26.10.2018

Teil 1: "Rasta Erfahrung" Sexual-Mediziner berichtet über seine skurrilsten Fälle

Welche unvorhergesehenen Dinge können beim Sex passieren? Der Sexual-Mediziner Dr. Axel-Jürg Potempa berichtet in seinem neuen Buch über die skurrilsten Fälle aus seiner Praxis.

Foto: iStock/dima_sidelnikov, Riva Verlag (Collage BILD der FRAU)

Welche unvorhergesehenen Dinge können beim Sex passieren? Der Sexual-Mediziner Dr. Axel-Jürg Potempa berichtet in seinem neuen Buch über die skurrilsten Fälle aus seiner Praxis.

Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet seit vielen Jahren als Sexualmediziner in München. In seinem Buch berichtet er über die skurrilsten Fälle aus seiner Praxis. Lesen Sie hier ein Beispiel.

Sex und Liebe gehören zum Leben und zu einer glücklichen Partnerschaft einfach dazu. Aber darüber offen reden, das fällt vielen Menschen im Alltag schwer. Dabei gibt es doch jede Menge Mißgeschicke, Probleme oder schöne Anekdoten rund um das Thema Sex. Dr. Axel-Jürg Potempa wurde bereits so manche skurrile Geschichte zugetragen. Der Sexualmediziner, Urologe und Androloge aus München hat ein Buch darüber veröffentlicht. Bei BILD der FRAU können Sie in den kommenden Wochen fünf Beispiele lesen. Teil 1 trägt den Namen "Rasta-Erfahrung".

Neues Buch: Sexual-Mediziner berichtet über seine skurrilsten Fälle

Manchmal helfen dem Arzt all seine Studien, seine schlauen Bücher und seine Erfahrung nichts – wenn das Krankheits- oder Störungsbild eines Patienten unklar ist, wenn die Beschwerden verschiedene Ursachen haben können, wenn vielleicht die Psyche mit hineinspielt, die ja mit Medikamenten nur recht schwer zu erreichen ist, sieht man einmal von Depressionen und ihren teils recht gut erforschten biochemischen Verursachern ab.

In einem solchen Fall hilft meistens nichts anderes, als dieses oder jenes zu versuchen und zu hoffen, dass eine der Therapien anschlägt und weitere Hinweise auf tiefer liegende Gründe gibt. Und weil Ärzte wie viele andere Berufsgruppen auch in ihrem eigenen Slang sprechen, nennen sie eine solche Behandlung gelehrt "probatorisch" – was nichts anderes bedeutet als: Ich versuche jetzt mal was, keine Ahnung, ob’s hinhaut.

Die Lust und die Potenz haben nachgelassen

Die Beschwerden, mit denen der Patient zu mir kam, waren nicht so unüblich für einen Mann seines Alters: 48 Jahre, seit 15 Jahren verheiratet – nun hatte die Lust nachgelassen und die Potenz auch. Ihn selber störte der Zustand nicht einmal so sehr, aber seine Frau verlangte ihr Recht, sie hatte ihn zu mir geschickt. Sein Testosteronspiegel war recht niedrig, also verschrieb ich ihm »probatorisch« ein Hormonpräparat.

Das nutzte jedoch nichts, wie er mir bei seinem nächsten Besuch betrübt erzählte. Also gab es als Nächstes Viagra: Wenn er erst einmal wieder mit seiner Frau geschlafen hatte, so meine Überlegung, würde er vielleicht erneut auf den Geschmack kommen, regelmäßiger Sex könnte den Testosteronspiegel und somit auch seine Lust erhöhen.

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Die Lustlosigkeit hielt an

Es half ein bisschen. Einen Monat hatte er bei Bedarf tapfer seine blauen Pillen geschluckt, auch Sex gehabt mit seiner Frau. Der grundsätzlichen Lustlosigkeit hatte das jedoch nicht abgeholfen. Er betonte ein weiteres Mal, dass es ihm sowieso eher egal sei, aber wegen seiner Frau sei er traurig. Die beiden waren allerdings auch, so weit reichte meine Menschenkenntnis schon, ein rechtes Spießerpärchen – dass sie plötzlich beginnen würden, sich abends vor der Tagesschau die Kleider vom Leib zu reißen, war eher nicht zu erwarten. Bevor er sich verabschiedete, erzählte mir der Mann noch, dass sie am nächsten Tag in den Urlaub fliegen würden, zwei Wochen Jamaika, und Spießer hin, Erektionsstörungen her – da war ich doch ein bisschen neidisch.

