Aktualisiert: 12.08.2020 - 13:14

Ist es eine andere Frau? Woran Männer beim Sex wirklich denken

Auch beim Liebesspiel ist das Gehirn aktiv. Aber woran denken Männer beim Sex eigentlich?

Foto: iStock/Drazen Lovric

Auch beim Liebesspiel ist das Gehirn aktiv. Aber woran denken Männer beim Sex eigentlich?

Beim Sex sollten die Gefühle im Mittelpunkt stehen. Doch das Gehirn lässt sich auch beim wildesten Liebesspiel nicht ausschalten. Aber woran denken Männer eigentlich dabei? BILD der FRAU hat bei einem Experten nachgefragt.

Die Gedanken und Gehirnwindungen von Männern und Frauen scheinen in vielen Situationen unterschiedlich zu sein... Und immer wieder kommt es auch schon bei Kleinigkeiten zu Meinungsverschiedenheiten. Schön wäre es, wenn man die Gedanken des Partners in verschiedenen Situationen lesen könnte. Das wäre natürlich nicht nur in stressigen Situationen von Vorteil, sondern auch dann, wenn es um ganz intime Momente geht. BILD der FRAU hat bei Sexualmediziner und Buch-Autor Dr. med. Axel-Jürg Potempa nachgefragt, woran Männer beim Sex denken.

Woran denken Männer beim Sex?

Dr. Axel-Jürg Potempa: Nicht an das, was die meisten Frauen vermuten. Frauen haben oft die Sorge, dass Männer während des Beischlafs zum Beispiel an einen Pornostar, eine berühmte Schauspielerin oder an eine "heiße" Kollegin aus dem Büro denken. Das kann man natürlich nicht ganz ausschließen, aber das dominiert die Gedanken der Männer beim Sex nicht.

Aber was ist es dann?

Männer denken natürlich an ganz unterschiedliche Dinge beim Sex, die häufig ganz lapidar sind. Der Mann macht sich zum Beispiel Gedanken darüber, ob er heute vielleicht zu schnell kommen könnte. Oder wenn es nicht so läuft bei ihm, dann macht er sich Gedanken, warum das so ist, und welche Stimulation ihm jetzt helfen könnte.

Es kann auch sein, dass er während des Geschlechtsverkehrs an sich zweifelt. Männer stellen sich dann Fragen wie: "Gefalle ich ihr überhaupt? Findet sie mich überhaupt sexy?"

Bezieht er in seine Gedanken auch die Frau mit ein?

Aber natürlich. Der Mann macht sich viele Gedanken darüber, was die Frau während des Liebesspiels möchte. Rein, abspritzen, raus – damit kann man keine Frau zufrieden stellen. Und wenn die Frau nach dem Sex nicht zufrieden ist, dann ist es der Mann in den meisten Fällen auch nicht.

Die Männer möchten einfach, dass es den Frauen gut geht. Sie fragen sich daher zum Beispiel, ob sie eine andere Stellung möchte. Ob sie sich wohlfühlt. Oder ob er irgendetwas verbessern kann.

Wie versucht der Mann die Wünsche der Frau zu deuten?

Der Mann beobachtet ihre Reaktionen, zum Beispiel an den Brustwarzen oder in den Augen. Die Warzen sind mal steif, dann wieder weich, das wechselt immer. Und er schaut ihr in die Augen, wenn sie diese geöffnet hat. Den Verlauf der Lust kann der Mann an Pupillenveränderungen beim Sex mitverfolgen.

Übrigens: Viele Frauen haben beim Sex die Augen geschlossen. Wenn das der Fall ist, denken viele Männer, dass die Frau gerade einen anderen Mann im Kopf hat, weil sie sonst ja ihre Augen geöffnet hätte.

Kann es auch sein, dass der Mann während des Liebesspiels schlecht über seine Partnerin denkt?

Diesbezüglich brauchen sich Frauen keine Sorgen zu machen. Der Mann beobachtet die Frau zwar ganz genau, aber nicht kritisch. Wenn der Mann Lust hat, sieht er alles an der Frau als toll an. Alles wird positiviert. Männer achten beim Sex zum Beispiel auch auf den Duft der Frau. Es werden spezielle Aphrodisiaka ausgeschüttet, so dass beide beim Sex noch mehr Lust auf den Partner bekommen.

Können manchmal auch negative Gedanken beim Sex hilfreich sein?

Ja, das können sie. Wenn der Mann zu schnell kommt, können unerotische Gedanken die Ejakulation hinauszögern. Wenn er zum Beispiel an Probleme im Büro denkt, kann das die Chance erhöhen, dass das Liebesspiel länger dauert. Mit diesem gedanklichen Hilfsmittel kann sich der Mann leichter zurückhalten, so dass er entweder zusammen mit der Partnerin kommt oder er ihr den Vortritt lässt. Wenn der Frau beim Sex alles zu schnell geht, kann das dauerhaft zu Konflikten in der Beziehung führen.

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Kann der Mann die sexuelle Lust durch seine Gedanken steigern?

Das ist beispielsweise mithilfe von sexuellen Phantasien möglich. Dies können Dinge sein, die der Mann einfach gerne mal ausprobieren oder ausleben würde. Oder Szenen aus Pornos, die den Mann besonders beeindruckt haben. Rollenspiele sind dabei ein Zauberwort. Der Mann kann seine Partnerin darin dominieren oder sich selbst unterwerfen. Selbst exhibitionistische oder voyeuristische Vorstellungen stimulieren dabei die Libido und kommen der Partnerin direkt zugute, besonders wenn sie durch ihre eigenen Phantasien verbal ergänzt werden. Neue Stellungen oder neue aufregende Orte für das Liebesspiel sind dabei nur harmlose Varianten.

Und was denkt der Mann nach dem Sex?

Nach der ersten Ejakulation ist die zentrale Frage: Denkt er oder sie weiter an Sex? Eigentlich fällt er erst einmal in einen Ruhemodus. Das ist anders als bei der Frau, die mehrfach hintereinander kommen kann. Und genau diese Tatsache kann den Mann in eine Stresssituation bringen. Wenn sie noch nicht vollkommen befriedigt ist, stellt sich für ihn die Frage, wie er nun mit dieser Situation umgeht. Der Mann möchte nämlich alles machen dürfen, sich selbst aber nicht unter Druck gesetzt fühlen.

Das Fazit des Experten

Kommunikation ist ganz wichtig, auch im Liebesleben. Sexuelle Phantasien sollten regelmäßig ausgesprochen werden. Nur dann können sie innerhalb der Partnerschaft auch wahr werden. Besonders am Anfang einer Partnerschaft sind Männer in dieser Beziehung offener als Frauen.

Es hilft aber beiden Partnern ungemein, wenn sie über ihre Vorlieben und Wünsche sprechen. Sie lernen sich noch intensiver kennen und können besser auf die Bedürfnisse des Partners eingehen. Und ein weiterer Vorteil: Man muss sich nicht mehr so viele Gedanken machen, was dem Partner gefallen könnte, ob man alles richtig macht und ob der andere glücklich ist. Es ist ein Geschenk zu wissen, was der andere möchte. Und das gilt nicht nur beim Sex!

Übrigens: Der Penis des Mannes verändert sich im Laufe der Zeit – lesen Sie hier mehr.

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Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

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Im Bett kann es ja immer wieder zu peinlichen Situationen kommen. Was Männern beim Sex besonders unangenehm ist, verrät der Sex-Experte hier. Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auf unserer Themenseite Sex-Wissen.

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