26.01.2018

Der Sex-Experte antwortet Die Wahrheit über die weibliche Ejakulation

7 Fakten über Sex, die Sie sicher noch nicht wussten

7 Fakten über Sex, die Sie sicher noch nicht wussten
Mi, 18.07.2018, 12.31 Uhr

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Was ist die weibliche Ejakulation? Und welche Bedeutung hat sie beim Sex? Sexualmediziner Dr. Axel-Jürg Potempa gibt die Antworten.

Die weibliche Ejakulation wird umgangssprachlich auch Squirting genannt. Nur etwa jede zweite Frau kann auf diese Weise "kommen". Aber was ist die weibliche Ejakulation eigentlich? bildderfrau.de hat mit dem Sexualmediziner und Buch-Autor Dr. med. Axel-Jürg Potempa über das Thema gesprochen.

Was ist die weibliche Ejakulation?

Dr. Potempa: Die weibliche Ejakulation ist eine vollkommen natürliche Reaktion des weiblichen Körpers. Ihren Ursprung findet sie am G-Punkt. Der wird zwar immer wieder diskutiert – und zwar deshalb, weil nur zwei von drei Frauen diesen G-Punkt bei sich wahrnehmen oder entdeckt haben.

Viele Menschen glauben immer noch, dass Frauen urinieren, wenn beim sexuellen Höhepunkt Flüssigkeit kommt. Einige Frauen versuchen deshalb den Orgasmus zu unterdrücken, weil sie befürchten, auf ihren Partner zu urinieren. Aber das ist nicht so.

Wie entsteht die weibliche Ejakulation?

Bei den meisten Frauen bildet sich im Rahmen der sexuellen Stimulation eine Flüssigkeit, diese wird als das weibliche Ejakulat bezeichnet. Es wird in den Skene-Drüsen gebildet und während des Orgasmus über Öffnungen aus den Drüsen in die Harnröhre oder in den vorderen Scheidenbereich, also in die Vulva, ausgeschüttet. Allerdings nimmt sie nur jede zweite Frau bewusst war. Dabei kann die Menge variieren von ein paar Tropfen bis hin zu 250 Milliliter – und das Ejakulat kann bis zu einem Meter weit spritzen.

Die weibliche Ejakulation kann durch die Stimulation des dichten Nervengeflechts um den G-Punkt und die Skene-Drüsen ausgelöst werden. Diese Drüsen scheinen der männlichen Prostata zu entsprechen und sind somit sexuell stimulierbar. Auf deutsch werden diese Skene-Drüsen Paraurethraldrüsen genannt, das heißt neben der Harnröhre. Somit ist es leicht erklärbar, dass das weibliche Ejakulat als Produkt dieser Drüsen in die Harnröhre abgegeben wird.

Die Skene-Drüsen sitzen genauso wie der benachbarte G-Punkt zwischen der Scheidenvorderwand und der Harnröhre. Aber wie schon gesagt, nicht jede Frau reagiert auf die Stimulation der Skene-Drüsen – und deshalb kann auch nicht jede Frau ejakulieren.

Übrigens sind die Skene-Drüsen bei allen Frauen angelegt, allerdings sind sie oft weniger funktionstüchtig ausgebildet, deshalb die Ejakulation auch nur bei ca. jeder zweiten Frau sichtbar ist.

Woraus besteht das Ejakulat bei einer Frau?

Das Interessante an dieser Flüssigkeit ist, dass sie zweigeteilt ist. Der erste Schub ist dem Urin gar nicht so unähnlich. Er enthält auch Harnsäure, Harnstoff und Kreatinin. Bemerkenswert ist aber der zweite Teil der Flüssigkeit. Dieser enthält PSA, das Prostataspezifische Anti-Gen, das eigentlich vor allem bei Männern vorkommt. Sein Wert ist zum Beispiel ein wichtiger Parameter bei der Krebs-Vorsorge des Mannes. Neben PSA ist auch Glukose, also Zucker, in dieser Flüssigkeit enthalten.

Welche Bedeutung hat die weibliche Ejakulation bei der Frau?

Vor allem der Zucker im Ejakulat hat eine große Bedeutung beim Geschlechtsverkehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Spermazellen des Mannes den Zucker nutzen, um schneller die Eizelle der Frau zu erreichen. Der Zucker in der Flüssigkeit wird zur Energiegewinnung für die Spermazellen verwendet und unterstützt somit die Befruchtung.

Desweiteren wurde bei den ejakulierenden Frauen nach dem Orgasmus im Blut vermehrt das Glückshormon Serotonin und das Geschlechtshormon Östrogen gefunden. Diese beiden Hormone werden auch in den Skene-Drüsen gebildet und anschließend ins Blut abgegeben. Dadurch kann die sexuelle Zufriedenheit der Frau maßgeblich gesteigert werden.

Wie kann die weibliche Ejakulation ausgelöst werden?

Die weibliche Erregung und der Orgasmus werden besonders durch das Zusammenspiel der erogenen Zonen wie Mund, Brustwarzen, Klitoris und innere Schamlippen ausgelöst. Dabei erfolgt im optimalen Falle auch eine Stimulation des G-Punktes und der Skene-Drüsen mit anschließender Ejakulation. Das einfache "Drücken von Knöpfen" reicht nicht aus. Die Stimmung muss stimmen. Die sexuelle Erfüllung einer Frau klappt nur durch das Zusammenspiel und die Stimulation verschiedener Körperregionen.

Was passiert, wenn die Frau den Orgasmus und damit die Ejakulation unterdrückt?

Wenn eine Frau die Ejakulation unterdrückt, geht sie in die Blase. Wissenschaftler bezeichnen diesen Vorgang als retrograde Ejakulation. Das heißt, die Ejakulationsflüssigkeit fließt nicht nach vorne aus der Harnröhre, sondern nach hinten in Richtung Blase. Das ist nicht unbedingt gesund, weil dadurch Bakterien in die Blase zurückgespült werden können.

Aber besonders für die sexuelle Psyche der Frau ist das Unterdrücken der Ejakulation nicht erstrebenswert. Sie sollte niemals auf ihren Orgasmus verzichten, nur weil sie eventuell Angst davor hat, dass sie ihren Partner beim Verkehr mit ihrem Ejakulat benetzen könnte. Frauen sollte bewusst werden, dass die weibliche Ejakulation eine sehr sinnvolle und wichtige Einrichtung der Natur ist.

Wenn Frauen zu selten sexuell aktiv sind, können sie unter einer depressiven Vagina leiden. Erfahren Sie hier, was dahinter steckt. Und haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Männer auch einen Orgasmus vortäuschen? Hier gibt's die Antwort.

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Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

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