29.03.2017

Interview Immer auf der Suche nach den besten Restaurants

Man könnte fast behaupten, dass sich das Leben von Sophia und Maria (und Kai) nur um's Essen dreht.

Foto: In Search of

Man könnte fast behaupten, dass sich das Leben von Sophia und Maria (und Kai) nur um's Essen dreht.

Wenn man sich für die neuesten Restaurants und Food-Trends vor allem in Berlin interessiert, kommt man an einem Blog nicht vorbei: In Search Of.

Hinter dem Blog "In Search Of" stecken die Zwillinge Maria und Sophia Giesecke und Kai Kreuzmüller. Zog das Trio die Leser langezeit auf anderen Blogs und Webseiten in seinen Bann, haben sie irgendwann gemerkt, dass sie ein eigenes virtuelles Zuhause für ihre Abenteuer brauchten. So erblickte In Search Of das Tageslicht.

Beeindruckende schöne Bilder, manchmal auch Mut zur Hässlichkeit und die Bereitschaft jede Menge Spaß zu haben (und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen) zeichnen ihren Blog aus.

Wir wollten ein paar ihrer Geheimnisse auf die Schliche kommen und mussten die drei, die sich selbst nicht als Influencer bezeichnen würden, einfach mal treffen.

bildderfrau.de: Beschreibt mal „In Search of“ in 3 Worten.

Kai: IN SEARCH OF.

Maria: Lustig, Neugierig, Fair

Sophia: Auf der Suche.

"Wir lieben die Zusammenarbeit mit verschiedenen Medien"

Ihr seid schon länger umtriebig gewesen in der Berliner Bloggerszene, aber nie mit eigenem Blog. Wieso habt ihr beschlossen nun doch euer eigenes Ding zu machen?

Maria: Es ist immer total toll, mit verschiedenen Medien zusammenzuarbeiten. Dadurch haben wir viele Möglichkeiten und genießen es total, mit anderen kreativen Köpfen an Ideen zu basteln. Unser eigener Blog kommt einfach noch ergänzend hinzu und bietet uns die Möglichkeit, uns kulinarisch wie auch textlich absolut frei und unbekümmert im Internet zu bewegen und unsere komplett eigene Note zu vermitteln. Das macht schon großen Spaß!

Sophia: Ich liebe die Arbeit mit anderen Blogs über alles. Trotzdem hat es sich irgendwie nicht richtig angefühlt, Blogger ohne eigenen Blog zu sein. Jetzt haben wir ein digitales Zuhause. Das ist schön und fühlt sich gut an. Trotzdem werden wir die Zusammenarbeit mit anderen Blogs nicht aufgeben.

"Um erfolgreicher Blogger zu sein, braucht es Durchhaltevermögen"


Gibt es einen Blog, dem ihr mit Leib und Seele folgt?

Maria: Bei mir sind es eher Seiten. Ich mag Refinery29 sehr gerne und lese auch sonst eher viel Nachrichten. Krautkopf, Foodstories und TheGhostOnMyBack schaue ich mir gerne an und bin ein wenig neidisch, auf die krassen Foodstyling-Skillz.

Sophia: Ich hänge erschreckend oft auf Buzzfeed rum und mache dort die Tests.

Was braucht es, um ein erfolgreicher Blogger zu sein?

Maria: Kommt drauf an, in welchem Bereich man sich bewegt. Auf jeden Fall: Durchhaltevermögen. In den seltensten Fällen wir ein Blog innerhalb eines Jahres so groß, dass man davon leben kann. Es gehört sehr viel Geschäftssinn und Erfahrung dazu, sein eigenes kleines Medienunternehmen hochzuziehen.

Sophia: Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Und natürlich sehr viel Selbstdisziplin. Kreativität schadet auch nicht.

Kai: Mit Durchhaltevermögen hat Maria auf jeden Fall Recht. Aber “erfolgreich” ist wie immer “relativ”: Ist man ein weiteres Abziehbild (und damit erfolgreich) oder macht es einem Spaß?

Wie schafft man es als Blogger authentisch und ehrlich gegenüber seinen Lesern zu bleiben, wenn doch immer mehr Firmen auf Kooperationen mit Influencern setzen und die Transparenz (Kennzeichnung als Werbung) nicht immer gewünscht ist?

