15.11.2018

Kuriose Sex-Fälle Erst ging nichts, dann zu viel! Wie der Sex die Beziehung zerstörte

Eigentlich soll der Sex für die besonderen Momente in der Beziehung sorgen. Bei diesem kuriosen Sex-Fall sorgte das Liebesspiel aber für das Aus. Hier mehr erfahren...

Foto: Riva Verlag, iStock (Collage BILD der FRAU)

Eigentlich soll der Sex für die besonderen Momente in der Beziehung sorgen. Bei diesem kuriosen Sex-Fall sorgte das Liebesspiel aber für das Aus. Hier mehr erfahren...

Von kuriosen Sex-Fällen berichtet der Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa in seinem Buch "Was hat Sie denn da geritten". Lesen Sie hier ein Beispiel.

Wie aufregend ist Ihr Sex-Leben? Haben Sie im Bett schon verrückte Situationen erlebt? Der Sexualmediziner, Urologe und Androloge Dr. Axel-Jürg Potempa aus München hat in seinem Buch ("Was hat Sie denn da geritten") viele ungewöhnliche Sex-Fälle aus seinem Berufs-Alltag aufgeschrieben. Bei BILD der FRAU können Sie in den kommenden Wochen fünf Beispiele lesen. Teil 4 trägt den Namen "Sex vs. Steuer".

Neues Buch: Sexual-Mediziner berichtet über seine skurrilsten Fälle

Erfahren Sie hier mehr über eine Beziehung, die durch den Sex kaputt gegangen ist

Warum gehen Menschen zum Arzt? Weil sie husten, röcheln, Fieber haben, Durchfall, einen gebrochenen Arm, einen blauen Fleck oder eine gebrochene Rippe. Gesund soll er sie machen, den Zustand wiederherstellen, den alle Welt als normal, weil störungsfrei, empfindet. Die Patienten, die zu mir, dem Sexualmediziner, kommen, wollen nichts anderes, auch wenn der vorgebliche "Normalzustand" in meinem Ressort etwas schwieriger zu definieren ist.

Wer dieses Buch bis hierhin gelesen hat, der weiß, dass viele Störungen, Merkwürdigkeiten, Krankheiten gar keine sind, sondern nur von der Norm abweichen – die jedoch stets zu hinterfragen ist: Wie viele Orgasmen braucht die Frau pro Verkehr? Wie oft muss der Mann hintereinander können? Bin ich pervers, weil ich es liebe – und eine Erektion bekomme –, wenn ich die Füße meiner Frau betrachte, streichle und küsse?

Wann ist man krank?

Lebensbedrohlich sind die Probleme, derentwegen meine Patienten zu mir kommen, in den wenigsten Fällen – meistens ist ihnen mit einer professionellen Diagnose, einer fachmännischen Rezeptur und einem Rat aus langjähriger Erfahrung wie aus gesundem Menschenverstand zu helfen. Dann dauert es in den meisten Fällen nicht lange und der Penis erigiert wieder, die Scheide wird wieder feucht und die blöden Krankheitserreger, die dort nichts zu suchen haben, sind verschwunden – der angenommene Normalzustand ist wiederhergestellt.

Fünf Wochen bis zur ersten gemeinsamen Nacht

Umso merkwürdiger also, wenn jemand zu mir kommt, der mich bittet, etwas zu tun gegen diesen Normalzustand. Er war nicht sehr scharf auf sie und sie nicht auf ihn, als sie sich kennenlernten – Mitte 30 beide, Steueranwalt und Tierärztin, und ich hoffe, niemandem zu nahe zu treten mit der Annahme, dass bei diesen beiden Berufsgruppen wohl die wenigsten an hemmungslose Leidenschaft und ungezügelte Lust denken. So war es auch bei den beiden: Sie kannten sich irgendwie beruflich, fingen irgendwann mal an, miteinander auszugehen, sympathisch war man sich wohl auch – so dauerte es, der beiderseitigen Schüchternheit sei’s gedankt, auch gerade mal fünf Wochen bis zur ersten gemeinsamen Nacht. Die dann, nach herkömmlichen Vorstellungen, zunächst eine Katastrophe war.

Zwei Jahre waren beide zuvor Singles gewesen, nun hätte man erwarten können, dass sie voller Gier übereinander herfielen und alles rausließen, was sie so lange aufgespart hatten. Nichts davon: Er versuchte zweimal vergeblich, eine Erektion zu bekommen, und sie verlor dann auch irgendwann die zumindest marginal vorhandene Lust. Immerhin: Er wachte nachts auf, weil ihn eine riesige Erektion drückte – da hatte dann wohl endlich das Unterbewusstsein die Regie übernommen und den Körper zu dem gebracht, was der Kopf zuvor verboten hatte. Eine Stunde Sex am Stück, eine Leistung, die für beide außergewöhnlich war.

Ein kaputtes Auto brachte die Wende

Leider blieb nichts davon für den Alltag übrig – sie mochten sich, sie waren auch zusammen, irgendwie, aber allzu oft sahen sie sich nicht, weil beide viel arbeiteten. Wenn sie schon mal körperlich kollidierten, dann war es schnell vorüber und hatte mehr den Charakter einer Pflicht als einer Lust: Es gehörte halt irgendwie auch dazu.

