Aktualisiert: 27.06.2021 - 18:34

Wie ist das eigentlich? Nachgehakt: Warum enthalten Lebensmittel Mineralöl?

Von Nathalie Trappe

Beim Einkauf achten viele mittlerweile auf gesundheitsschädigende Zusatzstoffe. Warum aber enthalten unsere Lebensmittel auch noch Mineralöle, die nicht gekennzeichnet sind?

Foto: Getty Images/ d3sign

Beim Einkauf achten viele mittlerweile auf gesundheitsschädigende Zusatzstoffe. Warum aber enthalten unsere Lebensmittel auch noch Mineralöle, die nicht gekennzeichnet sind?

Nicht nur für alle, die sich vegetarisch ernähren, hören sich durch Mineralöle verunreinigte Lebensmittel nicht so lecker an. Wir haben uns mal angeschaut, was es damit überhaupt auf sich hat.

Immer wieder kommt es bei Tests von vegetarischen Ersatzprodukten zur Analyse von Mineralöl-Rückständen. Aber sind Mineralöle nicht Verbindungen wie Benzin oder chemische Lösungsmittel? Was macht es dann in unserem Essen? Und ist das dann nicht extrem gesundheitsschädigend? Wir haben uns mal angeschaut, warum Lebensmittel Mineralöl enthalten. Und wie schädlich das für unsere Gesundheit ist.

Wie kommt es dazu, dass Lebensmittel Mineralöl enthalten?

Die Verunreinigung durch Mineralöl geschieht meist nicht auf bewusstem Wege. Vielmehr gibt es im Laufe der Produktionskette mehrere Risikofaktoren, die Mineralöl in das Produkt einschleusen können. Ein Punkt sind hier beispielsweise Maschinen, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Besonders bei Getreideprodukten gehen dabei häufig Mineralöle auf die Lebensmittel über, wenn diese bei der Ernte mit den Geräten in Kontakt kommen.

Der größte Punkt bei Mineralöl-Verunreinigung allerdings ist die Verpackung unserer Lebensmittel. Das beginnt schon beim Transport vor der eigentlichen Fertigstellung des Produktes. Denn selbst bei Verpackungen wie Jutesäcken auf dem Feld entsteht während der Fasergewinnung Mineralöl. Manchmal liegt es auch an Lebensmitteln, die vorher darin transportiert wurden. Kaffeebohnen zum Beispiel werden mit Mineralöl imprägniert. Weiter geht es mit bedruckten Verpackungen. Besonders bei Papier und Plastik können die mit Mineralöl versetzten Farben direkt auf das eingepackte Produkt übergehen. Außerdem sind auch die Verpackungen selbst häufig mit Mineralölen versetzt.

Zu guter Letzt muss man sagen, dass bestimmte Zusatzstoffe auf Basis von Mineralöl entstehen. Diese dürfen in unbegrenzter Menge unseren Lebensmitteln beigesetzt werden. Ein großer Pool an Möglichkeiten also, unser Essen zu verunreinigen. Im Fachjargon wird heutzutage schon von einer mineralölbasierten Gesellschaft gesprochen.

Was genau sind Mineralöle überhaupt?

Ganz einfach gesprochen sind Mineralöle chemische Kohlenstoffverbindungen. Wichtig für die Analyse in Lebensmitteln ist die Unterteilung in drei Gruppen:

  • MOSH = mineral oil saturated hydrocarbons, also gesättigte Kohlenstoffe
  • MOAH = mineral oil aromated hydrocarbons, also aromatisierte Verbindungen
  • POSH = polyolefin saturated hydrocarbons, also gesättigte Kolenstoffverbindungen, die in Plastikverpackungen entstehen

Diese Namen müssen Sie sich nicht unbedingt merken, denn deklariert werden sie auf unseren Lebensmitteln sowieso nicht. Wichtig für das Verständnis der Verunreinigung ist nur, dass es sich bei Mineralölen um chemische Verbindungen handelt, die aus Kohlenstoffen bestehen. Durch seine chemischen Eigenschaften ist besonders MOSH für den Menschen schädlich.

Wie schädlich sind solche Mineralöle für unsere Gesundheit?

Erst seit einigen Jahren können MOSH und MOAH überhaupt in Lebensmitteln nachgewiesen werden. Bis heute ist außerdem unklar, ab welcher Dosierung sie für den Menschen schädlich sind. Klar ist aber, dass zumindest MOSH sich in Leber, Milz und im Fettgewebe anreichern können. Bei Tierversuchen wurden zwar Leberentzündungen festgestellt, jedoch ist unklar, inwiefern das auf uns Menschen übertragbar ist. Bei MOAH wird außerdem vermutet, dass krebserregende Stoffe in der chemischen Verbindung enthalten sind.

Was können wir tun, um weniger Mineralöle aufzunehmen?

Leider ist die bisherige Forschung auch noch nicht weit genug, um Mineralöl-Verunreinigungen gesetzlich zu regeln. Seit einigen Jahren gibt es aber ein EU-Projekt, das Daten von betroffenen Produkten analysiert, sodass zukünftig bessere Grenzwerte angegeben werden können.

Wir als Verbraucher können aber einige Dinge tun, um den unbewussten Verzehr von Mineralölen mit komplizierten Abkürzungen zu vermeiden:

  • Obst und Gemüse unverpackt kaufen, um den Übergang aus Plastik zu umgehen
  • Tiefkühl-Produkte vor dem Auftauen aus der Packung nehmen, so können sich die Stoffe aus dem Druck nicht verflüssigen
  • Produkte mit weitem Transportweg vermeiden, um Zeit in der Großverpackung einzuschränken
  • Fertigprodukte mit langem industriellen Herstellungsprozess vermeiden

Eine vollständige Vermeidung von solchen Verbindungen ist zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg nicht möglich. Wer aber auf eine nachhaltige und regionale Ernährung setzt, kann den Verzehr von toxischen Stoffen zumindest auf ein Minimum reduzieren. Und wie wir ja alle wissen, ist selbst gemacht sowieso immer besser.

Jetzt, wo wir wissen, dass besonders Fertigprodukte mit Mineralölen verunreinigt sind, können wir auf die Suche nach herkömmlicheren Rezepten gehen. Wie wäre es zum Beispiel mit diesen pikanten Gemüsebällchen in Tomatensoße ? Oder mit diesen gefüllten Süßkartoffeln mit Spinat und Feta? Gerade bei hohen Temperaturen geht man davon aus, dass viele Mineralöl-Verbindungen abgetötet werden.

Wenn Sie sich noch weiter für Zusatzstoffe in unserem Essen interessieren, haben wir hier einen Artikel für Sie: Machen Geschmacksverstärker wirklich dick?

Natürlich kann man auch bei vegetarischer Ernährung meist nicht vollständig auf die Lebensmittelindustrie verzichten. Denken Sie aber daran, die Ersatzprodukte nach dem Kauf umzupacken. In unserer Galerie finden Sie die besten Rezepte, die Sie dann mit Tofu zaubern können:

Interessieren Sie sich für das Thema nachhaltige Ernährung? In unserem Video haben wir Veganismus mal unter die Lupe genommen:

Nachhaltige Ernährungsformen: Rettet Veganismus die Umwelt?
Nachhaltige Ernährungsformen: Rettet Veganismus die Umwelt?

Noch mehr zum Ersatzprodukt Nummer 1, dem Tofu, sowie alles zu vegetarischer und veganer Ernährung finden Sie auch auf unseren Themenseiten.

____________

Quellen: rapunzel.de, nutri.agent.de, lgl,bayern.de, eigene Recherche

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe