14.06.2018

Der Sex-Experte antwortet Wann gibt es endlich die Pille für den Mann?

Die Pille für den Mann wird weiter getestet. Ärzte dürfen sie aber noch nicht verschreiben. Woran es hakt, lesen Sie hier.

Foto: iStock/monkeybusinessimages

Die Pille für den Mann wird weiter getestet. Ärzte dürfen sie aber noch nicht verschreiben. Woran es hakt, lesen Sie hier.

Die Anti-Baby-Pille ist seit Jahrzehnten ein gängiges Verhütungsmittel für Frauen. Aber warum eigentlich nur für das weibliche Geschlecht? Wann kommt endlich die Pille für den Mann auf den Markt? bildderfrau.de hat bei einem Experten nachgefragt.

Es gibt mehr als 60 verschiedene Anti-Baby-Pillen in Deutschland. Alle sind bisher ausschließlich für die Frau. Das soll ich bald ändern. Die Pille für den Mann ist schon länger ein Thema. Aber wann kommt sie endlich auf den Markt? bildderfrau.de hat mit dem Sexualmediziner und Buch-Autor Dr. med. Axel-Jürg Potempa über das Thema gesprochen.

Wann kommt die Pille für den Mann auf den Markt?

Dr. Axel-Jürg Potempa: Es wird seit langem an einer langfristigen hormonellen Verhütungsmethode für den Mann geforscht. Die Pille für den Mann gibt es aktuell nicht. Mittlerweile gibt es aber stattdessen ein zuverlässiges Produkt in Form einer Spritze mit Testosteron und Gestagen, das bereits in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) getestet wurde. Die Spritze muss alle zwei Monate verabreicht werden. Die Ergebnisse waren zunächst vielversprechend: Bei 96 Prozent der Männer war die Wirkung gut.

Das klingt doch gut. Warum kann man(n) diese Spritze trotzdem nicht kaufen?

Die Spritze schafft es noch nicht auf den Markt, weil die Nebenwirkungen zu hoch sind. Die Männer litten unter anderem an Hautproblemen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Depressionen und Libidoverlust. Die Zulassungsbehörde hat deshalb die Genehmigung nicht erteilt. Die Forscher arbeiten aber weiter an der Methode. Ziel ist es die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe zu optimieren, so dass die Spritze die Zulassung von den Behörden erhält.

Welche Alternativen haben Männer?

Das Kondom ist natürlich immer noch das Verhütungsmittel Nummer eins bei den Männern. Das wird vermutlich auch so bleiben. Aber die Männer wünschen sich auch langfristige Methoden, deshalb wird viel in diese Richtung geforscht.

Welche Methoden entwickeln die Mediziner derzeit?

Da gibt es ganz unterschiedliche Ansätze. Hier ein paar in der Kurzzusammenfassung:

  • Vasalgel: Vasalgel als hormonfreie Langzeitverhütung soll der langersehnte Durchbruch in der Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf die Verhütung sein. Das Gel wird in beide Samenleiter eingespritzt, es verengt diese und wirkt dabei wie ein Sieb. Der Vorteil: Die Samenflüssigkeit kommt noch durch, die Spermien sind zu groß und werden abgefangen. Eine Behandlung soll rund 12 Monate wirken. Bisher wurde die Methode erfolgreich an Affen getestet. Erste Versuche an Menschen könnten noch in diesem Jahr starten.
  • Samenleiterventil: Bei dieser Methode wird ein Ventil im Hodensack eingepflanzt. An dem Ventil ist ein Wippschalter den der Mann selbst bedienen kann. Um das Ventil zu schließen, ertastet der Mann von außen am Hodensack einen Wippschalter und drückt diesen in Richtung Hoden – dadurch können keine Spermien mehr ins Ejakulat gelangen. Um das Ventil wieder zu öffnen, muss der Schalter in die andere Richtung gekippt werden. Mittlerweile ist das Samenleiterventil weltweit patentiert und fertig entwickelt. Weitere Tests laufen. Ob sich diese Verhütungsmethode durchsetzen wird und die Marktzulassung erhält ist aber noch unklar.
  • Enzymblocker: Hierbei wird die Beweglichkeit des Spermas in der Samenflüssigkeit verändert. Der Enzymblocker macht die Samenflüssigkeit zäher, so dass die Spermien ausgebremst werden. Diese Methode wurde an Mäusen bereits erfolgreich getestet, bis sie beim Menschen einsetzbar ist, wird es aber noch dauern.

Bei diesen drei Verhütungsformen stellt sich allerdings die berechtigte Frage, inwieweit der Samenleiter bleibend geschädigt wird und ob zum Beispiel bei Kinderwunsch die verhütenden Mechanismen wieder vollständig rückgängig gemacht werden können.

Warum gibt es bisher so wenig Verhütungsmethoden für den Mann?

Verhütung ist immer noch Frauensache. Viele Frauen wollen das selbst unter Kontrolle haben, um nicht ungewollt schwanger zu werden. Das Vertrauen abzugeben, dass der Mann ausreichend verhütet, ist nicht noch so ausgeprägt. Aber wenn die "Anti-Baby-Pille" für den Mann irgendwann auf den Markt kommt, dann ist das sicherlich für viele Männer von Interesse, denn sie bietet nicht nur einen Verhütungsschutz in einer Beziehung, sondern die Männer haben dadurch eine weitere Möglichkeit sich abzusichern, wenn sie nicht ungewollt Vater werden wollen, beispielsweise bei einem One-Night-Stand.

Die Pille für die Frau würde heutzutage gar nicht mehr zugelassen werden

Jede Verhütungsmethode hat seine Vor- und Nachteile. Aber hätten Sie gedacht, dass die Anti-Baby-Pille, wie sie Frauen nehmen, heutzutage gar nicht mehr zugelassen würde? Dabei ist die Pille immer noch das Verhütungsmittel Nummer eins bei den Frauen. Bei den Männern ist übrigens nach dem Kondom die Vasektomie als Verhütungsschutz am beliebtesten. Sie ist langfristig wirksam und gilt als sehr zuverlässig. Aber es gibt natürlich immer auch Ausnahmen. Erfahren Sie hier, wie Frauen schwanger werden, trotz Sterilisation..

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Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

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