11.01.2019

Ernährungsreport 2019 Die Deutschen mögen es gesund – eigentlich...

So isst Deutschland – und das kommt bei der Ernährungsministerin auf den Teller

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Mi, 09.01.2019, 15.34 Uhr

So isst Deutschland – und das kommt bei der Ernährungsministerin auf den Teller

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Jährlich werden die Essgewohnheiten der Deutschen anhand einer repräsentativen Umfrage unter die Lupe genommen. Die aktuellsten Ergebnisse wurden gerade veröffentlicht – und sie sind erstaunlich.

Alle Jahre wieder... befragt die Bundesregierung die Deutschen nach ihren Essgewohnheiten. Die Ergebnisse der letzten Befragung wurden in dieser Woche von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin vorgestellt. Und bei der Auswertung des Ernährungsreports 2019 wurde klar: Die Deutschen mögen es gesund – eigentlich.

Ernährungsreport 2019: So oft kochen die Deutschen

Für die repräsentative Umfrage wurden rund 1.000 Verbraucherinnen und Verbraucher verschiedener Altersgruppen befragt – und es kam allerlei Erstaunliches zum Vorschein.

Demnach haben 74 Prozent der Deutschen – und zwar in jeder Altersgruppe – großen Spaß am Kochen, was allerdings nicht bedeutet, dass sie sich täglich an den Herd stellen:

  • 40 Prozent kochen jeden Tag
  • 37 Prozent kochen zwei- bis dreimal in der Woche
  • 5 Prozent kochen weniger als einmal in der Woche
  • 10 Prozent kochen gar nicht

Und wenn dann schon gekocht wird, dann legen scheinbar viele Befragte Wert auf einfache Zubereitung – 48 Prozent, um genau zu sein. Das wird in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen besonders stark vertreten, was vermutlich auf die Vollzeit-Berufstätigkeit zurückzuführen ist. 52 Prozent der älteren Befragten bzw. Rentner wiederum nehmen sich mehr Zeit fürs Essen, 42 Prozent kochen auch häufiger. Nichtsdestotrotz: Mehr als die Hälfte der Rentner sagen, genauso oft in Restaurants essen zu gehen wie noch zu Zeiten der Berufstätigkeit.

Und tatsächlich: Generell nutzen Deutsche hier und da "außer Haus"-Möglichkeiten. Laut Ergebnissen der Umfrage stattet rund ein Viertel der Männer aller Altersstufen einmal wöchentlich der Kantine einen Besuch ab, beinahe genauso viele besuchen einmal pro Woche ein Restaurant, und 6 Prozent bestellen sich einmal pro Woche Essen bei einem Lieferanten. Frauen nutzen solcherlei Angebote seltener: Nur 13 Prozent besuchen die Kantine, 14 Prozent ein Restaurant, und 5 Prozent bestellen Essen bei einem Lieferservice (alle drei Angaben durchschnittlich auf eine Woche bezogen).

Auch Sie haben nicht viel Zeit zum Kochen? Dann finden Sie hier unsere Auswahl an schnellen Rezepten.

Das essen die Deutschen

Deutschland hat den Ruf, ein regelrechtes Fleischfresser-Land zu sein. Der Ernährungsreport mildert dieses Klischee ein wenig. Das Ergebnis der Umfrage:

  • 71 Prozent essen täglich Obst und Gemüse
  • 64 Prozent essen täglich Milchprodukte
  • 28 Prozent essen täglich Fleisch und Wurst
  • 23 Prozent essen täglich Süßes oder herzhafte Snacks

Bei einem Drittel der befragten Verbraucher landet also täglich Fleisch auf dem Teller – immerhin durchschnittlich 6 Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Dennoch zählen laut Report Fleischgerichte zu den absoluten Leibspeisen der Deutschen: 33 Prozent der Befragten gaben an, dass Schnitzel, Braten und Gulasch zu ihren Lieblingsgerichten gehören; jeder Sechste gab an, besonders Nudelgerichte zu bevorzugen, während gerade einmal 10 Prozent Salat und Gemüsegerichte zu den Favoriten zählen.

