08.02.2019

Kleine Kaffeekunde Was bedeutet eigentlich 'Arabica' und 'Robusta'?

Kaffee ist nicht gleich Kaffee – wir verraten Ihnen mehr über die verschiedenen Sorten.

Foto: iStock/amenic181

Kaffee ist nicht gleich Kaffee – wir verraten Ihnen mehr über die verschiedenen Sorten.

Für manche ist ein Kaffee einfach nur gut oder schlecht, stark oder schwach. Dabei gibt es so viele Kaffeesorten, die sich in besonderen Facetten voneinander unterscheiden. Wir klären auf!

Wer im Supermarkt vor dem Kaffeeregal steht, greift meist instinktiv zu und wählt eine bestimmte Sorte einer bestimmten Marke. Die Auswahl erfolgt für gewöhnlich nach Erfahrungswerten – man weiß, dass eine bestimmte Sorte schmeckt und so landet sie immer wieder im Einkaufswagen. Haben Sie aber auch schon mal vor dem umfangreichen Sortiment gestanden und sich gefragt: "Was bedeutet eigentlich 'Arabica'? Was ist mit 'Robusta' gemeint? Und was soll 'Dark Roast' bedeuten?" Wir erklären Ihnen, was es mit den verschiedenen Kaffeesorten auf sich hat.

Kaffeesorten: Die Kaffeeart ist die grundlegende Basis

Es gibt die verschiedensten Aspekte, die jedem Kaffee einen individuellen, besonderen Geschmack verleihen. Doch sie alle haben eine gemeinsame Basis: die Art des Kaffees – also quasi von welcher Pflanze der Kaffee abstammt. Es gibt insgesamt über 100 verschiedene Arten, doch sind es vor allem zwei bestimmte, die den Markt dominieren: Coffea Arabica und Robusta. Dazu kommen ein paar weitere, meist sehr noble Sorten. Wir erläutern Ihnen im Folgenden die Besonderheiten und Unterschiede.

Arabica ist der weltweite Liebling

Arabica ist die beliebteste Sorte – sie stellt knapp 70 Prozent des weltweiten Kaffeeanbaus. Arabica-Kaffee ist auch unter den Begriffen Java- oder Bergkaffee genannt. Die Bezeichnung Bergkaffee rührt daher, dass der Kaffee üblicherweise im Hochland, über 1.000 Höhenmetern angebaut wird. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Sträucher dieser Sorte anfällig sind und ein stabiles, kühles Klima (zwischen 18 und 22 grad Celsius) benötigen. Bei dieser Temperatur dauert es zwar länger, bis die Kaffeekirschen optimal gereift sind, doch so entwickeln sie ein vielfältiges Aroma, das man am Ende auch am fertigen Kaffee schmecken kann.

Besonderheiten: Arabica-Kaffee schmeckt ausgewogen und komplex zugleich und hat dabei ein leicht fruchtiges Aroma. Er enthält circa 1,5 Prozent Koffein (genaue Menge varriiert) und ist im Vergleich zu anderen Kaffeesorten recht säurearm, weshalb er weniger bitter schmeckt und auch magenfreundlicher ist. All das sind Merkmale, warum die meisten Menschen am liebsten Kaffees aus Arabica-Bohnen trinken.

Die Silbermedaille geht an Robusta

Robusta ist mit etwa 30 Prozent des weltweiten Kaffeeanbaus die zweitpopulärste Kaffeeart auf der Welt. Robusta ist auch als "Tiefland-Kaffee" bekannt – und daran lässt sich auch schon einer der Unterschiede zum Arabica-Kaffee ausmachen. Während letzteres bei eher kühlen Temperaturen im Hochland wächst, ist Robusta eher kälteempfindlich und gedeiht besser bei höheren Temperaturen. Dadurch schmeckt der Robusta-Kaffee nicht so facettenreich wie Arabica-Kaffee, hat aber dafür andere geschmackliche Besoderheiten.

