29.11.2018

Kuriose Sex-Fälle Fünf Orgasmen waren einfach zu wenig

Was tun, wenn fünf Orgasmen nicht genug sind? Lesen Sie hier einen skurrilen Sex-Fall.

Foto: iStock, Riva Verlag (Collage BILD der FRAU)

Was tun, wenn fünf Orgasmen nicht genug sind? Lesen Sie hier einen skurrilen Sex-Fall.

In der Regel bleiben kuriose Sex-Fälle im Verborgenen. Der Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa hat in seinem Buch "Was hat Sie denn da geritten" einige Geschichten rund um das Liebesleben – die wirklich passiert sind – aufgeschrieben. Lesen Sie hier ein Beispiel.

Wie aufregend ist Ihr Sex-Leben? Haben Sie im Bett schon verrückte Situationen erlebt? Der Sexualmediziner, Urologe und Androloge Dr. Axel-Jürg Potempa aus München hat in seinem Buch ("Was hat Sie denn da geritten") viele ungewöhnliche Sex-Fälle aus seinem Berufs-Alltag aufgeschrieben. Bei BILD der FRAU können Sie in den kommenden Wochen fünf Beispiele lesen. Teil 5 trägt den Namen "Wie viel ist genug?".

Neues Buch: Sexual-Mediziner berichtet über seine skurrilsten Fälle

Dr. Potempa über eine Beziehung voller Orgasmen

Wovon lassen wir uns beeinflussen? Was prägt unser Bild von Sexualität, wer sind unsere Rollenvorbilder, wem glauben wir, wenn es darum geht, was guter, befriedigender, "richtiger" Sex ist? Zahllos sind die Modelle, die uns in Illustrierten und im Fernsehen angeboten werden. Lauter junge, starke, gut aussehende Menschen bekommen wir gezeigt, die nicht müde werden zu versichern, dass sie zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit stets nur den allergroßartigsten Sex praktizieren.

Beziehungsprobleme gibt es dort nicht, Stress in der Arbeit auch nicht und Pickel auf der Nase schon gleich gar nicht – all die Sachen, die, banal oder bedeutend, im Alltag oft vor der Lust stehen wie der Türsteher vorm Discoeingang: Du kommst hier nicht rein. Ach, wären wir doch nur alle so wie Samantha Jones aus "Sex and the City" – trotz durchaus fortgeschrittenen Alters stets bereit, den Poolboy abzuschleppen, den Barkeeper oder wer halt sonst gerade so bereitsteht zur Befriedigung der nie versiegenden Begierde.

Wo das Problem denn liege, wollte ich wissen

Die junge Frau auf dem Stuhl vor meinem Schreibtisch war 21 Jahre alt, attraktiv, und sie beschwor mich, ihr zu helfen, sie zu heilen, denn sonst sei alles verloren. Wo das Problem denn liege, wollte ich wissen. Es sei so, sagte sie, dass sie ihren Freund zwar liebe, dass er aber leider nicht in der Lage sei, sie angemessen zu befriedigen. In nackten Zahlen bedeutete das: Er schaffe es pro Liebesakt nur, sie höchstens fünfmal zum Orgasmus zu bringen.

Dabei wisse doch jeder, dass achtmal das Allermindeste sei, weniger als acht, das könne, das dürfe nicht sein. Dieser Meinung seien auch ihre Freundinnen, die noch von ganz anderen Zuständen der Verzückung zu berichten wüssten. Zwei Gefühle versuchte ich vor ihr zu verbergen: zum einen ein Lächeln über ein offensichtliches Luxusproblem – zum anderen auch Mitleid mit dem armen Kerl, der sich sicher mehr anstrengte als die meisten anderen Männer, nur um hinterher stets zu hören, dass es wieder nur für fünf Höhepunkte gereicht habe. Die Frau war aber tatsächlich verzweifelt und schilderte, was sie mit ihrem Freund schon alles veranstaltet hatte, um die ihrer Meinung nach unbefriedigende Orgasmusquote anzuheben.

Der Vierer war allerdings auch ein rechter Reinfall gewesen

Diverse Spiele und Spielzeuge waren bereits zum Einsatz gekommen, und als das alles nichts half, hatten sie sich mit einem befreundeten Paar zum Partnertausch getroffen. Der Vierer war allerdings auch ein rechter Reinfall gewesen – sie wie ihr Freund waren viel zu eifersüchtig und beobachteten argwöhnisch, was der andere jeweils mit dem fremden Partner veranstaltete.

Eine Erkenntnis wenigstens hatte diese Aktion gebracht: Es musste an ihr liegen, denn der andere Mann hatte ihr sogar nur drei Orgasmen verschafft, ihr Freund also war nicht schuld. Dennoch: Wenn es mir nicht gelänge, sie zu heilen, sie gesund und so orgasmusfähig zu machen, wie es ja wohl der Normalfall sei, dann müsse sie ihn verlassen und einen Mann suchen, der besser zu ihr passe, der sie also, das war die Messlatte, achtmal hintereinander befriedigen könne.

Um auszuschließen, dass hinter dem Problem der Patientin wirklich eine körperliche Ursache versteckt war, untersuchte ich sie auf die übliche Art und Weise, auch ihren Hormonstatus, denn gelegentlich kommt es vor, dass ein erhöhter Testosteronwert bei Frauen zu übersteigertem Sexualtrieb führt. Dabei kam jedoch heraus, dass alles völlig normal war – das Problem der jungen Frau lag offensichtlich nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.

Multiple Superorgasmen

Mein Vorschlag, sie solle doch ihre Freundinnen mit den multiplen Superorgasmen mal mit in die Sprechstunde bringen, lehnte sie ab, ebenso das Angebot, mal mit einem mir bekannten Psychologen zu sprechen: In ihrem Kopf sei alles richtig, das Problem müsse weiter unten zu finden sein. An seriöser Aufklärung war sie nicht interessiert – keinesfalls wollte sie mir glauben, dass manche Frauen froh seien, einmal pro Akt zum Orgasmus zu kommen. Das sei ja wohl nicht realistisch, entgegnete sie, ihre Erfahrung und die aller ihrer Freundinnen sprächen eine andere Sprache. So musste ich ihr sagen, dass ich nichts für sie tun könne, und entließ sie mit einem merkwürdigen Gefühl in der Magengegend.

Ein paar Wochen später traf ich die Patientin in der Stadt. Sie erzählte mir, dass sie ihren Freund für einen anderen verlassen habe, dass sie aber überlege, zu ihm zurückzukehren, denn der Neue sei im Bett auch nicht besser. Ich dachte auf dem Heimweg lange darüber nach, wie denn solche falschen Erwartungen in einem Menschen entstehen können, Erwartungen, die in diesem Fall nicht nur das sexuelle Erlebnis entwerten, sondern vielleicht sogar das Glück mit einem geliebten Mann verhindern. Ich denke bis heute, dass man sich Samantha Jones als unglücklichen Menschen vorstellen muss.

Lesen Sie hier die anderen Teile der Serie:

Hier können Sie das Buch "Was hat Sie denn da geritten" direkt bestellen.

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Dr. Axel-Jürg Potempa hat bereits mehrere Artikel mit BILD der FRAU veröffentlicht. Klicken Sie sich durch – hier antwortet der Sex-Experte auf die häufigsten Sex-Fragen:

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