem Experten Eric Hegmann finden Sie hier, und hier geht's zur Modern Love School. Dort finden Sie auch passende Online-Kurse zum Thema, zum Beispiel "gehen oder bleiben? Woran man erkennen kann, ob eine Beziehung am Ende ist" – oder "Liebeskummer in 6 Schritten überwinden", ein Programm, um abschließen und neu starten zu können.

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Es ist ja momentan nicht nur der Januar, der viele plagt: Auch das Coronavirus trägt zur Unzufriedenheit in der Zweisamkeit bei – es zwingt Partnerschaften in die "Paarantäne": Was die Pandemie mit Beziehungen macht, erläutert unser Beziehungsexperte ebenfalls.

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