Aktualisiert: 25.06.2021 - 20:49

Keine Lust auf Supermarkt? Essen auf Rädern: Lebensmittel-Lieferdienste im Vergleich

Von Franziska Peter

Die Auswahl wird immer größer: Lebensmittel lassen sich so bequem wie noch nie online bestellen. Aber was unterscheidet die bekanntesten Anbieter voneinander?

Foto: Getty Images/ Luis Alvarez

Die Auswahl wird immer größer: Lebensmittel lassen sich so bequem wie noch nie online bestellen. Aber was unterscheidet die bekanntesten Anbieter voneinander?

Vor allem im Pandemie-Jahr 2020 waren sie die großen Gewinner: Lebensmittel-Lieferdienste, bei denen man online bestellen kann und die die Waren anschließend bequem nach Hause bringen. Immer mehr Wettbewerber drängen auf den Markt – Grund genug für uns, die gängigsten Anbieter einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kaum eine Produktgruppe wächst online so sehr wie Lebensmittel. Während Supermärkte wie Edeka und Rewe schon länger Bringdienste für ihre Waren anbieten, eroberten vor allem im letzten Jahr junge Unternehmen den Liefermarkt. Inzwischen ist das Angebot groß, die Übersicht fällt mitunter schwer. Deshalb haben wir uns die Lebensmittel-Lieferdienste im Vergleich angesehen.

Lebensmittel-Lieferdienste: Ein Vergleich der größten Anbieter

Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 die Welt stilllegte, öffneten Supermärkte weiterhin ihre Türen. Doch viele Kunden wagten nicht mehr den Weg in die Läden, sondern entdeckten eine neue Art des Lebensmittel-Einkaufs: im Internet.

Auch wenn laut einer Umfrage des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung nur 15 Prozent Lebensmittel online bestellten – mit einem Umsatzplus von fast 90 Prozent im zweiten Quartal des vergangenen Jahres boomten die virtuellen Supermärkte trotzdem. Vor allem Familien, die sich plötzlich mit der Kinderbetreuung zu Hause konfrontiert sahen, nahmen den Online-Service häufiger in Anspruch. Hier gaben 31 Prozent an, Einkäufe im Internet zu bestellen.

Aber wo bloß bestellen bei dem großen Angebot? Wie unterscheiden sich die Anbieter, und wer liefert wohin?

Edeka und Rewe: Die Klassiker unter den Lebensmittel-Lieferdiensten

Im klassischen Online-Geschäft ist Rewe aktuell Marktführer. Mit seinem eigenen Online-Shop versorgt das Kölner Unternehmen seine Kunden schon seit März 2011. Damals musste man seine Einkäufe allerdings noch selbst in einem Markt abholen. Das geht auch heute weiterhin, aber seit September 2011 bietet Rewe auch einen Lieferdienst.

Etwas später, nämlich 2017, kaufte die Supermarkt-Kette Edeka den Lieferdienst Bringmeister und startete somit seinen eigenen Lieferservice. Während von Bringmeister nur Kunden aus Berlin, Potsdam, München und Augsburg profitieren, können Online-Shopper über Edeka24 auch deutschlandweit bestellen. Die Waren werden dann über DHL geliefert.

Erst vor wenigen Monaten trennte sich Edeka wieder von Bringmeister und verkaufte den Lieferdienst an ein in Tschechien ansässiges Unternehmen. Nur kurze Zeit später gab der deutsche Supermarkt-Konzern bekannt, beim Online-Lieferservice Picnic eingestiegen zu sein. Auch Rewe besitzt mittlerweile Anteile an einem Neuling im Lieferdienst: Die Kölner sind an Flink beteiligt.

Sowohl Rewe als auch Edeka setzen für die Lebensmittel-Lieferung einen Mindestbestellwert voraus (50 beziehungsweise 40 Euro). Ebenso verlangen beide Supermärkte Lieferkosten. Diese richten sich nach Zeitfenster und Bestellwert. Je eher die Waren gebracht werden sollen, desto höhere Beträge fallen an.

Amazon Fresh: Ein Online-Gigant setzt auf Lebensmittel

Lebensmittel kommen in einem dreistündigen Zeitfenster bis an die Haustür, das verspricht Amazon mit seinem Lieferservice Fresh – zumindest für Prime-Nutzer aus Berlin, Potsdam und München. Hamburg und weitere Städte sollen folgen. Kunden können sich bei der Bestellung entscheiden, ob sie die Einkäufe erst am Folgetag oder schon am selben Tag erhalten möchten. Das soll sogar bei Bestellung möglich sein, die noch bis 19:00 Uhr beim Versandriesen eingehen.

Die Liefergebühren von 3,99 Euro fallen erst ab einem Mindestbestellwert von 80 Euro weg. Für Familien interessant, für Single-Haushalte sicherlich schwerer zu erreichen. Wer die Lebensmittel in einem Zeitfenster von einer Stunde bekommen möchte, zahlt nochmals drauf: Weitere 3,99 Euro (6,99 Euro für Bestellungen unter 80 Euro Warenwert) kostet der Service.

Neben Produkten bekannter Marken umfasst das Sortiment von Amazon Fresh auch Lebensmittel lokaler Produzenten.

