Aktualisiert: 17.01.2021 - 19:41

Schlemmen ohne Beigeschmack! Nachhaltig leben: Welcher Fisch darf auf den Teller?

Von Marie-Theres Jung

Nicht alle Fische können Sie mit einem guten Gewissen genießen: Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten sollten!

Foto: GettyImages/VICUSCHKA

Nicht alle Fische können Sie mit einem guten Gewissen genießen: Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten sollten!

Von wegen Meere sind grenzenlos: Schaut man sich die Fischpopulation der Weltmeere an, wird schnell klar: Die Ressourcen sind bereits aufgebraucht. Hier lesen Sie, worauf es beim verantwortungsbewussten Fischkauf ankommt!

Man mag ihn oder man hasst ihn: Fisch! Doch in einem Punkt sind sich wohl alle einig: Fisch ist gesund und sollte mindestens einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Doch können wir überhaupt noch so viel Fisch genießen? Über­fischung, Umwelt­verschmut­zung und Klimawandel setzen den Fischen zu. Stiftung Warentest zeigt, welche Fischarten bedroht sind, wo der Kauf noch akzeptabel ist und wie sich Fisch aus dem Meer von Zucht-Fisch unterscheidet. Wir haben für Sie die Ergebnisse der Forschung zusammengefasst!

Kann Fisch nachhaltig sein?

Alaska-Seelachs, Lachs, Thun­fisch und Hering – diese Fisch­arten mögen die Deutschen am liebsten. 13,3 Kilogramm Fisch und Meerestiere verspeiste jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 2019. Damit ist der Fischkonsum pro Kopf heute doppelt so hoch wie noch vor 50 Jahren.

Das hat für die Weltmeere schreckliche Folgen: Es werden mehr Fische gefangen, als auf natürliche Weise nachwachsen können. Dieses Phänomen heißt "Überfischung" und führte zu einer Halbierung der Fischpopulation innerhalb der letzten 40 Jahre. Außerdem können andere Tiere wie Robben oder Seevögel in den Fangnetzen hängen bleiben und als Beifang auf den Fischerbooten landen. Dort werden die meist tödlich verletzten Tiere "als Müll" auf hoher See entsorgt.

Zum Glück: Sie müssen nicht auf Fisch verzichten, um die Meerestiere zu schützen. Mit einigen Tipps können Sie Fisch kaufen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Nachhaltigkeitssiegel geben erste Orientierung

Stiftung Warentest macht deutlich, dass Bio- und Umweltsiegel vor Überfischung schützen können. Diese bieten eine Orientierung, ob ein Fisch aus nachhaltiger Fischwirtschaft stammt. Ein bekanntes Siegel für Wildfisch ist das Siegel des Marine Stewardship Council, kurz MSC. Allerdings seien einige Fischereien trotz MSC-Zertifizierung nicht empfehlenswert, so die Verbraucherzentrale.

Besser auf Zuchtfisch setzen: Fische aus Aquakulturen sind derzeit meist die bessere Wahl – wenn die Zucht umweltverträglich abläuft und nicht Unmengen an Wildfisch als Futter erfordert. Das Aquaculture Stewardship Council, kurz ASC, ist dabei ein gutes Siegel.

Noch besser mit Bio-Siegel: Der Anbauverband Naturland vergibt ein Siegel für Produkte aus Bio-Aquakultur und Wildfang. Die Zuchtkriterien können eine artgerechte Haltung gewährleisten. Vorgeschrieben sind genügend Platz für die Tiere und der Schutz umliegender Ökosysteme. Gentechnik und Hormone sind absolutes Tabu.

Übrigens: Wenn Sie Wert auf umweltfreundlichen Fisch legen, sollten Sie möglichst auf Fanggebiet und -methode achten. Frische Ware muss vom Händler ausgezeichnet sein. Bei abgepackter Ware fehlen oft die wichtigen Angaben. In diesem Spiel des WWF können Sie sehen, welche Fangmethode am meisten CO2 verbraucht. Mehrmals durchklicken und zum Fisch-Profi werden! Noch mehr Infos rund um nachhaltige Fische finden Sie hier: Der WWF Fischratgeber: Welcher Fisch darf noch auf den Tisch?

MSC-Siegel in Kritik

In einem Siegel-Check hat die Stiftung Warentest die Ziele und Anforderungen des MSC über­prüft. So wurde hinterfragt, ob sich Produkte mit diesem Logo zurück­verfolgen lassen. Das Fazit der Experten: Für eine schnelle Orientierung ist das Siegel berechtigt, doch es könnte höhere Ansprüche stellen, um Über­fischung effektiv zu unterbinden. Die Umweltschutzorganisation WWF fordert, dass der MSC seine Richt­linien nachbessert und unabhängige Kontrollen verstärkt, um glaubwürdig zu bleiben.

So steht es um die beliebten Speisefische

Finger weg!

  • Europäischer Aal: Laut Weltnaturschutzunion ist er durch Überfischung und dreckige Gewässer vom Aussterben bedroht.
  • Wittling: Die Bestände im Nordostatlantik leiden an hoher Sterblichkeit oder sind überfischt. Daher empfehlen die Wissenschaftler einen Fangstopp.

Darf auf den Teller

  • Karpfen: Wird oft in Teichen in großen Mengen gezüchtet. Das anspruchslose Tier braucht kaum Fischmehl und belastet kaum die Gewässer.
  • Regenbogenforelle: Unkritisch aus Zucht nach ASC- oder Bio-Kriterien. Wichtig sind nachhaltige Futterquellen, da er viel Fischmehl und -öl verbraucht.

Mit Bedacht

  • Alaska-Seelachs: Bestände im Nordpazifik werden nachhaltig bewirtschaftet, außer in Teilen des westlichen Beringsee. MSC-Logo ist ein Muss.
  • Atlantischer Lachs: Wildbestände sind meist voll befischt oder überfischt. Besser aus Zuchtbetrieben nach ASC-, EU-Bio- oder Naturland-Kriterien.
  • Thunfisch (Echter Bonito): Wird oft mit Geräten gefangen, die viel Beifang erzeugen. Sollte nicht aus dem Ostpazifik kommen. MSC-Logo ist ein Muss.
  • Hering: In der Ostsee überfangen, in der Nordsee teils auch. Auf das MSC-Logo achten. MSC-Hering könnte künftig aber rar werden.
  • Dorsch/Kabeljau Dorsch aus der Ostsee muss geschont werden. Kabeljau aus der Nordsee sollte MSC-zertifiziert sein, könnte aber rar werden.

Leckere und nachhaltige Fisch-Rezepte

Viele köstliche Rezepte mit Fisch finden Sie auf unserer Themenseite. Kennen Sie schon alle ? Hier finden Sie die nachhaltigen Lieblingsrezepte der Redaktion:

Rezeptideen mit Forelle:

Rezeptideen mit Lachs oder Thunfisch (auf das MSC- oder ASC-Logo achten):

Ohje, Sie hatten viel zu große Augen und jetzt haben Sie noch ganz viel des leckeren Fischgerichtes übrig. Macht ja nichts, kann man ja nochmal aufwärmen, oder? Nachgehakt: Darf ich Fisch zum zweiten Mal erwärmen?

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