Maria: Das super coole am eigenem Blog ist ja, dass wir uns unsere Partner ja quasi selbst aussuchen können. Wir haben einen großen fairen und nachhaltigen Anspruch und sagen tatsächlich auch viele Kooperationsanfragen ab. Ganz einfach, weil wir die Marken nicht so gut finden. Wenn uns die Kooperation mit Marken aber ermöglicht, uns kreativ auszutoben und tolle Projekte zu ermöglichen, so sind wir darüber sehr dankbar, dass wir tollen Content einer breiten Leserschaft kostenfrei zur Verfügung stellen können.

Sophia: Wir kooperieren grundsätzlich nicht mit Marken, die unsere Werte nicht teilen oder deren Produkte uns einfach nicht überzeugen. Markenkooperationen sind wichtig für Blogger, schließlich kann man ja nicht nur von Goodiebags leben. Allerdings muss man als Blogger auch darauf achten, seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Die Leser vertrauen uns und nehme unsere Meinung ernst, also müssen wir bei jeder Kooperation auch darüber nachdenken, wie sinnvoll sie für unseren Blog wäre. Interessiert das Produkt unsere Zielgruppe überhaupt? Würden wir das Produkt selbst benutzen? Wenn Marken nicht wollen, dass ein bezahlter Beitrag dementsprechend gekennzeichnet wird, dann müssen wir die Anfrage leider ablehnen.

"Influencer? Wir sehen uns eher als Auskenner"


Seht ihr euch selbst als Influencer?

Maria: Eh.. oh.. Schwierig. Wir sind ja keine Caro Daur oder Bloggerbazaar mit 100.000 von Followern und 40 Kooperationen im Monat. Ich würde uns eher als Auskenner bezeichnen. Wir kennen den Markt und wissen was geht, und was nicht. Außerdem sind wir mit vielen Influencern befreundet und wissen, wie sie ticken. Darum läuft unser Consulting glaube ich auch so gut.

Sophia: Ich sehe uns selbst gar nicht so und bin immer völlig perplex, wenn mir mal wieder jemand an den Kopf knallt: “Ach, du bist ja eine von den Zwillingen, euch kennt man ja.” Das kommt für mich immer sehr überraschend, weil im Alltag merke ich nichts davon. Auskenner finde ich auch passender.

Gäbe es etwas, das ihr für kein Geld der Welt tun würdet?

Maria. Lügen!

Sophia: Sehr viele Dinge.

Ohne welche App oder welchen Social Media Kanal wollt ihr nicht mehr leben?

Maria: Instagram, Facebook, Gmail, Google Translator (für die Reisen), Google Maps.

Sophia: Instagram Stories gefällt mir persönlich besser als Snapchat, da man sich hier nicht mühsam eine neue Community aufbauen muss, sondern seine Stories gleich mit seinen Instagram Followern teilen kann.

"Ziele sind bei uns weniger finanzieller Natur"


Gibt es denn ein großes Ziel, das ihr erreichen möchtet? Was wäre euer ganz großer Traum, was ihr mit dem Blog erreichen wollt? Oder soll es vor allem Spaß machen?

Maria: Ziele sind bei uns weniger finanzieller Natur, sondern haben immer ganz stark was mit Content zu tun: Wo möchte ich mit meiner Berichterstattung mal hinkommen? Wir sind zwar keine Köchinnen, aber passionierte Esser und das können wir auch sehr gut. Darum ist oberstes Ziel natürlich, um die Welt zu reisen und alles zu essen, was es da draußen zu entdecken gibt. Mit Köchen und Köchinnen vor Ort die abgeflipptesten Sachen kochen, sehen, wie es dort angebaut wird, nachhaltige Lebenskonzepte erkunden usw.

Sophia: Anthony Bourdain ist mein Held! Seit ich damals, vor viiiielen Jahren, die erste Folge seiner Show "No Reservations" sah, wollte ich das auch machen. Reisen, Länder und Menschen kennenlernen und vor allem viel gutes Essen essen. Ich bin davon überzeugt, dass man durch das Essen die Menschen am besten kennenlernt. Nicht ohne Grund renne ich immer als erstes in den Supermarkt, wenn ich einen neuen Ort besuche. Ich finde das einfach wahnsinnig spannend.

Mal Hand auf’s Herz: Nervt es nicht manchmal, wenn man an einer Tour von Freunden und Bekannten nach Empfehlungen gefragt wird?

Maria: Ja, und wie. Die meisten sind einfach nur zu faul, selbst mal kurz nachzulesen und wälzen die Eigenrecherche auf einen ab. Voll fies, denn danach dürfen wir nicht mal mit zum Essen.