Schon gewusst? Der Nutri-Score hilft Ihnen beim Einkauf. Er kennzeichnet, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist. Wir verraten Ihnen, was die Lebensmittel-Ampel aussagt.

Das Corona-Jahr 2020 brachte zahlreiche neue Lieferdienste für Lebensmittel hervor. Was sie von den bisherigen Anbietern unterscheidet: Die Neuen versprechen Lieferzeiten von 15 Minuten und weniger! Manche Bestellung ist bereits in acht Minuten zugestellt.

Den Anfang machte das Start-up Gorillas, das seinen Service seit März letzten Jahres anbietet. Für nur 1,80 Euro Lieferkosten finden Kunden Produkte zu Supermarktpreisen. Das junge Unternehmen konnte sich schnell am Markt etablieren, es beliefert Menschen in aktuell 20 Großstädten.

Einige Monate später öffnete der Bringdienst Flink seine virtuellen Supermarkttüren. Hier belaufen sich die Lieferkosten ebenfalls auf 1,80 Euro, geliefert wird in 24 deutsche Städte. Auch Nachteulen kommen beim Berliner Start-up auf ihre Kosten, denn man kann montags bis samstags bis 23:00 Uhr einkaufen – genauso wie beim Konkurrenten Gorillas. Rewe-Kunden dürften sich dennoch mitunter etwas mehr für Flink interessieren: Der Kölner Supermarkt-Riese verkündete nämlich erst vor wenigen Wochen seine Beteiligung am Online-Neuling.

Ganz frisch im Geschäft ist Getir. Nachdem das Unternehmen bereits 2015 in der Türkei an den Start ging, rollen seine Lieferanten seit Juni zumindest auch in Berlin von Tür zu Tür. Ähnlich wie die Konkurrenz verspricht Getir nur minutenlange Lieferzeiten, Bestellungen bis zum späten Abend und eine Auswahl zu üblichen Supermarktpreisen. Was das Unternehmen aber von Flink und Gorillas unterscheidet? Wie Gründer Nazim Salur gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, ist es zu einem Großteil der Umgang mit den Kurieren, die die Lebensmittel zustellen. So tragen sie die Waren nicht auf dem Rücken und liefern auf längeren Strecken statt mit E-Bikes mit elektronischen Motorrollern.

Das mag zunächst erst einmal positiv klingen. Tatsächlich gerieten die Express-Lieferdienste zuletzt vermehrt in die Kritik: Niedrige Bezahlung, Ärger von Anwohnern und Kündigungen, die Streiks von MitarbeiterInnen nach sich zogen, machten Schlagzeilen. Ob sich Getir in diesen Bereichen wirklich von seiner Konkurrenz distanzieren kann, bleibt abzuwarten. Auch dank im Lieferservice bereits etablierter Firmen wie Delivery Hero und Lieferando, die den Markt der Lebensmittel-Bringdienste weiter aufmischen, bleibt es spannend.

Aber wie ist es überhaupt möglich, Online-Bestellungen in zehn Minuten an der Haustür zu übergeben? Zum einen funktioniert das aufgrund dezentraler Lager, die sich in Wohngebieten der Innenstädte befinden – manchmal sehr zum Ärger der Anwohner, die sich über die Vielzahl der Fahrrad-Kuriere beschweren. Außerdem ist das Angebot kleiner als im Supermarkt und pro Produkt nur eine begrenzte Anzahl verfügbar. In Kombination mit einem durchdachtem Lageraufbau dauert das Zusammensuchen der Lebensmittel nach der Bestellung meist nur eine bis zwei Minuten. So bleiben für den Lieferanten noch gut fünf bis acht Minuten für die Zustellung.

Gute Frage: Wie bezahlen Sie am besten Ihre Online-Einkäufe? Häufig werden Ihnen auf Getir, Flink und Co Google Pay oder PayPal angeboten. Wir informieren Sie im Video, wie sich die zwei Zahlungsdienstleister voneinander unterscheiden:

Google Pay vs. PayPal: Die Vor- und Nachteile der Bezahldienste
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Lebensmittel nachhaltig bestellen: Geht das?

Wer Lebensmittel online kaufen möchte, aber Wert auf Nachhaltigkeit setzt, findet im wachsenden Markt für sich passende Anbieter: So kann man über die Plattform "Too good to go" der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken, indem man am Ende des Tages übriggebliebene Waren von Restaurants, Bäckereien und Co kauft, die ansonsten weggeschmissen werden würden. Ähnliche Konzepte bieten auch "Sirplus" , "The Good Food" und "FAIRteilbar".

Lebensmittelbestellungen in Bio-Qualität können bei den "Marktschwärmern", der "Bio Kiste" oder "bringmirbio" geordert werden. Oftmals arbeiten die Unternehmen mit lokalen Produzenten zusammen, deren Erzeugnisse über die Plattformen nicht selten auch im Abo gekauft werden können.

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Quellen: faz.net, tagesschau.de, shop.rewe.de, bringmeister.de, wiwo.de, t3n.de, rnd.de, 24rhein.de, inside-digital.de, gorillas.io, goflink.com, getir.com

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