Aktualisiert: 17.07.2020 - 09:59

Der Sex-Experte antwortet Gibt es die depressive Vagina wirklich?

Kann eine Frau unter einer depressiven Vagina leiden, wenn sie lange keinen Sex mehr hatte? Hier gibt's die Antwort.

Foto: iStock.com/Wavebreakmedia

Kann eine Frau unter einer depressiven Vagina leiden, wenn sie lange keinen Sex mehr hatte? Hier gibt's die Antwort.

Seit der Serie "Sex and the City" ist der Ausdruck "depressive Vagina" vielen Frauen ein Begriff. Aber was hat es damit auf sich? Ein Sexualmediziner weiß die Antwort und erklärt, was Frauen dagegen tun können.

Die depressive Vagina gibt es wirklich. Bekannt wurde der Ausdruck durch die Serie "Sex and the City": Charlotte hatte ihn benutzt, als sie längere Zeit keinen Sex hatte. Aber was genau ist eine depressive Vagina? BILD der FRAU hat mit dem Sexualmediziner und Buch-Autor Dr. med. Axel-Jürg Potempa über das Thema gesprochen.

Was ist eine depressive Vagina?

Dr. Potempa: "Eine depressive Vagina ist keine Hauterkrankung wie eine Pilzinfektion oder Feigwarzen. Von einer depressiven Vagina ist wirklich die Rede, wenn eine Frau schon lange keinen Sex mehr hatte und sich die Vagina und die Scheide dadurch verändern. Mediziner sprechen in so einem Fall von einer vaginalen Atrophie.

Bei einer depressiven Vagina bilden sich die Kollagenfasern in der Scheidewand zurück und es kommt zur Trockenheit. Außerdem nimmt die Elastizität des Bindegewebes und der Scheidenwand ab. Kommt es dann wieder zum Sex, kann dies zu Problemen führen. Dazu können Beschwerden wie Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen auftreten.

Wie kann eine depressive Vagina verhindert werden?

Die Vagina braucht Pflege. Der regelmäßige Sex mit den Partner oder der Partnerin oder auch die Stimulation alleine hält die Vagina in Schwung. Es geht einfach darum, dass man überhaupt etwas tut, um das Geschlechtsteil sozusagen auf Betriebstemperatur zu halten. Das Vaginalgewebe sollte regelmäßig durch eine Massage durchblutet werden.

Warum wird eine Vagina depressiv?

Das ist eine Schutzvorrichtung der Natur. Wenn man in einer Situation ist, in der der Sex nur stört, dann kann der Körper sich "abschalten" – die Lust nimmt ab. Das tritt zum Beispiel in Phasen auf, in denen ein Partner oder eine Partnerin fehlt und die Frau Selbstbefriedigung nicht mag. Dieses runterfahren der Sex-Lust ist für den gesamten Körper sinnvoll, denn so spart er Energie. Einzig die Vagina leidet darunter.

Eine depressive Vagina tritt vor allem bei Frauen in den Wechseljahren auf. Das hängt mit dem Hormon Östrogen zusammen. Es sorgt unter anderem dafür, dass die Scheidenflora gesund bleibt. Ein Mangel des Hormons macht sich also dort bemerkbar.

Was passiert, wenn eine Frau mit depressiver Vagina plötzlich wieder Sex hat?

Das kann zu Problemen führen, wenn jemand lange keinen Sex hatte und dann wieder loslegt. Häufig ist die Vagina dann einfach nicht bereit für Sex. Aus medizinischer Sicht sollte das Liebesleben deshalb langsam wieder gestartet werden. Der Scheide fehlt häufig einfach die Elastizität und die Durchblutung, das kann zu Problemen und Schmerzen führen.

Ein häufiges Symptom einer depressiven Vagina ist, dass die Scheide nicht richtig feucht wird. In solchen Fällen kann Gleitgel helfen, weil es die natürliche Feuchtigkeit der Scheide ausgleichen kann. Je nachdem wie ausgeprägt das Problem ist, können Frauen auch noch mit lokalen Östrogensalben nachhelfen. Diese Möglichkeit wird meist bei reiferen Frauen genutzt, weil bei ihnen die fehlende Feuchte häufig aufgrund eines Hormonmangels auftritt. Bei jüngeren Frauen sollte man beim Einsatz von Östrogensalben dagegen vorsichtig sein, weil die Salbe Hormone freisetzt, die auch andere Mechanismen im Körper durcheinander bringen können.

Auch der Penis des Mannes oder das Kondom können nach einer langen Sex-Abstinenz die Scheidenflora durcheinander bringen. Treten dadurch Probleme auf, können sie die Partnerschaft gerade am Anfang deutlich belasten.

Dr. Axel-Jürg Potempa arbeitet als Urologe, Androloge, Sexual-, Partnerschaftsmediziner und als Buchautor in München. Mehr Informationen über ihn finden Sie auf seiner Website: www.dr-potempa.jimdo.com/ und auf seiner Facebook-Seite: www.facebook.com/Dr.Potempa

Wer also einer depressive Vagina vorbeugen will, sollte regelmäßig Sex haben. Das hat natürlich noch viele weitere Vorteile, auch diesen hier: Die Vagina, die sich im Laufe des Lebens verändert, altert langsamer. Lesen Sie hier, ob sich jede Vagina für einen Mann gleich anfühlt.

Weitere Artikel und Informationen rund um das Thema Sex gibt's auf unserer Themenseite.

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