20.06.2019

Hacker verraten, warum So gefährlich ist die Thermomix-Alternative von Lidl

Günstig aber leider auch mit einem Sicherheitsrisiko behaftet: der "Monsieur Cuisine Connect", die kostengünstige Thermomix-Alternative von Lidl.

Foto: imago images/CHROMORANGE

Günstig aber leider auch mit einem Sicherheitsrisiko behaftet: der "Monsieur Cuisine Connect", die kostengünstige Thermomix-Alternative von Lidl.

Multifunktionale Küchengeräte erfreuen sich großer Beliebtheit – so auch der "Monsieur Cuisine Connect", die kostengünstige Thermomix-Alternative aus dem Hause Lidl. Doch so attraktiv das Angebot für potentielle Käufer auch sein mag: Es birgt immense Sicherheitsrisiken!

Einer der absoluten Verkaufsschlager in den Reihen der besonderen Angebote aus dem Hause Lidl ist die Thermomix-Alternative "Monsieur Cuisine Connect". Im Jahr 2018 sorgte der smarte Küchenhelfer in den deutschen Filialen des Discounters für Aufregung – zuletzt auch beim Verkaufsstart in Frankreich, wo sich tumultartige Szenen abspielten. Grund genug für zwei französische Hacker, sich das Gerät mal ganz genau anzuschauen. Ihr Test förderte Besorgniserregendes zu Tage.

Thermomix-Alternative von Lidl: Ein Sicherheitsrisiko?

So ein Thermomix ist schon eine feine Sache: Er besitzt diverse Funktionen und verkörpert gleich mehrere Küchengeräte in nur einem Produkt. Das spart Platz, ist überaus praktisch – und für viele Menschen leider auch kaum bezahlbar. Um die 1.400 Euro muss man derzeit für das neueste Modell hinlegen. Kaum verwunderlich also, dass sich manch ein Interessent nach einer kostengünstigeren Alternative umsieht.

Und siehe da: Der "Monsieur Cuisine Connect" von Lidl ist mit 359 Euro nicht nur wesentlich günstiger, er besitzt auch noch ein schickes Touchdisplay und kann kochen, rühren, wiegen, zerkleinern, pürieren und vieles mehr. Eine der Funktionen ist allerdings nicht im Datenblatt der Küchenmaschine aufgeführt: Offenbar kann das Gerät auch abhören!

Wozu braucht ein Küchengerät ein Mikrofon?

Nachdem Lidl den "Monsieur Cuisine Connect" vor wenigen Tagen in französischen Filialen verkaufte, waren die Kunden völlig außer Rand und Band. Jeder wollte die multifunktionale Maschine haben, am besten gleich zwei Exemplare. Einige Videos von kaufwütigen Franzosen schwirrten durch das Internet.

Doch ist dieser Hype überhaupt berechtigt? Das fragten sich auch zwei französische Hacker, die das Gerät genauer unter die Lupe nahmen. Für das Magazin "Numerama" zerlegten die Sicherheitsexperten Alexis Viguie und Adrien Albisetti den Kassenschlager und fanden – erstaunlicherweise – ein Mikrophon. Ein solches ist weder im Datenblatt des Geräts aufgeführt, noch wird es zur Bedienung der Küchenmaschine benötigt. Warum existiert es also überhaupt?

"Numerama" befragte den Discounter zum Nutzen des verbauten Mikrofons. Laut Lidl sei es vorsorglich installiert worden, um bei künftigen Updates gegebenenfalls die Möglichkeit der Sprachsteuerung des Geräts anbieten zu können. Netzwelt.de erhielt auf Nachfrage eine ähnliche Antwort: Demnach sei beim Gerät für das Display ein handelsübliches Tablet verbaut worden – und das ist eben standardmäßig mit einem Mikrophon ausgestattet, das für den "Monsieur Cuisine Connect" allerdings deaktiviert worden sei. Ob dem wirklich so ist, kann ein Laie allerdings kaum selbst herausfinden.

Veraltete Software sorgt für weitere Risiken

Apropos integriertes Tablet – hier verbirgt sich auch gleich die nächste Sicherheitslücke des Geräts: die veraltete Software. Das Tablet läuft auf der Softwareversion Android 6, obwohl die derzeit aktuellste Version Android 9 ist. Eine solch veraltete Software macht es computeraffinen Gaunern besonders leicht, auf das Gerät zuzugreifen. Im Netz kursieren Videos von Hackern, die sich ins System einer "Monsieur Cuisine Connect"-Küchenmaschine eingehackt und dann auf dem Touchdisplay Computerspiele gespielt haben. Für diesen Zweck wurde das Display natürlich nicht verbaut. Und wenn es schon möglich ist, Spiele auf der Maschine zu spielen, dann ist es Hackern mit unlauteren Gedanken ziemlich sicher auch möglich, das Mikrofon einzuschalten und Haushalte auszuspionieren. In Sachen Sicherheit eine absolute Katastrophe!

Regelmäßige Updates sollen Sicherheitslücken schließen, so Lidl gegenüber "Numerama" – doch wie sich zeigt, stammt das aktuellste Patch aus dem März 2017. Summa summarum eher beunruhigend. Kaum verwunderlich, dass die Experten den "Monsieur Cuisine Connect" für ein immenses Sicherheitsrisiko halten und empfehlen, das Gerät besser nicht ans Internet anzuschließen.

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Auch der neue Thermomix selbst sorgte kürzlich für Shitstorm im Netz. Was genau da los war, sehen Sie auch in unserem Video:

Drama um neuen Thermomix: Darum wollen Kunden klagen

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