13.06.2018

Experte erklärt „Die Pille würde heutzutage gar nicht mehr zugelassen“

Die Pille ist das Verhütungsmittel Nummer 1! Aber wie gefährlich ist sie wirklich? Ein Experte sagt, warum die Pille heutzutage gar nicht mehr zugelassen würde.

Foto: iStock/Vertigo3d

Die Pille ist das Verhütungsmittel Nummer 1! Aber wie gefährlich ist sie wirklich? Ein Experte sagt, warum die Pille heutzutage gar nicht mehr zugelassen würde.

Die Anti-Baby-Pille ist das Verhütungsmittel Nummer eins in Deutschland. Dabei ist sie nicht unumstritten. bildderfrau.de hat mit einem Experten über die Nachteile der Pille gesprochen.

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Antibabypille bereits. Sie gilt noch immer als das sicherste Verhütungsmittel weltweit. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nehmen in Deutschland 53 Prozent der Frauen zwischen 18 und 49 Jahren "die Pille" zum Schutz vor einer Schwangerschaft ein. Doch sie hat auch zahlreiche Nachteile.

Der Sexual-Mediziner Dr. Axel-Jürg Potempa sagt: "Die Pille würde heutzutage gar nicht mehr zugelassen werden. Der Grund sind die zahlreichen Nebenwirkungen." Warum die Pille trotzdem auf dem Markt ist, erklärt der Experte: "Als die Pille in den 1960er Jahren getestet wurde, waren die Ansprüche bei der Zulassung geringer. Wenn man sie heute auf den Markt bringen würde, bekäme sie sicherlich keine Freigabe von der Zulassungsbehörde.“

Die Nebenwirkungen der Pille

Die Pille ist der Klassiker unter den Verhütungsmethoden. Sie erhält künstlich hergestellte Geschlechtshormone, die den Hormonspiegel während des Zyklus auf einem konstanten Level halten. Dadurch werden unter anderem die Eireifung und auch der Eisprung unterdrückt.

Aber: Die Liste der Nebenwirkungen der Antibabypille ist lang. Zu häufigen Symptomen zählen zum Beispiel:

  • Übelkeit
  • Gewichtszunahme
  • Stimmungsschwankungen
  • Zwischenblutungen
  • Kopfschmerzen
  • Libidoverlust
  • Thrombosen

Müssen sich Frauen, die die Pille nehmen, Sorgen machen? Wir haben hier einige Studienergebnisse dazu aus den letzten Jahren zusammengefasst.

So gefährlich ist die Pille

Wie stark die Gefahr einer Thrombose ansteigt, zeigt eine Studie. Erkranken normalerweise etwa zwei bis vier von 10.000 Frauen an einer Beinvenenthrombose, sind es mit niedrig dosierten Kombinations-Pillen (Mikropillen) etwa drei Mal so viele. Kommen noch weitere Faktoren hinzu, dann steigt die Gefahr für einen Gefäßverschluss oft rapide. Aber nicht nur die Venen sind in Gefahr, auch arterielle Gefäßverschlüsse treten häufiger auf. Sie können zum Beispiel zu einem Schlaganfall führen. Risikofaktoren dafür sind unter anderem Rauchen oder Bluthochdruck.

Bei einer Migräne mit Aura ist die Gefahr eines Schlaganfalls in Kombination mit der Pille um den Faktor zwei bis vier erhöht. Und auch die Krebs-Gefahr steigt. Studien zufolge erhöht die Anti-Baby-Pille sowohl das Risiko an Brustkrebs, als auch jenes an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken enorm. Letzteres war wohl lange Zeit umstritten, wird mittlerweile aber als erwiesen betrachtet.

Für wen ist die Pille geeignet?

Ob die Pille geeignet ist und welches Präparat infrage kommt, entscheidet der Arzt mit Blick auf die individuelle Situation der Patientin. Wenn langfristige Probleme auftreten, sollte auf jeden Fall zeitnah ein Arzt kontaktiert werden. Bei längerer Einnahme können die Nebenwirkungen zurückgehen. Auch kann es Unterschiede bei der individuellen Verträglichkeit je nach Präparat geben.

In Absprache mit dem Arzt kann ein Wechsel des Präparates die Lösung sein. Häufig wird ein Umstieg auf eine Mini-Pille empfohlen, diese haben im Allgemeinen geringere Nebenwirkungen als Kombi-Pillen. Sie eignen sich besonders für Frauen, die Östrogene nicht vertragen.

Gibt es eigentlich auch eine Pille für den Mann?

Die Pille für den Mann gibt es aktuell nicht. "Es wird seit langem daran geforscht. Mittlerweile gibt es aber stattdessen ein zuverlässiges Produkt in Form einer Spritze mit Testosteron und Gestagen, das bereits in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) getestet wurde. Die Spritze muss alle zwei Monate verabreicht werden. Die Ergebnisse waren zunächst vielversprechend: Bei 96 Prozent der Männer war die Wirkung gut", so Dr. Potempa, aber es gibt einen große Haken: "Diese Injektionen schaffen es noch nicht auf den Markt, weil die Nebenwirkungen zu hoch sind. Die Männer leiden unter anderem an Hautproblemen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Depressionen und Libidoverlust. Die Zulassungsbehörde hat deshalb die Genehmigung nicht erteilt." Die Probleme ähneln sehr den Nebenwirkungen der "normalen" Pille für die Frau.

"Die Pille wird verschrieben, als wäre sie ein Bonbon"

Und so sind es weiterhin ausschließlich die Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen. Obwohl viele Experten vor ihren Folgen warnen. Psychologin und Allgemeinmedizinerin Dr. Annelie Scheuernstuhl sagt im Interview mit bildderfrau.de, dass die "Pille verschrieben wird, als wäre sie ein Bonbon". Welche Langzeitfolgen die Einnahme haben kann und welche Gefahren bestehen, das lesen Sie hier im Interview mit der Expertin. Und hier wird die Frage beantwortet, ob direkt nach der Periode eine Schwangerschaftsverhütung unnötig ist.

Mehr zum Thema Sex-Wissen gibt's auf unserer Themenseite.

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Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

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