Sophia: Ja es nervt, aber wir sind ja selbst Schuld. Wer Restaurants testet, wird eben nach Tipps gefragt. Die Leute sind oftmals zu bequem, einfach selbst im Internet zu suchen. Da schreibt man eben lieber mal schnell eine Nachricht. Nur: Wir sind eben auch manchmal zu bequem zu antworten. Nee, Quatsch bei Seite, wir helfen gern, aber sind auch immer froh, wenn mal keine Anfrage kommt.

"Meine Souvenirs kaufe ich immer im Supermarkt"


Was zeichnet für euch gutes Essen aus?

Maria: Wer-was-wie-wo wurde es zubereitet, denn das Erlebnis schmeckt mit.

Sophia: Gute Zutaten und der perfekte Moment. Gutes Essen kann auch schon mal eine Tiefkühlpizza sein, wenn man Sonntags verkatert im Bett liegt und sich gerade durch alle sieben Staffeln Gilmore Girls “quält”. Gutes Essen weiß einfach, wann es gefragt ist und ist dann sofort – am besten ganz ohne Wartezeit – sofort da. Gutes Essen kann aber auch lange dauern, sehr teuer sein, zum Event anschwellen und sogar noch eine Message haben. Zeit und Ort sind eben entscheidend, wie so oft.

Was wäre eure Henkermahlzeit?

Maria: Irgendwas mit Fisch. Ich liebe (rohen und marinierten) Fisch.

Sophia: Im Winter Ramen, da hat man noch mal etwas Wärmendes im Bauch, ein letztes mal ein wohliges Gefühl, eben Liebe in Schüsseln. Ich liebe Ramen! Im Sommer wohl Sushi, aber so eine richtig protzige Platte mit allem drum und dran, so eine, die sonst immer nur die Leute am Nachbartisch bestellen und man dann heimlich, voller Neid, aber das würde man natürlich niemals zugeben, rüberluschert und sich fragt, wer das denn alles essen soll. Ich werde alles aufessen.

Kulinarisch gesehen: Welcher Ort oder welches Land reizt euch am meisten?

Maria: Das Schlimme ist, dass es hier für mich keinerlei Präferenzen gibt. Ich habe bis jetzt in jedem Land noch ein Futtermittel gefunden, ohne das ich danach auf gar keinen Fall weiterleben konnte. Meine Souvenirs kaufe ich immer im Supermarkt.

Sophia: Als Maria vor ein paar Wochen in Japan war, da war ich schon sehr sehr sehr neidisch. Nicht etwa, weil ich Langstreckenflüge so sehr liebe (wahrlich nicht!), sondern weil sie sich durch das für mich kulinarisch spannendste Land futtern durfte.

Habt ihr ein Lieblingsrestaurant in Berlin?

Maria: Nein.

Sophia: Kommt auf die Stimmung an. Wie gesagt, Sushi und Ramen gehen immer.

Die Qualität der Zutaten steht immer vor der Quantität


Denkt ihr, dass eure Eltern euch kulinarisch geprägt haben? Oder waren es andere Faktoren wie zum Beispiel eure Reisen und Berlin?

Maria: Unsere Omis und Mutter haben uns kulinarisch geprägt. Definitiv. Weil wir schon als kleine Stöpsel mit ihnen am Herd standen. Ich habe mich dabei allerdings auf Essen konzentriert, Sophia auf’s Kochen. Fast wie heute eben

Sophia: “Omi, wenn ich groß bin möchte ich mal Köcherin werden!” das war der Satz, den mir unsere geliebte Oma noch heute vorballadiert, da sie das wohl sehr süß und auch irgendwie orakelig fand. Köchin bin ich zwar nicht geworden, dazu fehlt mir der nötige Respekt vor Autoritäten und die Fähigkeit, sich komplizierte Rezepte zu merken. Aber die Liebe zum Essen haben wir von klein auf gelernt. Wichtig war dabei immer, dass Qualität vor Quantität steht – wir hatten immer sehr gute Lebensmittel im Haus, denn die Qualität der Zutaten ist entscheidend!

Was wird für euch der heiße Food-Trend 2017?

Maria: Käse!!!

Sophia: Lokaler, nachhaltiger und bewusster essen, lokale Superfoods neu entdecken und kreativ nutzen, anstatt Acai und co. über den halben Erdball zu schippern.

Wir bedanken uns für das erfrischend andere Interview und wünschen euch weiterhin viel Erfolg, und natürlich Spaß!

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Titelbild: Ailine Liefeld

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