Der Jamaika-Urlaub brachte die Wende

Drei Monate dauerte es, bis ich den Mann wieder zu sehen bekam. Allerdings schneite er nur herein, um mir zu berichten, dass jetzt wieder alles toll sei mit seiner Frau, der Sex fantastisch, die Laune prächtig, noch nie sei er so dankbar für einen Urlaub gewesen. Das interessierte mich dann doch, und ich bat ihn in mein Sprechzimmer.

Zunächst schwärmte er von der Reggae-Insel, den weißen Stränden, den Palmen und immer fröhlichen Menschen. Das sei genau das Richtige gewesen, einfach mal raus aus allem, Sonne tanken, kein Stress mehr. Aber wie sich das denn auf das Sexualleben ausgewirkt habe, wollte ich wissen? Dazu müsse er mir eine Geschichte erzählen, erklärte er.

Der Tag, der alles veränderte

Sie hatten natürlich andere Touristen kennengelernt, Deutsche auch, und eines Tages hatten er und zwei der Männer beschlossen, einen Ausflug zu machen, mit einem Jeep, ohne Frauen. Es muss eine rechte Gaudi gewesen sein und fast ein Abenteuer, es habe zu regnen begonnen – wie in der Karibik üblich nur kurz, aber ausgesprochen heftig. Weil der Jeep kein Verdeck hatte, beschlossen sie, die Tour abzubrechen und ins Hotel zurückzukehren.

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Hinter ihr war ein riesengroßer Einheimischer, der sie gerade von hinten nahm

So kam es, dass er einige Stunden früher als geplant die Tür zu seinem Zimmer öffnete. Was er dort sah, damit hatte er allerdings am allerwenigsten gerechnet: seine Frau auf dem Bett, hinter ihr ein riesengroßer Einheimischer, der sie gerade von hinten nahm. Mein Patient war so verblüfft, dass er als Erstes die Tür wieder zuschmiss. Dann aber stellte er fest, dass er überhaupt nicht sauer war, auch nicht eifersüchtig – neugierig war er. Also öffnete er die Zimmertür wieder und trat ein. Seine Frau brachte – zwischen zwei Stößen des muskulösen Jamaikaners – den dümmsten aller Sätze in einer solchen Situation heraus: "Es ist nicht so, wie es ausschaut." Aber natürlich war es so: Sie hatte sich während seiner Abwesenheit einen jener Beachboys geholt, die am Strand auf sexwillige Frauen warteten, denen sie dann gegen Geld zu Diensten waren.

Die Frau war natürlich gehörig erschrocken, er aber befahl ihr: "Mach weiter!" Er war mittlerweile so erregt, dass er anfing zu masturbieren, es ging flott, leicht und schnell, und als er fertig war, drängte er den Beachboy zur Seite und fiel selbst über seine Frau her – keine Spur mehr von Erektionsproblemen. So kann’s gehen. Das Bild seiner Frau mit einem anderen Mann hatte komischerweise sein Mannsein wieder erweckt – und zwar nicht nur im körperlichen Sinn: "Ich hatte zum ersten Mal seit Langem wieder das Gefühl, dass ich hier der Chef bin", sagte er.

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Von Eifersucht keine Spur

Dazu gehörte auch, dass er hinterher den Einheimischen bezahlte, die am besten angelegten 100 Dollar seines Lebens. Was zu vermuten gewesen wäre, trat überhaupt nicht ein: dass er sauer war auf seine Frau, eifersüchtig, angeekelt womöglich. Im Gegenteil – er fand sie nun wieder attraktiv, anziehend und begehrenswert, auch als sie wieder zu Hause waren und kein breitschultriger Farbiger mehr zur Verfügung stand. Was soll ich sagen: Seine Probleme waren gelöst – durch eine Therapie, auf die kein Arzt mit noch so großer "probatorischer" Fantasie je gekommen wäre.

(Auszug aus: "Was hat Sie denn da geritten" von Dr. Axel-Jürg Potempa, Riva-Verlag, ISBN: 978-7423-0660-9)

Hier können Sie das Buch "Was hat Sie denn da geritten" direkt bestellen.

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Dr. Axel-Jürg Potempa hat bereits mehrere Artikel mit BILD der FRAU veröffentlicht. Klicken Sie sich durch – hier antwortet der Sex-Experte auf die häufigsten Sex-Fragen:

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