18.11.2010

Gibt es eigentlich Schlacken?

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Die Anhänger des Heilfastens sind davon überzeugt, dass es sie gibt. Schlacken sollen den Körper belasten und sogar krank machen. Wir haben für Sie nachgeforscht, was die Medizin dazu sagt, und wie man die vermeintlichen Übeltäter wieder loswerden kann.

Populär wurde der Begriff “Schlacken” bzw. “Entschlacken” im Zusammenhang mit dem Heilfasten nach Otto Buchinger. Er bezeichnete Schlacken als etwas, das vom Körper nicht verwertet werden kann, in ihm zurück bleibt und dadurch schadet.

Durch den Verzicht auf feste Nahrung erhoffen sich viele Fastende, dass der Körper sich in diesem Zeitraum voll und ganz der “Entgiftung” widmen kann. Fasten soll dadurch Krankheiten vorbeugen und verschiedene Erkrankungen wie Diabetes mellitus II, Gicht, Übergewicht und Migräne heilen.

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Wir schauen für Sie einmal genauer hin und wollen wissen, was die Wissenschaft zum Thema Schlacken sagt. Außerdem interessiert uns, ob Schlacken tatsächlich so schädlich sind und ob Fasten wirklich entschlackt.

Wie funktioniert Fasten?

Ursprünglich ist das Fasten ein religiöser Brauch, um Buße zu tun. Heute fasten jedoch die wenigsten aus streng religiösen Gründen. Im Vordergrund steht eher die Spiritualität, das Abnehmen oder der gesundheitliche Aspekt.

Es gibt verschiedene Ansätze zum Fasten. Jedoch ist der Begriff “entschlacken” durch das Heilfasten des deutschen Arztes Otto Buchinger (1878-1966) geprägt.

Als Einstieg ins 3 bis 4-wöchige Fasten empfiehlt Buchinger, den Darm durch Abführmittel wie Glaubersalz zu entleeren. Außerdem sollen Entlastungstage mit leichter Kost auf die Fastenzeit vorbereiten. Während des eigentlichen Fastens ist nur die Zufuhr von Flüssigkeit vorgesehen. Über den Tag verteilt werden dabei 2,5 bis 3 Liter Tee, Gemüsebrühe, verdünnter Fruchtsaft und Wasser empfohlen. Regelmäßig sind Darmentleerungen vorgesehen.

In der Fastenzeit sollte kein Alkohol, Nikotin, Koffein oder Süßes aufgenommen werden, dafür wird Bewegungs- und Entspannungsmomenten viel Raum gegeben. Ist die Fastenkur beendet, findet nach dem traditionellen Fastenbrechen mit einem Apfel eine langsame (Wieder-)Gewöhnung an das Essen durch leicht verdauliche Lebensmittel statt.

Was sind Schlacken?

Wenn man im Zusammenhang mit Ernährung von Schlacken spricht, ist damit in der Regel alles “Unverbrennbare” gemeint, das im Organismus zurück bleibt.

Das können z. B. sein:

* unverwertbare Mineralstoffe wie Silikate oder Aluminate
* Purine (Harnsäure)
* Kreatin/ Kreatinin
* Pestizide
* Umweltgifte und andere Substanzen z. B. Amalgam
* Stoffwechselendprodukte wie Harnstoff und CO2
* Verbindungen einer unvollständigen Verbrennung wie Ketonkörper

Die Bedeutung von Schlacken im Organismus

Schlacken werden vom gesunden Körper nicht oder nur kurz gespeichert, bevor sie über Niere, Darm, Lunge und Haut ausgeschieden werden. Es gibt also nach rein wissenschaftlichem Verständnis keine Ansammlungen von Schlacken durch nicht verwertbare Nahrungsbestandteile in einem gesunden Organismus.

Ausnahmen gibt es bei bestimmten Erkrankungen wie Gicht. Außerdem akzeptiert die Medizin mittlerweile einige wenige Schlacken, die als lipophil (= fettliebend) bekannt sind. Lipophile Schlacken sind demnach Umweltgifte, welche der Körper nicht einfach abbauen kann, weil sie sich im Organismus an Fett binden.

In der modernen Ernährungswissenschaft ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass viele so genannte Schlacken wie zum Beispiel die phenolischen, sekundären Pflanzenstoffe sogar gesundheitsfördernde Wirkungen mitbringen.

Können Schlacken durch Fasten ausgeschieden werden?

Da dem Körper beim Fasten keine feste Nahrung und somit sehr wenig Energie zugeführt wird, muss er auf seine Reserven zurückgreifen. Dabei sollen durch die hohe Zufuhr an Flüssigkeit Giftstoffe ausgeschwemmt werden.

So einfach ist es jedoch nicht. Der Begriff des “Entschlackens” im Zusammenhang mit Heilfasten ist wissenschaftlich (noch) nicht belegbar. Gerade im Hungerstoffwechsel entstehen nämlich besonders viele Schlacken wie z. B. Purine und Ketonkörper. Lediglich die bereits angesprochenen lipophilen Schlacken können durch den Abbau von Fett ausgeschieden werden.

Wann ist Fasten sinnvoll?

Tatsächlich kann Fasten unter bestimmten Umständen helfen, Krankheiten zu lindern. So können Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel durch eine Spezialkost aus Eiweiß und Mineralstoffen oft wieder unter Kontrolle bringen.

Fasten kann, ebenso wie eine fettarme Ernährung, dazu beitragen, dass sich zu hohe Blutfettwerte normalisieren. Ablagerungen in den Gefäßwänden können zum Teil abgebaut werden. Auch bei Neurodermitis kann Fasten sinnvoll sein. Grundlegend sollten Sie jedoch nur nach Absprache mit Ihrem Arzt fasten.

Menschen mit einem erhöhten Purinspiegel, aber auch Schwangere, Stillende und bestimmte andere Personengruppen sollten generell nicht fasten. Fasten kann Schlafstörungen, Schwindel, Depressionen und Gichtanfälle begünstigen.

Viele Fastende berichten, dass bereits nach einigen Tagen Wohlbefinden und Stimmung steigen und sich sogar Krankheitsbeschwerden bessern.

Allerdings sind diese Effekte sehr subjektiv, denn für den Körper bedeutet der Nahrungsentzug vor allem Stress. Die Konzentration an Serotonin und Adrenalin im Blut steigt besonders in den ersten Fastentagen stark an, was maßgeblich zur gehobenen Stimmung beiträgt. Bereits einige Tage später sinken die Hormonwerte wieder rapide ab und Depressionen, Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit können sich einstellen.

Fazit

Wer eine Anhäufung von Schlacken in seinem Körper vermeiden möchte, ernährt sich am besten abwechslungsreich, ausgewogen und gesund.

Hilfreich ist der Griff zu biologisch angebauten Lebensmitteln, die weitgehend frei von Schadstoffen sind, sowie reichliches Trinken von Wasser. Fast Food und Fertiggerichte mit Zusatzstoffen sind möglichst zu vermeiden.

Fasten kann nach wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht dazu beitragen, den Körper zu entschlacken. Außerdem ist es nicht für jeden Menschen geeignet. Wenn Sie fasten möchten, sollten Sie sich vorher gründlich von Ihrem Arzt untersuchen lassen und sich ggf. während des Fastens professionell begleiten lassen.

Übrigens ist Fasten kein geeignetes Mittel zur Gewichtsreduktion (siehe dazu auch: Schnell schlank durch Fasten).


Quellen:

1. Prof.Dr.Helmut Ebersdobler: “Schlacken” Ernährungsumschau 07/2005
2. Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V.: “Leitlinien zur Fastentherapie” 2002

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