Besonderheiten: Robusta-Kaffee zeichnet sich durch ein erdiges, holziges Aroma aus und ist leicht bitter. Klingt nicht für alle Kaffee-Fans sehr ansprechend, doch es gibt Genießer, die eben jenen Geschmack besonders zu schätzen wissen. In Italien zum Beispiel bevorzugen viele den Robusta-Kaffee, weil er einen geringeren Ölgehalt hat als Arabica, was angeblich für eine besonders lang anhaltende Crema sorgen soll.

Schön stark: Liberica

Diese Kaffeeart spielt auf dem Weltmarkt kaum eine Rolle. Die Bohnen sind sehr hart und enthalten kaum Zucker, dafür aber eine Menge Koffein. Geschmacklich kann Liberica nicht an die Aromen eines Arabicas oder Robustas heranreichen. Einen Boom erlebte die in Dschungelgegenden gedeihende Kaffeeart in den 1980er Jahren, als ein bestimmter Schädling weltweit einen Großteil der Arabica-Ernte zerstörte. Mittlerweile ist Liberica allerdings wieder in Vergessenheit geraten und es ist äußerst schwierig, reinen Liberica im Handel zu finden.

Besonderheiten: Die einen lieben Liberica, andere wiederum gar nicht. Manch einer findet den Geschmack schlicht holzig, andere empfinden ihn als fruchtig und rauchig. Geschmack, der polarisiert!

Eine Delikatesse: Excelsa

Excelsa ist eine weniger bekannte Kaffeesorte und ist eine Variante des Libericas. Sie macht gerade einmal ein Prozent der weltweiten Kaffee-Produktion aus und ist wirtschaftlich gesehen eher irrelevant. Bei Kennern gilt sie aber als absolute Delikatesse und ist überaus selten. Der Exportanteil ist sehr gering, weshalb diese Kaffeesorte hierzulande meist nur in speziellen Fachgeschäften erworben werden kann und dabei ziemlich teuer ist. Entdeckt wurde Excelsa Anfang des 20. Jahrhunderts im Westen Afrikas – entsprechend kommt die Pflanze mit den tiefen Wurzeln in sehr trockenen Gegenden bestens zurecht und benötigt nur wenig Regen. Das wirkt sich natürlich auch auf den Geschmack aus.

Besonderheiten: Durch die warme, trockene Umgebung erhält der Kaffee einen sehr starken und zugleich erdigen Geschmack, der für manchen Gaumen eher gewöhnungsbedürftig erscheint. Es gibt sogar Menschen, die reinen Excelsa geschmacklich eher in der Nähe von Scotch sehen, als bei Kaffee. Klingt doch ziemlich interessant und sollte zumindest einmal ausprobiert werden.

Kopi Luwak – eine Frage des Gewissens?

Außergewöhnlicher Name – noch außergewöhnlicherer Kaffee! Kopi Luwak ist eine der weltweit erlesensten, teuersten Kaffeesorten und ist auch als "Katzenkaffee" bekannt. Das kommt nicht von ungefähr. In diesem Fall ist es nicht die Pflanzenspezies, die Kopi Luwak zu etwas Einzigartigem machen – es ist einfach eine Mischung aus Arabica, Liberica und Excelsa. Das Besondere ist mehr die spezielle Art der Gewinnung: Bei Kopi Luwak durchwandern die Kaffeekirschen den Darmtrakt sogenannter "Schleichkatzen" und bekommen erst auf diesem Wege ihr erdiges, Schokoladen-ähnliches Aroma.

Das Ganze hat aber seine Schattenseiten: Für die Schleichkatzen bedeutet die Prozedur eine echte Quälerei. Sie werden in Käfige eingesperrt und bekommen nichts als Kaffeebohnen zu essen – wobei ihr natürlicher Speiseplan eigentlich viel abwechslungsreicher ist.

Wenig Kaffeearten, viele Kaffeesorten

Sie sehen: Am Ende sind es nur ganz wenige Kaffeearten, die die Basis aller Kaffeesorten ausmachen. Für gewöhnlich gehen beinahe alle hierzulande im Supermarkt erhältlichen Kaffees auf Arabica- und Robusta-Bohnen zurück. Trotzdem gibt es in der Welt der Kaffees natürlich nicht nur zwei Geschmäcker – neben den Kaffeearten haben noch viele weitere Faktoren Einfluss auf Aroma und Geschmack.

