Aktualisiert: 03.06.2021 - 21:29

Interne Präsentation verrät: Nestlé hält Mehrheit der eigenen Produkte für ungesund

Von Franziska Peter

Eine interne Präsentation, die der Financial Times vorliegt, besagt: Der Lebensmittelkonzern bewertet mehr als 60 Prozent seiner Produkte als ungesund.

Foto: Getty Images/ d3sign

Eine interne Präsentation, die der Financial Times vorliegt, besagt: Der Lebensmittelkonzern bewertet mehr als 60 Prozent seiner Produkte als ungesund.

Süßes, Fettiges, Salziges: Der Lebensmittelkonzern Nestlé verfügt über ein breites Portfolio, dessen Produkte mit Gesundheit oft nicht besonders viel am Hut haben. Jetzt hat das Unternehmen selbst zugegeben, dass es die eigenen Waren als ungesund betitelt.

Nestlé ist der größte Lebensmittelproduzent weltweit. Wahrscheinlich ist bei Ihnen selbst schon einmal ein Produkt des Konzerns in den Vorratsschrank gewandert. Bei Getränken wie Nesquick, Fertigprodukten beispielsweise der Marke Maggi und Süßwaren wie KitKat, Smarties und Co ist es nicht verwunderlich, dass der übermäßige Verzehr der Waren gesundheitlich bedenklich ist. Doch nun hat Nestlé selbst mehr als 60 Prozent seiner Lebensmittel als ungesund eingestuft – das geht aus einer internen Präsentation hervor, die der Financial Times vorliegt.

Nestlé gibt intern zu: Großteil der eigenen Produkte ungesund

Laut der Präsentation erreichen mehr als 60 Prozent der vom Konzern hergestellten Lebensmittel nicht die international anerkannten Gesundheitsstandarts. Selbst wenn sich das Schweizer Unternehmen bemühe, könne es diese Standards mit der Mehrheit seines Portfolios nicht erreichen.

Die Angaben aus der Präsentation schließen bestimmte Bereiche wie Babynahrung, Kaffeeprodukte, Lebensmittel für Menschen mit gesundheitlichen Problemen und Tiernahrung aus. Dennoch erreichen lediglich 37 Prozent eine Bewertung von 3,5 und mehr von möglichen fünf Sternen, wie die Financial Times berichtet. Diese Sternebewertung geht auf ein international genutztes Bewertungssystem aus Austalien zurück.

Im Lebensmittelbereich haben knapp 70 Prozent der Produkte die Grenze von 3,5 Sternen nicht erreichen können. Betrachtet man nur die Getränke, seien es 96 Prozent gewesen, Kaffee nicht mitgezählt. Bei Süßwaren und Eis sogar 99 Prozent!

Die Financial Times schreibt, dass unter anderem ein Wasser mit Orangengeschmack der Marke San Pellegrino innerhalb der Präsentation besonders hervorgehoben wurde: Es erreicht im sogenannten Nutri-Score nur ein E – und damit die schlechteste Bewertung. Treffenderweise stellte die Präsentation in diesem Zusammenhang die Frage: "Sollte eine gesundheitsbewusste Marke ein E bekommen?"

Verbesserung von Produkten: Nestlé verfehlt eigene Ziele

Auch wenn das Unternehmen schon einige Jahre lang versucht, seine Lebensmittel gesünder zu gestalten, indem es etwas Zucker, Salz und ungesunde Fette reduziert, scheinen die Bemühungen nicht so zu fruchten, wie Nestlé es sich wünscht. Es konnte zwar den Anteil von Zucker um durchschnittlich 4,5 Prozent verringern, wie aus der Website Nestlés hervorgeht. Aber die selbst gesteckten Ziele erreichte der Konzern nicht. Die Reduzierung von Salz betrug seit 2017 nur 3,8 Prozent – geplant waren jedoch zehn. Der Zuckergehalt sollte um fünf Prozent reduziert werden. Immerhin bei den Fetten erreichte der Lebensmittelkonzern sein Ziel von einer Minimierung um zehn Prozent.

Laut Financial Times sagt Nestlé selbst, dass es mit Hilfe eines Projektes seine Gesundheitsstrategie überarbeiten möchte, um unter anderem die Verbraucher bei einer ausgewogenen Ernährung zu unterstützen.

Da Nestlé den meisten Umsatz aber mit ebendiesen beanstandeten Produkten erwirtschaftet und Aktionäre zufrieden stellen muss, bleibt abzuwarten, welche Schritte das Unternehmen in dieser Hinsicht wirklich gehen kann. Zumindest vegetarische und vegane Lebensmittel sind aktuell noch Nischenprodukte.

Schon gewusst? Erst kürzlich wurden durch die Verbraucherzentrale Hamburg gleich mehrere Nestlé-Produkte zur "Mogelpackung des Monats" gekürt.

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Quellen: ft.com, manager-magazin.de, gevestor.de, nestle.com

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