01.02.2019

Genuss mit gutem Gewissen Der WWF Fischratgeber: Welcher Fisch darf noch auf den Tisch?

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Welchen Fisch darf man denn überhaupt noch essen? Verschiedene Siegel und der WWF-Fischratgeber bieten Orientierungshilfe.

Foto: iStock/VLG

Welchen Fisch darf man denn überhaupt noch essen? Verschiedene Siegel und der WWF-Fischratgeber bieten Orientierungshilfe.

Der WWF gibt jährlich seinen aktuellen Einkaufsratgeber für Fisch heraus. Auf diese Fische sollten Sie jetzt verzichten!

Fisch ist gesund, liefert wertvolle Omega 3-Fettsäuren und schmeckt! So weit, so gut! Aber in Zeiten der Überfischung, elend sterbender seltener Tierarten in den großen Schleppnetzen, in Zeiten von mit Umweltgift belastetem Fischfleisch, fragt man sich immer häufiger: Welcher Fisch darf noch auf den Tisch?

Welcher Fisch darf noch auf den Tisch? Darum sollten Sie genau hinsehen

Manche Fangmethoden verursachen viel Beifang, d.h. andere Tiere verfangen sich in den Netzen. In der Regel werfen Fischer Sie zurück ins Meer, oft sterben die Tiere aber an ihren Verletzungen. Nicht nur Fische gelangen in die Netze, auch Delfine, Wale, Seevögel und Meeresschildkröten oder Robben gehören zum Beifang. Nicht selten zerstören Netze oder andere Fanggeräte wichtige Lebensräume, den Meeresboden oder Korallenriffe.

Viele Fischereiexperten raten dazu, den Fischkonsum auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, denn obwohl Fischtheken einen Überfluss suggerieren, seien unsere Meere am Limit, da die Überfischung weltweit zugenommen hat. In Zahlen: 33 Prozent der Fischbestände rund um den Globus sind überfischt, weitere 60 Prozent würden bis an die Grenzen ihrer Regenerationsfähigkeit befischt.

Verbraucher sollten beim Einkauf also genau hinsehen und auf Art, Herkunft und Fangmethode achten. Denn es ist tatsächlich relevant, vorher ein Fisch kommt und wie er gefangen wurde.

Wie erkenne ich Fangmethode und Fanggebiet?

  • Die Verpackung muss Angaben über Fanggebiet und Methode ausweisen. Der WWF empfiehlt, Fische und Meeresfrüchte aus Gebieten zu meiden, die überfischt sind und solche, die mit fragwürdigen Methoden gefangen wurden. Gibt die Etikette auf dem Produkt nicht alle Informationen preis, fragen Sie nach! Wenn Sie keine befriedigende Antwort erhalten, verzichten Sie lieber auf den Kauf.
  • Der WWF bietet auf seiner Seite ein übersichtliches Ampelsystem zur Orientierung an. Der “Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte“ bewertet rund 70 handelsübliche Fischarten nach ökologischen Kriterien wie Fangmethoden und Bestandsentwicklung.
  • Auch das MSC-Siegel bietet Orientierungshilfe: MSC ist die unabhängige Umweltorganisation “Marine Stewardship Council“, die einen Standard für nachhaltige Fischerei formuliert hat, nach dem Fischereien weltweit bewertet und zertifiziert werden können. Laut MSC sollen Produkte mit ihrem Siegel “ausschließlich aus nachweislich nachhaltig arbeitenden Fischereien“ stammen.
  • Wer Fisch aus Aquakultur – also der kontrollierten Aufzucht – essen möchte, kann sich am Bio-Siegel von Naturland und Bioland orientieren. Bio steht für umweltschonende Fischzucht. In der Fütterung werden z.B. Nebenprodukte aus der Speisefischindustrie verwendet, so dass die Wildfischbestände nicht zusätzlich belastet werden. Außerdem gibt Maßnahmen zum Schutz der Gewässer und Chemikalien sowie Medikamente werden nur im Bedarfsfall eingesetzt.
  • Das ASC-Siegel für konventionelle Zuchten gibt ebenso Hinweise. ASC steht für “Acquaculture Stewardship Council“, ein Qualitätsstandard für Fisch und Meeresfrüchte aus “verantwortungsvoller Zucht“.
  • Das Pro-Planet-Siegel kennzeichnet Produkte, die schrittweise in einzelnen sozialen und ökologischen Aspekten verbessert werden. Damit soll nachhaltigerer Konsum in der Breite gefördert werden. Bei der Siegelvergabe wird der gesamte Produktionszyklus betrachtet.
  • Wer frischen Fisch an der Theke kauft: Finger weg von Babyfischen, denn ein Fisch ist erst ab einer bestimmten Größe geschlechtsreif. Er kann sich also noch nicht fortpflanzen und mithelfen seinen Bestand zu sichern. Bitten Sie ihren Fischhändler sicherzustellen, dass Sie adulte Fische kaufen. Damit helfen Sie mit, die Meere wieder “aufzufüllen”.