  • Anbau/Ernte: Wie bereits erwähnt, wachsen die verschiedenen Kaffeearten bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, wodurch das Anbaugebiet natürlich auch Auswirkungen auf den Geschmack des Kaffees hat. Kenner können zum Teil sogar am Aroma erkennen, aus welchem Land ein Kaffee kommt. Beliebte Anbauländer für Arabica sind zum Beispiel Hawaii und Kolumbien.
  • Verarbeitung: Manch eine Kaffeebohne wird nach der Ernte trocken, andere wiederum feucht verarbeitet. Beide Varianten bergen Vor- und Nachteile und haben selbstredend auch Einfluss auf den Geschmack. Es gibt bei der Verarbeitung Mischformen, die einem Kaffee ebenfalls spezielle Noten verleihen können. Und damit nicht genug: Es gibt noch viele weitere Handgriffe und Techniken, die den Geschmack eines Kaffees verändern können – etwa der Einfluss von mehr Luftfeuchtigkeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg.
  • Mischung: Manche Kaffees sind eine ganz bestimmte Art aus einem ganz bestimmten Anbaugebiet – das nennt sich Single Origin. Es gibt aber durchaus auch die Möglichkeit, verschiedene Kaffeearten aus unterschiedlichen Gebieten miteinander zu mischen. Solche Sorten nennen sich Blends und diese ermöglichen es unter anderem, kostengünstigeren Kaffee zu produzieren und zu verkaufen, da den teureren Sorten "günstiger" Kaffee beigemischt wird. Die Mischverhältnisse bestimmen dann natürlich nicht nur das Preisverhältnis – durch die Kombination verschiedener Nuancen kommen auch die verschiedensten Geschmacksrichtungen zusammen.
  • Röstung: Welche Kaffeesorte man am Ende erhält, ist ganz entscheidend auch von der Röstung abhängig. Bohnen, die nur sehr kurz geröstete werden (Light Roast) sind recht säurehaltig und haben eine leichte Zitrusnote im Geschmack. Der sogenannte Medium Roast wurde mittellang geröstet, wodurch er besonders ausgewogen schmeckt und alle Komponenten gut ausbalanciert sind. Am längsten wurde der Dark Roast-Kaffee geröstet, wodurch diese Sorte sehr kräftig, rauchig und schokoladig schmeckt. Beim Grad der Röstung hat jeder individuelle Vorlieben. Doch wichtig ist, dass der Kaffee frisch geröstet sein sollte, damit er wirklich gut schmeckt.

Kaffeesorten: Probieren geht über Studieren

Ja, beim Kaffee gibt es wirklich viele Faktoren, die den Geschmack letzten Endes beeinflussen. Robusta, Dark Roast, Blend – bei so vielen neuen Begriffen will doch jeder einen genaueren Blick auf die Verpackung der eigenen Lieblingssorte werfen. Vielleicht fühlen Sie sich nun auch animiert, neue Sorten mit anderen Röstungsverfahren oder aus anderen Anbaugebieten zu testen – und die feinen Unterschiede heauszuschmecken. Und wer weiß? Vielleicht finden Sie ja eine neue oder eine weitere Lieblingssorte?

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Immer wieder mal wird darüber diskutiert, ob Kaffee eigentlich gesund oder ungesund ist. Immerhin: Erst kürzlich kam in einer Studie heraus, dass der Konsum von Kaffee zum Beispiel für ältere Frauen sowie gegen Demenz vorteilhaft sein kann.

Mal davon abgesehen ist Kaffee – ob nun als Cappuccino, als Eiskaffee oder schlicht pur und schwarz – einfach nur lecker! Und ganz nebenbei ist bereits verwendetes Kaffeepulver eine kleine Wunderwaffe im Haushalt.

Alle weiteren Ratgeber und inspirierende Rezepte rund um kalte und warme Getränke finden Sie auf unserer Themenseite.

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