Aktualisiert: 14.04.2021 - 15:21

Krankhafte Selbstüberschätzung Narzissmus beim Partner: Kann die Beziehung gutgehen?

Von Anna Schulz

Einem Narzissten geht es vornehmlich um sich selbst. Sein Egoismus macht eine liebevolle, gleichberechtigte Partnerschaft unmöglich.

Foto: Getty Images / Orbon Alija

Einem Narzissten geht es vornehmlich um sich selbst. Sein Egoismus macht eine liebevolle, gleichberechtigte Partnerschaft unmöglich.

Narzisstische Züge haben wir alle, sie sind bis zu einem gewissen Maß vollkommen normal. Bei Personen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung nimmt diese Charaktereigenschaft allerdings überhand. Was Sie tun können, wenn Sie einen solchen Partner haben, wie sich Narzissten erkennen lassen.

Es könnte alles so schön sein. Sie sind frisch verliebt, haben Schmetterlinge im Bauch und gehen wie auf Wolken. Doch leider ist das mit der rosaroten Brille spätestens dann vorbei, wenn narzisstische Züge des Partners nach und nach ans Licht kommen, die den Rahmen des Normalen sprengen. Sein übertriebener Drang nach Aufmerksamkeit und Anerkennung sowie eine krankhafte Selbstüberschätzung, kurz: sein Narzissmus stellt die Beziehung auf eine harte Probe.

Narzissmus in der Beziehung

Tatsächlich sind es meist Männer, bei denen Narzissmus auftritt. Doch wie äußert sich dieses Phänomen? Und wie sollte man sich verhalten, wenn man selbst betroffen ist?

Am Anfang war doch alles so schön

Trifft man auf einen Narzissten, begegnet man zunächst einem charmanten, aufmerksamen und leidenschaftlichen Typ Mensch. Er nimmt den ganzen Raum spielend leicht für sich ein, ist mitreißend und lebendig.

Die anfängliche Phase des Kennenlernens und die erste Verliebtheit sind es auch, die ein Narzisst besonders braucht und genießt. Dort tendiert man dazu, den Partner anzuhimmeln und zu idealisieren.

Die anfängliche Verliebtheit wandelt sich schnell

Im Laufe der Beziehung stellen Sie schnell fest, dass die schillernde Fassade bald zu bröckeln beginnt. Wenn der Partner nicht mehr als Projektionsfläche seiner Wichtigkeit fungieren kann und möchte und die ihm zuteil kommende Zuwendung des Partners dem Narzissten nicht mehr genügt, kommt es zum Wendepunkt in der Beziehung.

Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster von Narzissten

Wird das schier unstillbare Bedürfnis nach Bewunderung nicht mehr befriedigt, treten gewisse Verhaltensmuster zu Tage, die typisch für narzisstische Personen sind.

Menschen, die sich in einer Beziehung mit einem Narzissten wiederfinden, werden von ihrem Partner oft stark vereinnahmt und kontrolliert. Narzissten suchen keine Beziehung auf Augenhöhe, sie wollen reden, ohne selbst zuhören zu müssen, und vermitteln das Gefühl, trotz fester Bindung auf der Suche nach etwas Besserem zu sein. Die Welt dreht sich scheinbar nur um sie. Ihr ständiger Ich-Bezug, Egoismus und ein übertriebener Fokus auf Verdienst, Vermögen und Status machen es unmöglich, ein gleichberechtigter Partner an ihrer Seite zu sein.

In ihrer Selbstverliebtheit sind Narzissten nicht nur enorm arrogant und überheblich – es ist für sie schwer, Kritik von außen anzunehmen. Kommt es zum Streit, schaffen sie es, ihrem Partner Schuldgefühle einzureden, ihn zu manipulieren und alles zu ihren Gunsten zu drehen.

Auch an das Umfeld werden überhöhte Erwartungen gestellt. Statt gute Leistungen anderer anzuerkennen oder sich gar darüber zu freuen, reagieren Narzissten mit Neid und Fremdabwertung, um sich selbst zu erhöhen und Macht zu demonstrieren.

Komplexe sind der Ursprung des Narzissmus

Wie so oft liegt die Wurzel des Problems in der Kindheit. Häufig kompensieren Narzissten tief verwurzelte Selbstzweifel und kämpfen nach der Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihnen in jungen Jahren verwehrt blieb. Doch auch zu viel Lob kann Unheil anrichten und zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung führen.

Warum geraten so viele Frauen an narzisstische Männer?

Spricht man mit Freundinnen oder Kolleginnen über Narzissmus, bekommt man schnell den Eindruck, als hätte jede schon einmal ihre Erfahrungen mit einem Narzissten gemacht. Narzisstische Menschen verbrauchen und wechseln ihre Partner, wenn sie von ihnen nicht mehr ausreichend Bestätigung erhalten. Die Unfähigkeit, eine lange, gleichberechtigte und liebevolle Partnerschaft zu führen, spült stetig neue Narzissten auf den Single-Markt. Oft sind es Frauen mit Helfersyndrom, die anfällig für Partner mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind.

Was können Sie tun?

Auch wenn die mitreißende Art einen schnell in seinen Bann schlägt – lassen Sie sich nicht davon blenden! Ein Narzisst hinterlässt auf seinem Weg zahlreiche Ex-Partnerinnen und eine Schneise seelischer Verwüstung. Fühlen sich Narzissten gekränkt, reagieren sie mit Beleidigungen und emotionaler Kälte. Lassen Sie sich nicht manipulieren und emotional ausbeuten, indem Sie dieses Verhalten entschuldigen oder es sich schön reden. Ziehen Sie die entsprechenden Konsequenzen, wenn Sie unter dem narzisstischen Verhalten Ihres Partners leiden.

Stärken Sie stattdessen Ihr Selbstbewusstsein und machen Sie sich klar, was für eine starke, begehrenswerte und tolle Frau Sie sind! Ihre Liebsten wissen das schon längst und können Ihnen helfen, sich nicht verunsichern zu lassen. Ihr Umfeld wird es auch sein, das die unabwendbare Trennung abfangen wird.

Versuchen Sie, die Erfahrung als lehrreiches Erlebnis anzusehen, aus der Sie klüger und stärker hervorgehen.

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Amerikanische Therapeuten haben Verhaltensweisen kategorisiert, die ursprünglich als typische Phasen von Beziehungen mit Narzissten galten, also mit Menschen, die extrem auf sich selbst bezogen sind. BILD der FRAU erklärt sie zusammen mit Paarberater und Parship-Coach Eric Hegmann:

Noch mehr wissenswerte Beziehungstipps finden Sie auf unserer Themenseite.

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