Aktualisiert: 29.11.2020 - 21:28

Paar-Krise in der Pandemie Beziehungsstreit wegen Corona: Ist wirklich die andere Meinung des Partners schuld?

Was tun, wenn es wegen Corona zum Beziehungsstreit kommt? Was unser Beziehungsexperte rät, lesen Sie hier.

Foto: iStock.com/InnerVisionPRO

Was tun, wenn es wegen Corona zum Beziehungsstreit kommt? Was unser Beziehungsexperte rät, lesen Sie hier.

Aus der Corona-Krise kann ganz schnell eine Paar-Krise werden, wenn die Partner unterschiedlicher Meinung in Sachen Pandemie sind. Geht es in einem solchen Beziehungsstreit wirklich um die Sache?

Unter der Corona-Krise respektive dem damit verbundenen Lockdown haben alle zu leiden. Nicht zuletzt auch Paare, die unverhofft in der Regel jetzt deutlich mehr Zeit miteinander verbringen als sonst. Was für einige ein Segen ist, macht vielen anderen ziemlich zu schaffen: Das permanente Zusammensein, das Aufeinanderhocken führt auch zu reichlich Frust, Streitereien sind zunehmend an der Tagesordnung.

In Sachen Pandemie können Partner auch schnell mal unterschiedlicher Meinung sein. Was tun, wenn es wegen Corona zum Beziehungsstreit kommt? Eric Hegmann, Paarberater und Parship-Coach, hat in seiner Modern Love School, in der er auch Online-Kurse rund um Beziehungsthemen anbietet, häufig mit derlei Krisen in Partnerschaften zu tun. Im Interview mit BILD der FRAU spricht er darüber.

Streit wegen Corona: Wenn der Partner anderer Meinung ist – Interview mit einem Beziehungsexperten

BILD der FRAU: Unterscheiden sich Corona-Streitereien denn qualitativ von anderen, vom Inhaltlichen einmal abgesehen?

Eric Hegmann: Beziehungskonflikte drehen sich fast immer nur scheinbar um Sachthemen. Deshalb ermüdet es die Partner so sehr, immerzu dieselben Argumente auszutauschen und einander vorzuwerfen, diese nicht annehmen zu wollen.

Blickt man hinter die Kulissen, geht es jedoch um ganz tiefgründige und für die Beziehung essentielle emotionale Fragen:

  • Können wir trotz unterschiedlicher Haltungen eine Partnerschaft führen?
  • Liebst du mich wirklich, wenn du mir zuliebe nicht einlenkst?
  • Habe ich mich in dir getäuscht? Wie konnte ich nicht sehen, dass du so anders bist, als ich gedacht habe?
  • Hast du mich getäuscht und mir etwas vorgespielt?
  • Wirst du mich verlassen, weil ich anderer Meinung bin?

Wer sich die Zeit nimmt und die Tragweite dieser Befürchtungen betrachtet, erkennt rasch: Argumente können hier gar nicht weiterhelfen. Vielmehr muss die Strategie sein, einander zu versichern, dass man ein Team ist und gemeinsam eine Lösung suchen möchte für ein Problem, das beide Partner und ihre Beziehung betrifft.

Corona: Stellvertreter für die Schwierigkeiten einer Beziehung

Streitereien wegen Corona gehen aber ja vielleicht noch darüber hinaus, oder?

Der Umgang mit Corona verbirgt eine ganze Reihe an verborgenen Sorgen und Ängsten:

  • Bist du bereit dich einzuschränken, um mich zu schützen?
  • Bist du hilfsbereit und fürsorglich?
  • Kann ich mich auf dich verlassen?
  • Nimmst du meine Ängste ernst?
  • Können wir gemeinsam diese Krise durchstehen?
  • Stehst du mir bei oder wendest du dich von mir ab?
  • Sorgst du dich um deine Liebsten?
  • Übernimmst du Verantwortung?
  • Wem glaubst du?

Die Corona-Fragen sind gleichzeitig auch Beziehungsfragen, deshalb sind unterschiedliche Haltungen gleichzeitig Angriffe auf die Fundamente der Partnerschaft.

In Beziehungen wünschen sich Menschen einen Partner, der sie wahrnimmt, der sich um sie sorgt, der ihnen Sicherheit und Geborgenheit gibt, auf den sie sich verlassen können, zu dem sie sich in Momenten der Angst wenden können. Ein mit Angst besetztes Thema wie Corona wird so zum Testmodell für die schwierigen Fragen des Beziehungslebens.

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Im Streit mutiert der Partner zum Feind

Dann geht es also gar nicht um Corona, auch wenn darüber gestritten wird?

Nicht der Partner und seine Meinung ist ein Gegner, sondern der "gemeinsame Feind" ist der Umgang mit der Andersartigkeit der Partner.

An dieser Stelle hilft auch zu verstehen, was im Gehirn passiert, wenn Paare streiten und warum es so wichtig ist, kurz innezuhalten und die Situation zu deeskalieren. Denn im Streit wird der Partner grundsätzlich und aus biologischen Gründen als "Feind" erkannt – und bekämpft – und nicht mehr als der Mensch, mit dem man mitfühlt, dessen Sorgen und Nöte man teilen will, den man unterstützen möchte.

Weg von der Sachebene – das kratzt nur an der Oberfläche

Wie kann man einen fundamentalen Streit lösen, dessen Aufhänger Corona ist?

Einen goldenen Lösungsweg bei unterschiedlichen Haltungen der Partner zu Corona gibt es nicht. Es ist abhängig davon, wie sehr sich die Partner in die emotionale Welt des jeweils anderen einfühlen können.

Wenn es einen sicheren Tipp gibt, dann jenen: Verlassen Sie die Sachebene und hören Sie auf, einander mit Argumenten überzeugen zu wollen. Damit kratzen Sie nur an der Oberfläche und es verhärten sich die Fronten, weil derartige Streitgespräche frustrieren und den Zweifel an der Tragfähigkeit der Beziehung verstärken.

Wenden Sie sich den darunter liegenden Emotionen zu. Haben Sie den Mut, die wirklich wichtigen Fragen anzusprechen. Nur so kommen Sie weiter! Andernfalls drehen Sie sich nur im Kreis, bis Ihnen die Worte ausgehen und Sie Ihren Optimismus verlieren, dass Sie als Team mit allen Problemen des Lebens fertig werden können.

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Beziehungsprobleme lösen
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Was ist der Schlüssel für eine lange, glückliche Beziehung? Die Pillers müssen es wissen: Sie sind seit 80 Jahren verheiratet – ihre Liebe zueinander haben sich die beiden über all die Jahre bewahrt. Wie das geht...

Auch Fotograf und Autor Ari Seth Cohen ist dieser Frage nachgegangen – und hat die Antworten vieler in die Jahre gekommenen Paare in einem wunderbaren Bildband gesammelt. Drei stellen wir Ihnen daraus vor.

Eine Studie hat außerdem untersucht, worauf es in der Partnerschaft wirklich ankommt. Lesen Sie auch, woran die meisten Beziehungen scheitern.

Weitere interessante Artikel rund um die Partnerschaft finden Sie auf unserer Themenseite Beziehungstipps.

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