07.09.2010

Kann man sich schlau essen?

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Besonderes Essen für besseres Denken - die Idee ist eigentlich nicht neu. Das berühmte Studentenfutter aus getrockneten Früchten und Nüssen verhilft angehenden Akademikern (angeblich) schon lange zu Höchstleistungen.

Unsere Nervenzellen benötigen für optimales Denkvermögen neben ausreichend Energie und Wasser noch viele weitere Nährstoffe.

Energie für die grauen Zellen

Das Gehirn macht bei einem Erwachsenen ca. 2 Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber mit rund 20 Prozent der aufgenommenen Energie mehr Kalorien als jedes andere Organ. Das Gehirn kann lediglich Glucose, also Traubenzucker, als Energiespender verwerten. Kohlenhydrate sind daher das geeignete Gehirnfutter. Für Konzentration und hohe Denkleistungen sollten allerdings Blutzuckerspitzen durch große Zuckermengen vermieden werden. Ein relativ konstanter und eher niedriger Blutzuckerspiegel hingegen verbessert das Denkvermögen.

Nicht nur die Energie spielt eine Rolle

Im Gehirn entstehen durch den besonders hohen Energieumsatz freie Radikale, welche durch antioxidativ wirkende Nährstoffe wie Vitamin A, C und E und Zink und Selen unschädlich gemacht werden. Daher ist es wichtig, dass die zugeführte Nahrung eine hohe Nährstoffdichte besitzt.

Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index wie z. B. Vollkornprodukte und Gemüse, sorgen für einen mäßigen Blutzuckeranstieg und versorgen so das Gehirn regelmäßig optimal mit Energie. Leicht verdauliche Proteine wie sie z. B. in Milch, Milchprodukten, Fisch und Getreideprodukten enthalten sind helfen die Nerven- und Gehirnzellen zu stärken. Cholin ist ein Amin (Derivat des Ammoniaks) und verdient im Zusammenhang mit spezieller Gehirnnahrung, dem sogenannten “Brainfood”, eine besondere Erwähnung. Es ist am Aufbau des Gedächtnis-Botenstoffs Acetylcholin beteiligt und dadurch sehr wichtig für die Signalübertragung und die Lernfähigkeit. Besonders reichlich ist Cholin im Ei enthalten, außerdem in Milch, Leber, Bierhefe, Erdnüssen, Rindfleisch, Fisch, Nüssen, Weizenkeimen und Sojaprodukten.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, besonders Omega-3, unterstützen die Funktion der Zellmembranen. Für das Denkvermögen ist außerdem das Lecithin wertvoll, ein fettähnlicher Stoff, in welchem die ungesättigten Fettsäuren Phospholipide, Phosphatidylserin (PS) und Phosphatidylcholin (PC) vorkommen.

Phosphatidylcholin ist für unser Nervensystem wichtig. Mit einer ausreichenden Zufuhr kann die Hirnfunktion gestärkt und Schäden der Zellmembranen verhindert werden. Phosphatidylserin ist relativ stark im Gehirn konzentriert, wo es besonders an der Nachrichtenübermittlung beteiligt ist. Je besser diese Nachrichtenübermittlung funktioniert, desto höher ist die geistige Leistungsfähigkeit. PS und PC sind Bestandteile einer gehirngerechten Ernährung (Brainfood), in erster Linie kommt PS in tierischen Produkten wie in Eidotter, Milch, Fleisch und Innereien vor. Doch auch Raps, Mais, Sonnenblumenkerne und Sojabohnen enthalten diese hochwirksame Nervennahrung.

Zusatzstoffe stehen im Verdacht, sich negativ auf die Leistung des Gehirns auszuwirken. Zu diesem Thema gibt es zwar viele Studien, aber leider auch die unterschiedlichsten Ergebnisse. Zudem lässt sich an den Studien kritisieren, dass lediglich die Wirkung von Einzelsubstraten getestet wird und nicht die tatsächlich aufgenommenen Kombinationen von Zusatzstoffen mit anderen Lebensmittelinhaltsstoffen.

Für die optimale Gedächtnisleistung ist es wichtig, dass ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird. Ohne große körperliche Anstrengung helfen 2 Liter am Tag, Sauerstoff und Nährstoffe schnell zu transportieren. Ein Flüssigkeitsmangel kann zu einer schlechten Durchblutung, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen führen. Am besten eignen sich Wasser oder ungesüßte Tees. Koffein steigert die Konzentrationsfähigkeit und macht wach, allerdings ist dieser Effekt bei Kaffee bereits nach ca. 2 Stunden verpufft. In grünen oder schwarzen Tees ist das Koffein an Gerbsäure gebunden, wodurch es langsamer an Blut und Hirn abgegeben wird. Limonaden und andere stark zuckerhaltige Getränke sollten gemieden werden, da sie zu einem schnellen und starken Anstieg des Blutzuckerspiegels führen.

Fazit

Rezepte unter der Überschrift "Brainfood", die mehr Intelligenz durch das richtige Essen versprechen, sind Unsinn.

Denn: Fastende können manchmal geistige Höchstleistungen erbringen. Umgekehrt studiert ein voller Bauch nicht gern - weil der Verdauungstrakt dann erst mal alle Energie abzieht und fürs Hirn keine Kapazitäten mehr frei sind.

Aber: Ein leerer Bauch blockiert das Hirn erst recht.

Fazit: Keine Extreme, gut essen und den Genuss nicht vergessen. Die geistige Frische ist außerdem von einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr abhängig. Inwieweit Zusatzstoffe das Denkvermögen beeinflussen, bleibt umstritten. Wer vor einer Prüfung auf Nummer Sicher gehen möchte, lässt diese einfach weg.

Quellen:

1. Menshealth 04-2007: Die besten Lebensmittel für Männer
2. Die Apothekenumschau 02-2007: Clever essen, besser denken
3. Vanessa Specks: Essen Sie sich schlau! in Fit For Fun
4. aid: Brainfood? Können sich Kinder intelligent essen?
5. H.-G. Berner GmbH und Co. KG: Cellagon vitale plus

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