Aktualisiert: 10.12.2020 - 21:18

Dauer der Partnerschaft spielt eine Rolle Beziehungstest Corona: Welche Paare die Krise eher meistern

Einen regelrechten Beziehungstest stellt die Corona-Krise für viele Paare dar. Doch während einige mehr streiten, finden andere neu zueinander. Was mit ein Grund dafür ist.

Foto: Getty Images / Justin Paget

Einen regelrechten Beziehungstest stellt die Corona-Krise für viele Paare dar. Doch während einige mehr streiten, finden andere neu zueinander. Was mit ein Grund dafür ist.

Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf die Partnerschaft. Doch während sich manche Paare viel mehr streiten und über eine Trennung nachdenken, kommen sich andere in ihrer Beziehung näher...

Dass die Corona-Pandemie Auswirkungen auf das Miteinander von Familien, Paaren, ja Wohngemeinschaften aller Art hat, liegt auf der Hand: Schließlich sind Menschen derzeit gezwungen, viel Zeit zu Hause zu verbringen – ob sie wollen oder nicht. Vor allem aber für Partnerschaften stellt Corona einen regelrechten Beziehungstest dar, denn die Person an unserer Seite muss emotionale Achterbahnfahrten am ehesten aushalten...

Beziehungstest Corona: Für manche Paare führt die Krise zur Krise...

Eine aktuelle, bevölkerungsrepräsentative Studie der Partnervermittlung Elitepartner, für die im Oktober und November knapp 2100 Menschen in Beziehungen befragt wurden, zeigt, dass sich jedes fünfte Paar durch Corona mehr gestritten hat (19 Prozent). Dabei sind es gerade die jüngeren Paare, denen die Krise mehr zu schaffen macht, was in Streitereien endet (32 Prozent bei den Unter-30-Jährigen). Rund jedes zehnte Paar unter 30 steht deshalb auch kurz davor, sich zu trennen (11 Prozent). Bezogen auf alle Paare liegt dieser Wert bei sechs Prozent.

Am schwierigsten kommen laut der Studie Paare miteinander aus, die schon etwas länger liiert sind, aber noch nicht lange genug, um auf eine wirklich stabile Basis bauen zu können: Unter den Paaren, die ernsthaft über eine Trennung nachdenken, waren die mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren mit zwölf Prozent am häufigsten vertreten.

Für Elitepartner-Psychologin Lisa Fischbach ist es die unfreiwillig intensive Nähe, die bei vielen Betroffenen Stress auslöst – "oder die Erkenntnis, dass hinter dem Team im Alltag nicht mehr viel anderes ist." So würden Zweifel an der Partnerschaft an ihnen nagen, die durchaus zur Trennung führen könnten.

... andere gehen daraus gestärkt hervor

Was für manche kaum zu ertragen ist, bedeutet für andere einen Zugewinn: Viel mehr Nähe und Zeit hat bei fast jedem zweiten Paar zu häufigeren und tiefgründigeren Gesprächen geführt (48 Prozent). Mehr als ein Viertel der Paare hat in den letzten Monaten neue gemeinsame Hobbys oder Rituale für die Beziehung entdeckt (28 Prozent). Und auch sexuell gesehen hat die Krise für einige Paare durchaus positive Auswirkungen: 18 Prozent landen häufiger im Bett.

Dabei können mit 37 Prozent gerade die jungen Paare mit einem aktiveren Liebesleben punkten. Sie sind es auch, die in den vergangenen Monaten am häufigsten zusammengezogen sind: Jedes vierte Paar unter 30 (24 Prozent) und jedes achte Paar in den Dreißigern (12 Prozent) hat diesen Schritt gewagt. Es sind eben vor allem jüngere und frischer liierte Paare, die die coronabedingten Veränderungen leichter schultern können. Allerdings sind sie auch anfälliger für negative Folgen.

Langzeitpaare haben am wenigsten Probleme mit der Krise: Nur 12 Prozent derer, die über 20 Jahre zusammen sind, haben sich häufiger gestritten, nur drei Prozent denken zumindest über eine Trennung nach. Psychologin Lisa Fischbach wundert das nicht: "Stabile Partnerschaften erkennen den Wert des Miteinanders und nutzen die gewonnene gemeinsame Zeit produktiv zur Verbesserung ihrer Beziehung – von intensiveren Gesprächen und mehr Sex bis hin zur Verlobung."

Einseitige Ängste und Sorgen können Beziehung belasten

Dass sich jüngere Paare trotz der Fähigkeit, mit der Krise lockerer umzugehen, mitunter auch schwerer mit negativen Begleiterscheinungen tun, bestätigt auch eine repräsentative Studie von Parship, die im Juni veröffentlicht wurde. 52 Prozent der befragten Paare sagten damals, sie würden ohne Probleme die Krise gemeinsam meistern können, ein Drittel jedoch, davon überwiegend junge Paare, äußerten Zweifel, ob ihre Beziehung die Herausforderung bestehen würde.

Für Paarberater und Parship-Coach Eric Hegmann spielt das Thema Angst und Sorge eine große Rolle in der Krise: "Wenn beide Partner ähnlich, also ähnlich entspannt oder besorgt, auf die Entwicklung schauen, ergänzen sie sich einfach. Ist einer aber ängstlicher als der andere, wird einer möglicherweise den Eindruck gewinnen: 'Mein Partner nimmt meine Ängste nicht ernst.' Damit wird eine der wichtigsten Fragen in einer Beziehung: 'Ist mein Partner für mich da, wenn ich ihn brauche?' mit Nein beantwortet. Das kann für Panik sorgen, denn zusätzlich zur Angst in Bezug auf Corona kommt noch die Angst vor dem Verlust der Bindung hinzu: 'Ich bin nicht wichtig für meinen Partner!'"

Früher, so der Beziehungsexperte, galt der Einkauf am Wochenende in einem Möbelhaus als ultimativer Beziehungstest. Das wirke aus heutiger Sicht eher lächerlich. Bedeutet die Corona-Zeit also unweigerlich das Aus für Paare, die (noch) nicht gefestigt oder krisenerfahren genug sind? Nein, so Eric Hegmann: "Ich bin überzeugt: Die meisten Paare müssen nur die richtige Art und Weise finden, füreinander da zu sein in dieser Krise, um festzustellen, dass sie ganz hervorragend zusammenpassen."

Beziehungsprobleme lösen
Beziehungsprobleme lösen

Noch mehr zum Thema In der "Paarantäne": Was Corona mit Beziehungen macht, lesen Sie hier. Bleiben Paare auch unabhängig von der Corona-Krise zusammen oder nicht? Gute Frage – doch die Dauer einer Beziehung lässt sich tatsächlich voraussagen. Zumindest ein gutes Stück weit, heißt es in einer Studie.

Eine weitere Studie hat außerdem untersucht, worauf es in der Partnerschaft wirklich ankommt. Lesen Sie auch, woran die meisten Beziehungen scheitern.

Weitere interessante Artikel rund um die Partnerschaft finden Sie auf unserer Themenseite Beziehungstipps.

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