02.11.2018

Kuriose Sex-Fälle Wie ein Zahnarztbohrer einen Penis rettete

Ein Sexualmediziner erlebt immer wieder kuriose Sex-Fälle in seinem Berufs-Alltag. Hier erzählt er, wie ein Zahnarztbohrer einen Penis rettete.

Foto: iStock/dragana991, Riva Verlag (Collage BILD der FRAU)

Ein Sexualmediziner erlebt immer wieder kuriose Sex-Fälle in seinem Berufs-Alltag. Hier erzählt er, wie ein Zahnarztbohrer einen Penis rettete.

"Was hat Sie denn da geritten" lautet der Titel des Buches von Dr. Axel-Jürg Potempa. Der Sexualmediziner aus München berichtet darin über seine skurrilsten Sex-Fälle. Lesen Sie hier ein Beispiel.

Leidenschaft, Spaß und ein Feuerwerk an Gefühlen – das verbinden viele Menschen mit Sex. Aber auch in dem Bereich passieren immer mal wieder Unfälle. Dr. Axel-Jürg Potempa hat bereits so manche skurrile Sex-Geschichte erlebt. Der Sexualmediziner, Urologe und Androloge aus München hat ein Buch darüber veröffentlicht. Bei BILD der FRAU können Sie in den kommenden Wochen fünf Beispiele lesen. Teil 2 trägt den Namen "Ring of Pain".

Neues Buch: Sexual-Mediziner berichtet über seine skurrilsten Fälle

Erfahren Sie hier, wie ein Zahnarztbohrer einen Penis rettete

Auszug aus dem Buch "Was hat Sie denn da geritten" von Dr. Axel-Jürg Potempa:

Ein stolzer Mann, ein starker Mann, ein Südländer – ein Spanier saß da mitten in der Nacht vor mir in der Ambulanz jener Klinik, in der ich damals arbeitete. Sein Blick allerdings war gerade dabei, von der Verzweiflung in die Panik zu kippen. Der Grund dafür war etwas tiefer an seinem Körper zu finden: ein glänzendes Ding aus zwei Millimeter dickem, solidem Stahl.

Der Spanier lebte mit Frau und Kind in Österreich, aber er kam viel herum als Kundendienst-Mechaniker einer Firma für Klimaanlagen. Dabei hatte er sich vor einiger Zeit in München ein Gspusi zugelegt. Die Liebschaft war zwar irgendwann eingeschlafen, aber jetzt hatte sie ihn angerufen, ob er nicht mal wieder vorbeikommen wolle, wenn er in der Stadt sei. Er erinnerte sich an den großartigen Sex, den er mit ihr gehabt hatte, und sagte zu.

Tote Hose in der Hose

Als er eintraf, hatte sie schon alles arrangiert: Kerzen, Prosecco, ein wenig Antipasti. Dass Alkohol nicht gerade potenzfördernd ist, daran dachte er nicht, und dass für Essen das Gleiche gilt, wusste er nicht: Wenn der Mensch mit der Verdauung beschäftigt ist, braucht er das Blut im Darm und hat nichts davon für andere Körperteile übrig. Trotzdem ging alles den Gang, den es gehen sollte, die Frau wurde "touchy", und irgendwann wollte sie ihm an die Hose – jedoch nur um festzustellen, dass sich da leider nichts rührte: tote Hose im wahrsten Sinne des Wortes.

Der unangenehme "First-Night-Effekt"

Diese peinliche Situation gerade beim ersten Mal kommt so häufig vor, dass die Wissenschaft sogar einen eigenen Begriff dafür geprägt hat – man spricht vom "First-Night-Effekt", und der soll angeblich in 80 Prozent der Fälle für Enttäuschung statt Ekstase verantwortlich sein. Der Grund liegt meistens in viel zu hohen Ansprüchen des Mannes an die Situation und an sich selbst. Dann bemerkt er, dass das nicht so funktioniert, wie er sich’s vorgestellt hat, und schon geht sie los, die Spirale aus Angst und Versagen und Versagen und Angst ...

Völlig falsch wäre es in dieser Situation, mit der Frau anzufangen zu diskutieren, sich zu entschuldigen und zerknirscht auf der Bettkante zu sitzen. Viel gescheiter: Der Mann könnte sich daran erinnern, dass es ja durchaus noch andere Methoden gibt, eine Frau zu befriedigen. Er wird in der überwiegenden Zahl der Fälle sehr viel später in der Nacht mit einer gewaltigen Erektion aufwachen, weil die Libido und die Lust ja nur verschüttet waren unter Nervosität und Angst – und die Frau wird sicher nichts dagegen haben, aufgeweckt zu werden von dem feurigen Liebhaber, auf den sie zuvor schon gehofft hatte.

Woher nur einen Penisring bekommen?

Das alles wusste unser stolzer Spanier nicht. Er erinnerte sich aber an einen Freund, der ihm einige Zeit zuvor von einem sexuellen Erlebnis erzählt hatte, das durch die Verwendung eines Penisringes unvergesslich geworden war. Ein Penisring ist ein Accessoire zumeist aus Kautschuk, das an die Peniswurzel geschoben wird. Dort verhindert es, dass das Blut in den Schwellkörpern zu schnell wieder abfließt. Die Folge ist eine sehr viel länger andauernde und meistens auch härtere Erektion. Nur: Wo ein solches Ding herbekommen mitten in der Nacht?

