09.10.2019

"Öffentlich geächtet" Nach Wurst-Skandal: Wie geht es den Wilke-Mitarbeitern?

Geschlossen: Mitarbeiter des Wilke-Unternehmens stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Foto: imago images/Olaf Döring

Geschlossen: Mitarbeiter des Wilke-Unternehmens stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Der Skandal um Wilke-Wurstwaren ist eines der zentralen Themen der letzten Tage. Die Unsicherheit der Verbraucher ist aber nicht das einzige Problem, denn: Was passiert denn nun mit den rund 200 Mitarbeitern, nachdem das Unternehmen vergangene Woche geschlossen wurde?

Es war wohl der größte Lebensmittel-Skandal der vergangenen Monate: Offenbar sind zwei Menschen verstorben, nachdem sie mit Keimen verseuchte Produkte von Wilke-Wurstwaren verzehrt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Wurst gibt, wurde sogar vom Robert-Koch-Institut mit 99,6 Prozent eingestuft.

Danach überschlugen sich die Ereignisse: Das Unternehmen wurde von den Behörden geschlossen, Insolvenz wurde angemeldet und diverse Supermärkte und andere Anbieter riefen Wilke-Produkte, die im ganzen Land und noch über die Grenzen hinaus verkauft wurden, zurück. Noch immer sind Verbraucher allerorts verunsichert.

Doch bei all den neuen Details, die tagtäglich zur Thematik ans Tageslicht kommen, bleibt eine ganz bestimmte Gruppe auf der Strecke: die ehemaligen Mitarbeiter von Wilke-Wurstwaren, deren Zukunft nun ungewiss ist.

Wilke Wurstwaren: Mitarbeiter in völliger Ungewissheit

Über 80 Jahre Tradition hatte das Unternehmen, rund 200 Mitarbeiter waren zum Zeitpunkt der Schließung eingestellt. Die Kasseler Staatsanwaltschaft hat gegen den Geschäftsführer ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Und die Angestellten? Die stehen nun rat- und planlos da. Offiziell sind sie noch immer eingestellt, da keine Kündigung erfolgt ist. Doch zur Arbeit gehen können sie natürlich auch nicht, da der Betrieb versiegelt ist. Auf den September-Lohn warten sie bislang vergebens.

Einer, der das Unternehmen gut und die Situation gut kennt, ist Andreas Kampmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Er begleitete Mitarbeiter des Unternehmens schon seit vielen Jahren und gab seit Bekanntwerden des Skandals zahlreiche Gespräche. Nicht nur über den Skandal selbst, sondern auch über die Mitarbeiter, die nun um ihre Zukunft bangen müssen. "Ich finde, es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass man den Mitarbeitern nicht entgegentritt von der Firmenleitung, wie es jetzt weiter gehen soll. Man taucht ab, man lässt sie im Ungewissen", so Kampann im Gespräch mit ProSiebenSat.1 Media.

Schwierige Situation für Wilke-Mitarbeiter schon vor der Schließung

Auch sonst hat Kampmann nicht allzu viel Gutes über das Wurst-Imperium zu berichten. Demnach habe es schon früher Schikanen gegen die Mitarbeiter gegeben, von Angst unter den Mitarbeitern war die Rede. In Sachen Gehalt und Prämien seien die Angestellten stets klein gehalten worden.

Und am Ende natürlich besonders fatal: Die Hygieneschulungen waren offenbar nicht auf die jeweiligen Angestelltengruppen abgestimmt gewesen – was natürlich auch zu Mängeln führen kann, die letztendlich diesen Skandal ausgelöst haben könnten.

Was genau dann im Unternehmen Wilke wirklich los war? Darüber äußern sich die Behörden nur äußerst vage. Wilke sei seiner Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollumfänglich nachgekommen, hieß es lediglich. Mittlerweile haben Spezialisten der "Task-Force Lebensmittelsicherheit" den Betrieb zwar untersucht, doch der zugehörige Bericht blieb unter Verschluss und wurde umgehend an die Staatsanwalt Kassel übermittelt.

Mitarbeiter fühlen sich öffentlich geächtet

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht? Ungewiss. Selbiges betrifft die Zukunft des Unternehmens. "Ich befürchte das Schlimmste. Also ich glaube, dass die Firma Wilke mit ihrem Namen den Markt verlassen wird", sagte Andreas Kampmann, der sich der Sorgen der Mitarbeiter angenommen hat. Am Dienstag lud er sie in Korbach zu einem Beratungsgespräch ein. Von den 200 Mitarbeitern kamen nur 70. Laut Informationen der FAZ sei es vielen vor allem darum gegangen, ihrem Ärger gegenüber dem (ehemaligen?) Arbeitgeber Luft zu machen – und auch den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Kampmann gab zu Protokoll, dass die Anwesenden sich als Wilke-Mitarbeiter "öffentlich geächtet" fühlen.

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Mit Listerien ist nicht zu spaßen! Insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die Keime lebensgefährlich sein. Bislang sind offiziell zwei Menschen nach dem Genuss von Wilke-Wurst gestorben – ob sich diese Zahl in Zukunft erhöhen wird, steht noch in den Sternen. Trotz vieler Details, die sich in den vergangenen Tagen aufgetan haben, ist noch immer nicht lückenlos aufgeklärt, wo genau die Waren überall verkauft wurden, hinter welchen anderen Markennamen sie sich befinden.

Wilke Wurstwaren hatte offenbar schon länger Probleme mit der Hygiene. Im März wurden bereits Keime in einem Produkt entdeckt. Es fand offenbar ein interner Rückruf statt – woraufhin Maschinen und Betriebe auf ihre Hygiene hin geprüft werden sollten. Doch auch danach wurden immer wieder Keime in den Produkten gefunden.

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