Übrigens – konsequent auf Fleisch verzichten nur wenige: Lediglich 6 Prozent der Teilnehmer erwiesen sich als Vegetarier und nur 1 Prozent als Veganer.

Das ist den Deutschen beim Essen wichtig

Wenn es darum geht, worauf es den Deutschen beim Essen ankommt, haben sie eine klare Vorstellung: In der Umfrage gaben 91 Prozent an, dass ihnen Gesundheit bei der Ernährung besonders wichtig sei – 95 Prozent äußerten auch die Meinung, dass Kindern die Grundlagen gesunder Ernährung bereits in der Schule beigebracht werden sollten.

Und die Ergebnisse des Reports zeigen: Zumindest in der Theorie scheinen die Deutschen mehr Bewusstsein zu entwickeln. Eigenen Angaben zufolge legen die Teilnehmer beim Einkauf großen Wert auf Gütesiegel – 50 Prozent achten auf das Bio-Siegel, 42 Prozent auf das Tierwohl. Insbesondere der Umgang mit Tieren scheint den Befragten sehr wichtig zu sein. Immerhin 86 Prozent ist es beim Kauf von Produkten tierischen Ursprungs wichtig, wie die Tiere gehalten wurden. Ein staatliches, unabhängiges Tierwohlkennzeichen würde das Erkennen bestimmter Produkte erleichtern, weshalb sich 81 Prozent ein eben solches wünschen. Viele wären sogar bereit, mehr Geld zu zahlen, wenn das konsumierte Fleisch denn auch tierfreundlich produziert wurde. Sage und schreibe 50 Prozent würden pro Kilo 5 Euro mehr zahlen, 22 Prozent sogar 10 Euro mehr.

Bei all dem Wunsch nach gesunder Ernährung sowie tier- und umweltfreundlichen Lebensmitteln darf man aber am Ende nicht vergessen, was bei den Befragten auf Platz 1 der Liste der wichtigsten Aspekte am Essen rangiert: Das Essen muss schmecken – und das denken ganze 99 Prozent. Ein Aspekt, der auch Konsequenzen hat.

Fazit: Gesundes Essen ist wichtig – aber vor allem in der Theorie

Am Ende klingt der Gesamttenor der Umfrage doch eigentlich ziemlich gut: Die Deutschen interessieren sich sehr für gesundes Essen, legen Wert auf tier- und umweltfreundliche Lebensmittel und denken zunehmend nachhaltig. So weit aber vor allem die Theorie, denn in der Realität lassen sich diese Aussagen kaum belegen.

Der Bedarf nach leckerem Essen scheint am Ende mehr zu zählen als der nach gesundem Essen – was aus Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2018 hervorgeht. Demnach sind 50 Prozent der deutschen Frauen übergewichtig, bei Männern sind es sogar 65 Prozent.

Und auch wenn die Menschen in der Theorie gern mehr für Fleisch zahlen würden, wenn es denn aus artgerechter Haltung stammt: Am Ende greifen viele doch zu Waren aus dem Angebot mit nahezu lächerlich niedrigen Preisen. Aber das ist ein anderes, sehr umfangreiches Thema...

Der Ernährungsreport 2019 sieht vielversprechend aus – doch die rein logische Kluft zwischen den bei der Umfrage gegebenen Antworten und der Realität ist nicht zu übersehen. Kaum überraschend, findet zumindest Manfred Güller vom Meinungsinstitut Forsa. "Wir wissen, dass das gesagt wird, aber nicht getan wird".

Das Bewusstsein ist also da, doch an der Umsetzung hapert es noch. Es wird Zeit, das erworbene Bewusstsein wirklich zu verinnerlichen und somit eine gesündere Zukunft für den Menschen und mehr Nachhaltigkeit für Tiere und Umwelt zu realisieren.

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Wer den Ernährungsreport 2019 im Detail lesen möchte, wird hier fündig.

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