Welcher Fisch darf denn nun auf den Tisch?

NO GO:

  • Egal welche Sorte Hai, dieses Tier gehört in keinem Fall auf den Speiseplan.
  • Ebenso problematisch ist der Konsum des europäischen Flussaals,
  • des Rochens,
  • des Papageienfischs,
  • sowie des Schnappers.
  • Der WWF rät auch ab vom Steinbeisser,
  • dem Seeteufel,
  • Steinbutt,
  • Stör
  • sowie dem Tintenfisch.

GO:

Unbedenklich sind laut WWF dagegen folgende Sorten:

  • Bio-Forelle und Karpfen aus europäischer Zucht,
  • Austern,
  • der afrikanische Wels und die
  • Sprotte.
  • Empfehlenswert sind laut WWF-Experten auch der Wildlachs aus Alaska, aber nur im Wildfang via MSC-Siegel
  • und der Nordseehering, da hier die Bestände gesund sind.

Bei den beliebten Fischen Lachs und Thunfisch heißt es: genau auf die Zertifizierung achten. So sollte atlantischer Lachs bevorzugt mit ASC- oder Naturland-Siegel gekauft oder auf Bioaquakultur aus Europa geachtet werden. Finger weg heißt es bei Fang über Ringnetze in Norwegen sowie Langleinen und Stellnetze-Kiemennetze in der Ostsee sowie Zucht in Chile. Beim pazifischen Lachs sollten Sie auf Wildfang (MSC) sowie die Fanggebiete Alaska und Kanada im Nordpazifik achten. Tabu sind Fische aus Beringsee im Nordwestpazifik.

Bei Thunfisch wird stark zwischen den Arten unterschieden: Der echte Bonito wird mit MSC-Siegen via Wildfang (nicht aus dem östlichen Pazifik) sowie über Handleinen und Angelleinen im Westpazifik (Indischer Ozean). Das MSC-Siegel gilt auch für den Gelbflossenthun, ebenso der Westliche Zentralpazifik als Fangort über Angelleinen und Handleinen. Im Indischen Ozean über Hand- und Angelleinen gefangener Großaugenthun ist eine gute Wahl sowie der Weißthun mit MSC-SIegen und Wildfang im Pazifik. Thunfisch ist nicht mehr überall so stark überfischt wie noch vor Jahren. Angelverfahren wie treibende Langleinen, mit denen Thunfische weltweit gefangen werden, bergen eine große Gefahr für andere Tiere wie Schildkröten, Seevögel, Haie und Rochen. Außerdem werden so zu viele Jungfische gefangen.

Basis der Unbedenklichkeitsbescheinigung

Und worauf basiert eigentlich diese "Unbedenklichkeitsbescheinigung"? Zwei Beispiele auf welcher Basis Umwelt- und Naturschützer Empfehlungen vergeben.

Karpfen sind grundsätzlich Allesfresser. Die Karpfenzucht mit Zufütterung aber verwendet meist Getreideprodukte als Futter. Fischmehl wird dagegen nur in geringsten Mengen und ausschließlich während einer kurzen Zeit im Frühjahr gefüttert. Da Karpfen also keine oder nur wenig Zufütterung benötigen, belastet die Karpfenzucht die Wildfischbestände nicht zusätzlich. Außerdem ist die Teichzucht besser kontrollierbar als die Zucht in offenen Systemen. Die natürliche Tragkraft der Gewässer bestimmt die Besatzdichten der Karpfenzucht. Diese sind daher niedrig, das bedeutet, die Umgebung wird nicht mit Abwässern belastet.

Austern ernähren sich von organischen Substanzen aus dem Umgebungswasser und benötigen kein zusätzliches Futter. Der Arbeitsaufwand für die Austernzucht ist sehr gering: Bei den Bodenkulturen wachsen die Saataustern innerhalb von drei bis sechs Jahren heran. Hänge- oder Pfahlkulturen nutzen unterschiedliche Befestigungen, an denen die Muscheln wachsen. Die Austern werden dann einzeln per Hand geerntet.

Frisch, tiefgekühlt oder Dose? Ist Fisch immer gesund? Immer mehr Verbraucherachten beim Fischkauf auf nachhaltigen Fang. Aber was ist eigentlich nachhaltiger Fisch? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Beim Fischkauf helfen Siegel und Ratgeber.

Eine Übersicht, welchen Fisch Sie noch bedenkenlos zubereiten können, gibt Ihnen noch einmal der WWF: Hier geht es zum Fisch-Einkaufsratgeber.

Hier geht es zum Fisch-Einkaufsratgeber.

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