Dem Mann fiel ein, dass er ja Handwerker war, er ging zu seinem Auto, um nachzuschauen, ob er dort nichts habe, was den gleichen Dienst erfüllen konnte. Er fand eine Schraubmuffe, wie sie zum Verbinden von Rohren verwendet wird – sie schien ihm geeignet. Die Geliebte war zunächst wohl ein bisschen irritiert, aber als sie sah, dass das Hilfsmittel offenbar seinen Zweck erfüllte, da war es ihr dann doch recht.

Das Entsetzen nach dem Orgasmus

Nun also konnte geschehen, was den ganzen Abend schon hatte geschehen sollen, und es geschah. Es geschah auch noch ein zweites Mal, aber da bemerkte der Mann schon, dass er Schmerzen hatte, er kam auch nicht mehr zum Orgasmus, zudem bekam sein Penis eine unnatürliche rote Farbe, und die Eichel wurde weich. Kurz gesagt: Als er sich des stählernen Dings entledigen wollte, ging es nicht mehr ab. Denn dass der Penis, der unerigiert leicht durch den Ring passte, nun einiges an Durchmesser zugelegt hatte, das hatte der Mann nicht bedacht.

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Die Angst um sein bestes Stück

Andere Gedanken machen. Kalt duschen. Vaseline. Nichts half – der Ring saß fest. Das ist weniger lustig, als es sich anhört: Eine "Priapismus" genannte Dauererektion ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sie kann auch, wenn sie länger als vier Stunden andauert, zur Schädigung der Schwellkörper führen, weil diese mit venösem, also sauerstoffarmem Blut gefüllt sind und deshalb nicht ausreichend arterielles Blut nachfließen kann. Bleibende Impotenz ist die Folge. Der Spanier hatte zwei Stunden lang in Heimarbeit versucht, seinen Penis zu befreien. Dann endlich machte er sich auf den Weg in die Klinik, und die Angst um sein bestes Stück stand ihm ins Gesicht geschrieben.

In solchen Fällen habe ich ein abgestuftes Behandlungsmodell zur Verfügung. Zunächst einmal versuchte ich – nachdem ich mich überzeugt hatte, dass alle manuellen Versuche aussichtslos waren – eine Punktion des Penis. Das heißt: Mittels einer Spritze zog ich dreimal 20 Milliliter Blut ab. Das nützte jedoch überhaupt nichts, wahrscheinlich weil mehr Blut nachfloss, als ich abziehen konnte. Der nächste Schritt war die Injektion eines sympathomimetischen Medikaments. Das bewirkt eine Verengung der Arterien, sodass die Blutzufuhr vermindert wird.

Nun war guter Rat teuer

Allerdings ist diese Therapie nicht ganz ungefährlich, denn durch die engeren Adern steigt der Blutdruck, er muss also genau beobachtet werden. Aber auch das half nicht – der Penis blieb geschwollen und schaute wirklich nicht mehr appetitlich aus. Nun war guter Rat teuer, noch dazu, weil wir uns schon bedenklich jenen vier Stunden näherten, nach denen ernsthafte Schädigungen zu befürchten waren. Alle Zangen, Winkelschleifer und anderes Gerät, das in einer solchen Ambulanz zur Verfügung steht, hatten wir ausprobiert, ohne Erfolg, denn es war nicht möglich, ohne weitergehende Verletzungsgefahr zwischen Ring und Penis einzudringen.

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Ein Bohrer als Penis-Retter?

Da fiel mir glücklicherweise ein, dass in der Klinik auch eine zahnärztliche Ambulanz angesiedelt war und dass Zahnärzte mit sehr viel feineren Instrumenten hantieren und darin auch geübt sind. Ich rief den Kollegen an und schilderte ihm den Fall. Seine Reaktion schwankte zunächst zwischen Belustigung und Skepsis, schließlich konnte ich ihn aber doch vom Ernst der Lage überzeugen, und er kam mit einem Diamantbohrer herüber. Ich weiß nicht, wer von beiden nervöser war: der Mann, an dessen Penis sich der Zahnarzt nun mit einem Gerät zu schaffen machte, das einige 10.000-mal in der Minute rotierte – oder der Kollege selbst, der sich ja vorstellen konnte, was geschehen würde, wenn seine Hand anfangen würde zu zittern. Beide schwitzten, aber nach einigen Minuten war der Ring durchgefräst und konnte endlich entfernt werden.

Happy End am besten Stück

Ganz knapp hatten wir die vier Stunden unterschritten, und ich kam mir ein bisschen vor wie James Bond, der die Bombe ja auch immer erst wenige Sekunden vor der Detonation entschärft. Dennoch wollte ich natürlich wissen, ob wir den Mann vor bleibenden Schäden bewahrt hatten, und bat ihn, mich doch zwei Wochen später anzurufen. Das tat er dann auch und meldete freudigst: Alles in Ordnung, sein Penis arbeite wie gewohnt. Nur seine Freundin in München, die wolle er nicht mehr besuchen – die Lust darauf sei ihm gründlich vergangen.

(Auszug aus: "Was hat Sie denn da geritten" von Dr. Axel-Jürg Potempa, Riva-Verlag, ISBN: 978-7423-0660-9)

Hier können Sie das Buch "Was hat Sie denn da geritten" direkt bestellen.

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Dr. Axel-Jürg Potempa hat bereits mehrere Artikel mit BILD der FRAU veröffentlicht. Klicken Sie sich durch – hier antwortet der Sex-Experte auf die häufigsten Sex-Fragen:

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