20.02.2020 - 15:44

Gesundheit Psyche Krankschreibung wegen Liebeskummer: Ist das erlaubt?

Von

Liebeskummer kann krank machen. Dann steht Ihnen eine Krankschreibung zu.

Foto: iStock/Nattakorn Maneerat

Liebeskummer kann krank machen. Dann steht Ihnen eine Krankschreibung zu.

Wer sich trennt, ist verletzt und traurig. Oftmals fallen die alltäglichen Dinge dann schon schwer, auch das Arbeiten gehen kann zum Kraftakt werden. Ist eine Krankschreibung wegen Liebeskummer eigentlich erlaubt?

Fieber, Erkältung und Co.: Wer physisch krank ist, geht zum Arzt und lässt sich krankschreiben, um gesund werden zu können und die Kollegen nicht anzustecken. So weit, so bekannt. Aber was ist bei psychischen Problemen? Kann man sich wegen Liebeskummer krankschreiben lassen?

Krankschreibung wegen Liebeskummer: In diesen Fällen geht das

Auch Liebeskummer kann sich körperlich bemerkbar machen. Die Symptome: generelles Unwohlsein, Weinkrämpfe, Atemnot, Kopfschmerzen bis hin zu Schlafstörungen und im schlimmsten Fall Depressionen. Diese Symptome können tatsächlich arbeitsunfähig machen.

Das Wort Liebeskummer beschreibt nicht wirklich die starke Belastungssituation, denen Menschen mit Trennungsschmerz ausgesetzt sind. Verquollene Augen, ein schmerzendes Herz, starke Kopfschmerzen, totale Übermüdung, Reizbarkeit und Überforderung. Die erste Reaktion: Decke über den Kopf und in Ruhe ausweinen, der Trauer also freien Lauf lassen. Das geht natürlich nicht im Büro. Dabei ist die Trauerbewältigung der einzige Weg aus dem Liebeskummer und extrem wichtig. Der Grund: Wer Liebeskummer unterdrückt, wird von diesem über kurz oder lang eingeholt. Und kann aufgrund von Schlafmangel sogar physisch krank werden. Aus diesen Gründen ist eine Krankschreibung wegen Liebeskummer möglich, denn Sie gewährt die Möglichkeit der Verarbeitung und Überwindung.

Zahl der Krankschreibungen steigt

Die Zahl der Krankschreibungen steigt in Deutschland stetig. Laut einer aktuellen AOK-Studie ist jeder Arbeitnehmer knapp 20 Tage pro Jahr krankgeschrieben. Die häufigsten Ursachen: Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und Atemwegsprobleme. Gleich danach folgen Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Fazit: Jeder Zehnte geht wegen emotionaler Probleme nicht zur Arbeit. Interessant ist eine Elitepartner-Studie, nach der jeder sechste Befragte (16 Prozent) schon einmal wegen Trennungsschmerz oder Beziehungsstreit nicht zur Arbeit gegangen ist. Die Folge ist ein Produktionsausfall von 774 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft.

Aus diesen Gründen wird die mentale Gesundheit der Mitarbeiter in Unternehmen immer wichtiger. Sie rechtfertigt in schweren Fällen somit auch eine Krankschreibung wegen Liebeskummers. Wichtig zu wissen: Sie sind nicht verpflichtet, Ihrem Vorgesetzten den Grund für Ihre Krankschreibung zu erklären.

Im Büro den Ex-Partner treffen muss nicht sein

Während der Trennungsphase im Büro auf den Ex-Partner zu treffen, ist für Betroffene wohl das schlimmste Arbeitsszenario. Und das ist laut der Umfrage gar nicht so selten, denn fast jeder vierte Befragte hat schon mal einen Liebespartner am Arbeitsplatz kennengelernt.

Die Trennung per se ist kein Krankschreibungsgrund, sondern vielmehr die von ihm ausgelösten körperlichen Begleiterscheinungen. Diese sollten Sie ihrem Hausarzt ausführlich schildern und sich nicht dafür weder schämen, noch die Symptome als Lapalie betrachten, denn das sind sie nicht.

Im heftigsten Fall führt Liebeskummer zu einer bleibenden psychischen Belastung wie zum Beispiel zu Depressionen. Dieser emotionaler Dauerstress kann, wenn er nicht verarbeitet wird, auch heftige körperliche Folgen haben. Das so genannte „Broken-Heart-Syndrom“ ist eine plötzlich auftretende Funktionsstörung der linken Herzkammer und Herzinfarkt-ähnliche Symptome auslösen kann. Atemnot, Engegefühl in der Brust, starke Schmerzen und erhöhtem Herzfrequenz können mit Schweißausbrüchen oder Übelkeit sowie Erbrechen einhergehen. Hier ist schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

Liebeskummer und krankgeschrieben: Die Verarbeitung kann beginnen

Wenn Sie nun wegen der Liebeskummer-Symptome krankgeschrieben sind, ist eine andere Form der Arbeit angesagt, besser der Verarbeitung Ihrer Trauer. Lassen Sie den Schmerz in seiner ganzen Intensität zu, und haben Sie keine Angst, damit nicht klarzukommen. Sie werden es schaffen, auch wenn es noch so unmöglich erscheint. Sie werden sich bei der Trauerarbeit Stück für Stück entlieben, der Schmerz wird weniger heftig zurückkehren, und Sie haben wieder eine Chance auf ein normales Leben.

Wichtigster Punkt: Brechen Sie jeden Kontakt zum Ex-Partner ab, bzw. suchen Sie ihn auch in den dunkelsten Stunden nicht. Halten Sie ihn auf Distanz und verbannen Sie Erinnerungsstücke auf den Dachboden oder zu Freunden. Konzentrieren Sie sich auf sich selbst, erfüllen Sie sich Wünsche und treiben Sie Sport.

Krankschreibung wegen Liebeskummer. Und was ist, wenn der Ex-Partner eine Neue hat? 4 Tipps zur Liebeskummer- und Frustbewältigung. Nach einer Trennung ist die Einsamkeit groß. Wie entkomme ich diesem Gefühl? Ist eine Beziehung ohne Liebe also besser und hat eine Vernunftbeziehung eine Chance?

Mehr zum Thema Liebe und Beziehung finden Sie auf unserer Themenseite Beziehungstipps und Depression.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen