Warum schmeckt selbst angebautes Gemüse manchmal trotzdem fad? So beeinflussen Sorte, Dünger und Standort das Aroma in deinem Garten.
In meinem Garten gibt es jeden Monat genug zu tun – ich nehme dich mit durchs Beet, über die Wiese bis ins Gewächshaus. Wir säen, pflanzen, ernten und hoffen natürlich vor allem auf eines: dass sich die ganze Mühe später auch geschmacklich lohnt. Doch genau da wartet manchmal allerdings eine kleine Enttäuschung. Denn nicht alles, was im eigenen Garten wächst, schmeckt automatisch großartig. Es sei denn, du beachtest ein paar Punkte.
Bei mir begann diese Erkenntnis ausgerechnet mit einem einzigen Radieschen. Viele Jahre hielt ich großen Abstand zu Radieschen, ich fand sie zu erdig und zu scharf. Dann bekam ich in einem Schrebergarten ein junges Radieschen der Sorte Rudi zu probieren. Das änderte alles. Seitdem dürfen Radieschen in keinem Gartenjahr fehlen. Und genau da wurde mir klar: Es liegt oft nicht am Gemüse selbst, sondern an der Sorte.
Sorten für jeden Geschmack
Alles begann also mit der schlichten Einsicht, dass Gemüse nicht einfach nur nach Gemüse schmeckt. Es gibt Chilis ohne Schärfe, obstige Paprika, Tomaten mit pfirsichigen, zitronigen oder würzigen Aromen und sogar Rote Bete, die deutlich milder schmeckt als das, was wir aus schlechten Kindheitserinnerungen noch kennen. Es lohnt sich deshalb immer, verschiedene Sorten auszuprobieren. Manche Sorten wurden vor allem auf Ertrag, Gleichmäßigkeit, Haltbarkeit oder Robustheit gezüchtet. Das kann zwar praktisch sein, ist geschmacklich aber nicht gerade von Vorteil. Wer einmal eine wirklich aromatische Salattomatensorte neben einer eher wässrigen Hochleistungssorte probiert hat, weiß ziemlich schnell, was Sorten ausmachen.
Dasselbe gilt bei Möhren, bei denen manche Sorten fast schon fruchtig-süß schmecken, während andere vor allem zuverlässig gleichmäßig wachsen. Und auch bei Zuckererbsen, Buschbohnen oder Kopfsalat gibt es enorme Unterschiede, die man von außen oft gar nicht sieht. Seitdem teste ich Sorten nicht mehr nur auf Ertrag oder Widerstandskraft, sondern immer auf Aroma. Auch meine eigenen Sorten züchte ich vorrangig auf guten Geschmack.
Zu viel Dünger ist nicht automatisch ein Gewürz
Aber auch wenn die Sorte stimmt, ist es möglich, dass in einem Gartenjahr plötzlich nichts mehr so gut schmeckt. Denn auch der Dünger, den du verwendest, kann den Geschmack beeinflussen. Vor allem, wenn du es zu gut meinst mit dem Dünger. Schließlich soll alles kräftig wachsen, sattgrün aussehen und ordentlich liefern. Das Problem ist nur: Viel Wuchs bedeutet nicht automatisch viel Aroma. Gerade eine zu stickstoffbetonte Düngung kann dazu führen, dass Pflanzen zwar üppig wachsen, das Gemüse am Ende aber eher weich, wässrig oder weniger intensiv schmeckt.
Das merkt man zum Beispiel bei Salaten, Kräutern oder manchen Fruchtgemüsen ziemlich deutlich. Man könnte auch sagen: Das Gemüse sieht dann sehr überzeugt von sich aus, hat geschmacklich aber noch Luft nach oben. Ich habe für mich gelernt, dass ausgewogene Versorgung oft mehr bringt als übertriebene Fürsorge. Ein gesunder, lebendiger Boden, reifer Kompost und ein vernünftiges Maß an Dünger helfen meist mehr.
Auch der Standort ändert den Geschmack
Und dann ist da noch das Mikroklima deines Garten. Dieselbe Sorte kann sogar in zwei Gartenecken unterschiedlich schmecken. Mehr Sonne, mehr Wärme, eine geschützte Mauer oder ein eher luftiger Standort, all das beeinflusst, wie sich die Aromen ausbilden. Was an einem warmen, sonnigen Platz wächst, schmeckt oft konzentrierter als das, was an einer kühleren Ecke vor sich hinreift.
Auch das Gießen spielt eine große Rolle. Pflanzen, die zu viel gegossen werden, schmecken oft anders als solche, die gleichmäßig, aber nicht übertrieben versorgt werden.
So schmeckt dein Garten wirklich
Wenn das Gemüse im Garten nicht schmeckt, liegt es selten nur an einer einzigen Sache. Meist ist es eine Mischung. Vielleicht war die Sorte nicht die beste. Vielleicht hast du es mit dem Düngen zu gut gemeint. Vielleicht stand die Pflanze einfach am falschen Ort. Für mich gehört diese Erkenntnis inzwischen ganz selbstverständlich zum Gärtnern dazu. Und vielleicht ist genau das am Ende auch das Schöne daran. Wenn etwas fad schmeckt, ist das kein Scheitern, sondern meistens nur ein Hinweis. Der Garten sagt einem dann ziemlich deutlich: Probier’s nächstes Jahr anders. Mit einer anderen Sorte, etwas weniger Fürsorge und vielleicht ein paar Meter weiter rechts. Denn wenn der Garten gut schmeckt, dann schmeckt er nicht zufällig gut. Dann passt plötzlich vieles zusammen: die Sorte, der Standort, der Boden und manchmal auch einfach der Sommer. Und genau für diese Momente baut man dann doch wieder viel zu viele Tomaten an...