Die Wende brachte ein kaputtes Auto, nämlich ihres. Sie brachte es in die Werkstatt, erklärte das Problem, der Mechaniker hörte zu und sagte, sie solle es über die Grube fahren. Er ging nach unten, um den Fehler zu betrachten, und während sie oben stand – gekleidet in ein luftiges Kleidchen, es war Sommer –, bemerkte sie, dass er ihr von dort unten unverschämt zwischen die Beine starrte. Sie fand das empörend und peinlich, aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann musste sie auch zugeben, dass es sie über alle Maßen erregte. Sie ließ den Mechaniker beim Auto, ging nach Hause und masturbierte, bis sie vor Lust mit den Beinen um sich schlug.

Die Beziehung war nicht leidenschaftlich

Die Beziehung zu ihrem Freund, dem Steueranwalt, war zwar keine leidenschaftliche, aber doch eine offene, vertraute. Also erzählte sie ihm von dem Erlebnis in der Autowerkstatt. Wie es beider Art war, analysierten sie ausführlich, was geschehen war und warum sie so reagiert hatte. Am Ende der Diskussion stand eine gemeinsame Entscheidung: dass es vielleicht vernünftig sein könnte, sich gelegentlich mal mittags zum Essen zu treffen.

Zum Essen? Die Frau hatte ihr Erweckungserlebnis gehabt, und sie wollte mehr davon. Der arme Kerl an ihrer Seite, der sich statt für Geschlechtsverkehr mehr für die neuesten Entscheidungen des Bundesfinanzhofs in Steuerfragen interessierte, sah sich von heute auf morgen mit einer Frau konfrontiert, die vor allem eines wollte: Sex. Sex in der Öffentlichkeit.

Sex in der Öffentlichkeit

Sie verführte ihn in der Umkleidekabine eines Bekleidungsgeschäftes, als sie einen Anzug kaufen wollten. Sie trieb es mit ihm im Sommer im Englischen Garten. Sie buchte einen Platz in der letzten Reihe der Staatsoper, weil sie wissen wollte, wie das ist: vögeln zu Wagner. Sie flogen aus dem Fitnesscenter, weil andere Sportskameraden nicht akzeptieren wollten, dass sie Sex im Whirlpool hatten. Sex im Aufzug – das wäre noch so ein Wunsch von ihr gewesen, aber sie wussten beide, dass da Kameras installiert waren, und trauten sich dann doch nicht.

Bei aller Liebe und bei allem Neuen, Unbekannten, Spannenden: Ihm wurde das doch bald zu viel. Und so kam es, dass mir zwei Menschen gegenübersaßen, die mich nicht baten, sie gesund zu machen – sondern die nach Wegen suchten, ihre Lust einzudämmen.

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Der Mann war regelrecht verzweifelt

Vor allem der Mann war regelrecht verzweifelt und fand, dass nun endlich einmal etwas unternommen werden sollte gegen den unerträglich hohen Testosteronspiegel in seinem Blut. Damit lag er wahrscheinlich gar nicht so falsch: Sexuelle Aktivität regt die Produktion des Männlichkeitshormons an, je mehr außergewöhnliche sexuelle Begegnungen er mit seiner Freundin hatte, desto mehr Testosteron produzierte sein Körper, und desto geiler wurde er. Nur passte das leider überhaupt nicht zusammen mit seiner ruhigen, kontemplativen Arbeit als Steueranwalt – wer ständig an Sex denkt, hat den Kopf nicht frei für all die Paragraphen.

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Er bekam ein Mittel gegen die sexuelle Lust

Es gibt durchaus Mittel gegen zu hohen Testosterongehalt, man gibt sie zum Beispiel bei bestimmten Formen von krankhaftem Haarausfall. (Nebenbei bemerkt: Das ist der Grund, warum viele Frauen Männer mit Glatze sexy finden – das fehlende Haupthaar deutet hin auf viel Testosteron, also auf einen Mann, der potent, durchsetzungsfähig, eben männlich ist. Frauen scheinen so etwas riechen zu können.) Ich verschrieb ihm also ein solches Mittel, hatte aber deutliches Bauchgrimmen dabei: Auch wenn es ihn – vielleicht – glücklich machen würde, wir Ärzte wollen den Menschen ja eigentlich helfen, den Normalzustand zu erreichen. Davon konnte nun aber bei ihm nicht die Rede sein – er bat mich ja, ihn (wieder) zu einem mehr oder weniger libidolosen, asexuellen Wesen zu machen.

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Er war zu feige und spießig

Es funktionierte aber sowieso nicht. Das Mittel sprach nicht an, und als ich die Frau das nächste Mal traf, erzählte sie mir, dass sie sich von ihm getrennt hatte, er sei ihr dann doch zu feige und zu spießig gewesen. So sitzt er wahrscheinlich bis heute über seinen Kommentaren zum Steuerrecht. Und sie hat hoffentlich jemanden gefunden, der keine Angst vor ihr hat – und auch keine vor Kameras in Aufzügen.

(Auszug aus: "Was hat Sie denn da geritten" von Dr. Axel-Jürg Potempa, Riva-Verlag, ISBN: 978-7423-0660-9)

Hier können Sie das Buch "Was hat Sie denn da geritten" direkt bestellen.

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Dr. Axel-Jürg Potempa hat bereits mehrere Artikel mit BILD der FRAU veröffentlicht. Klicken Sie sich durch – hier antwortet der Sex-Experte auf die häufigsten Sex-Fragen:

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